in lobenswerter Tätigkeit zu seinem Schutze. Von seinem treuen Walter begleitet, ging Graf Stephan auf Zureden seines edlen Freundes nach Italien, um unter einem milderen Himmel, entfernt von allem was allzu herbe Erinnerungen in ihm aufregen musste, einstweilen unter fremdem Namen, ein stilles Leben zu führen. Fürst Andreas aber nahm während der Zeit mit dem ihm eigenen Eifer der Leitung und Ordnung der Angelegenheiten seines Freundes sich an, die er in einem zwar vielfach verworrenen, aber doch bei weitem nicht so hoffnungslosen Zustande fand, als Graf Stephan selbst es gemeint hatte.
Richard mochte es sich selbst kaum gestehen, welche Erleichterung seines, auch in anderer Hinsicht nichts weniger als beneidenswerten Zustandes, die Entfernung des Grafen Stephan ihm gewährte. Sie befreiete ihn von der täglich wiederkehrenden Pein, das längst als hoffnungslos Aufgegebene immer von neuem aufnehmen zu müssen, und immer mit gleich schlechtem, ihn tief betrübendem Erfolge.
Jetzt hatte er wenigstens einige Hoffnung, unter Walters sorgsamer Pflege der Genesung des geliebten Leidenden entgegen sehen zu dürfen. Längst schon war aus dem treuen verständigen Diener der kein Opfer scheuende Freund seines unglücklichen Gebieters geworden; Fürst Andreas selbst erkannte und würdigte ihn als solchen, und überliess ihm ohne Bedenken die sorge für seinen Herrn, wie die Anordnung einer Reise, die Walter schon früher einmal mit demselben gemacht hatte. In auffallendem Contraste mit dem fast zum Scheinleben herabgesunkenen Grafen Stephan trat jetzt Fürst Andreas in immer weiter um sich greifender Tätigkeit auf.
Alex, Eugen, alle vertrautesten Jugendgefährten des ganz vereinsamten Richard, waren, wenigstens für den Augenblick, ihm verloren. Zu einer Zeit, wo er mehr als je des Rates, der Mitteilung, des Trostes bedurfte, sah er mit allen seinen ahnungsvollen Sorgen und Zweifeln sich einzig an den väterlichen Führer und Beschützer seines früheren Lebens gewiesen.
Vertrauend eilte er zu ihm mit seinem bis zum Überfliessen vollen Herzen, harrte in unermüdlicher Geduld auf den günstigen Augenblick, es in den Busen seines väterlichen Freundes sich ergiessen zu lassen, und stand, wenn er einen solchen endlich errungen zu haben meinte, vor ihm, wie vor einem verschlossenen Schreine.
Für Alle und für Alles hatte Fürst Andreas Zeit, war zugänglich für Jeden, der seiner bedurfte, nur für den geliebten Sohn seiner Wahl, wie Richard noch immer und bei jeder gelegenheit von ihm genannt wurde, wollte es ihm niemals gelingen, nur eine einzige kleine vertrauliche Stunde zu finden.
Richard wurde unter Vorwänden, von denen der letzte immer der nichtigste zu sein schien, von einem Tage zum andern fortwährend vertröstet. Und wollte sich in der Eile nichts anderes ausfindig machen lassen, so sass Mr. Mitchel mit seinen endlosen Verbesserungen, Vorschlägen und Erfindungen im Vorzimmer, neben seinem Busenfreunde dem Kammerdiener, bei dem er sich förmlich etablirt hatte, und war auf den kleinsten Wink bereit, mit etwas Neuem aufzuwarten.
Für Richard war es unter solchen Umständen keine ganz leichte Aufgabe, in unwandelbarer Liebe und Ehrfurcht an dem Wohltäter seiner Jugend festzuhalten, ohne sich im Glauben an ihn irren zu lassen. Doch er bestand die schwere probe; sein Gemüt war und blieb jeder, in seinen Augen den Fürsten und ihn selbst erniedrigenden Regung des Misstrauens unzugänglich; doch anders war es mit der sorge, dass das freie, offne, edle Naturell desselben gemissbraucht, dass Andreas durch List und Trug irre geleitet, von Neuem in Verhältnisse verwickelt werden könne, aus denen dann kein Rücktritt möglich wäre.
Auf sich allein zurückgewiesen, ohne Möglichkeit, durch Rede und Gegenrede mit teilnehmenden verständigen Freunden zu grösserer klarheit seiner eigenen Gedanken zu gelangen, versenkte und verlor der ganz Verlassene sich immer tiefer in trübes Nachsinnen, das ihn nur beängstigen konnte, ohne ihn weiter zu bringen; es war eigentlich mehr ein dumpfes Gefühl von Not und Gefahr, das fortwährend ihn verfolgte, ohne sich in deutliche Worte fassen zu lassen.
In sorgenvoll durchwachten Nächten erhob das grässliche Bild des Mord und Verrat atmenden Matias sich neben ihm. Der Eindruck, den jener schaudervolle Besuch auf Richards Gemüt gemacht hatte, wurde ihm jetzt erst recht fühlbar, seitdem seine Gedanken und seine Zeit nicht mehr so ganz ausschliessend von der sorge für Graf Stephan in Anspruch genommen wurden.
Waren die Schrecken, welche jenen damals bis an den Rand des Wahnsinnes getrieben, wirklich nur das Phantom einer beängsteten, durch Befürchtungen der grässlichsten Art auf das höchste gesteigerten Phantasie gewesen? Wer konnte hier entscheidend auftreten und behaupten, dem sei so!
Dass Fürst Andreas die Ausführung der drohenden Feste bei Beleja Tserkoff wirklich zu hintertreiben gewusst habe, wie er allerdings zu verstehen gegeben, wenn gleich nicht in deutlichen Worten, war eben nichts Unmögliches; aber auch andre Gründe konnten hier leicht vorgewaltet haben, andre, gefährlichere, mit den Befürchtungen zusammenhängende, durch welche Matias Apostol zu seinem verzweiflungsvollen Tun getrieben worden war.
Des Kaisers nahe bevorstehende Reise in die südlichen Provinzen seines unermesslichen Reiches, war jetzt längst kein geheimnis mehr, die Anstalten zu derselben wurden eifrig und offenbar betrieben; doch über die eigentliche Veranlassung derselben waren sehr verschiedene Meinungen in Umlauf. Die Mehrzahl wollte sie in der Gesundheit des Monarchen finden, welche ein milderes Klima verlangte; doch konnte er nicht auch auf diese Weise, ohne aufsehen zu erregen, sich dem Schauplatze von Ereignissen entziehen wollen, die er vielleicht nur dunkel ahnete, ohne dass jedoch eine Entdeckung der Gefahren wirklich Statt gehabt hätte, die seinem Leben droheten?
S e i n e m Leben, d e s K a i s e r s geheiligtem Leben! Richard