seines Alters, doch mehr noch durch Geschenke, welche von allen Seiten dem Lieblinge des ganzen Hauses zuströmten. Das zuletzt erhaltne war der reich verzierte Türkendolch, welchen Eugen, bei Richards Eintritt in die Kaserne, diesem verehrt hatte.
Seitdem hatte die Lust sich mit solchen Spielereien ernstlich zu beschäftigen bei ihm sehr abgenommen; die Waffen wurden an der Wand eines an sein Zimmer anstossenden Kabinets zur glänzenden Trophäe auf das geschmackvollste geordnet; sein blick weilte zwar oft und gern auf denselben, doch nur als auf einem sehr werten Andenken früherer Tage.
Diese Trophäe, von welcher eine vom Fürsten Isidor einst zufällig erhaltne Windbüchse den Mittelpunkt bildete, welche aber teils wegen der geringen Zierlichkeit ihrer Form, teils wegen des auf ihr ruhenden Verbotes, von anderen glänzenderen Waffen fast ganz verdeckt wurde, war gerade der offen stehenden tür des Kabinets gegenüber angebracht, und Matias brauchte nur die Augen aufzuschlagen, um sie zu bemerken.
Doch würde er in seinem leidenschaftlichen Zustande sie vielleicht fortwährend übersehen haben, hätte nicht die Eile, mit welcher Richard jetzt jene tür schliessen wollte, seine Aufmerksamkeit dortin gewendet.
Den Gegenstand den er forderte entdecken, und mit einem gewaltigen Sprunge Richarden zuvorzukommen suchen, war das Werk eines Augenblickes; doch gelang es dennoch dem behenderen Richard, seinen Zweck zu erreichen. Er lehnte sich mit dem rücken gegen die nun fest verschlossene tür und gelobte mit einem hohen teuern Eide, jenes gefährliche Werkzeug niedern Meuchelmordes nur mit seinem Leben sich entreissen zu lassen.
Matias, unter Fluchen und wütenden Beschuldigungen der Untreue gegen den Bund, warf sich über ihn her, um seinen Widerstand zu bewältigen; ein Ringen entstand, bei welchem nur Richards grosse persönliche Gewandteit es ihm möglich machte, der ihm überlegenen, durch wahnsinnige Wut noch gesteigerten Körperkraft seines Gegners nicht gleich zu erliegen.
Dass ein anfangs gemässigt leises, dann immer lauter werdendes klopfen an der äussern tür, unter diesen Umständen von den Kämpfenden nicht vernommen werden konnte, war natürlich; doch dieses Pochen ging allmälig in laut donnernde Versuche über, die schon krachende tür gewaltsam zu erbrechen; Matias hielt einen Augenblick mit Ringen ein, und Richard gewann dadurch Zeit sie zu öffnen.
Plagt Euch alle beide der Teufel? was treibt ihr hier in aller Frühe für ein Specktakel, ungezogene Buben, wisst Ihr nichts Besseres zu tun? rief lachend Sergius. In Lebensgrösse, ganz unbeschädigt stand er vor ihnen; Matias schrie laut auf, und stürzte ihm in die arme, während Richard die Windbüchse von der Wand riss, und sie zertrümmerte. Dass die Fehde zwischen ihm und seinem Gegner jetzt beendet war, versteht sich von selbst.
übrigens hielt Sergius es eben nicht für notwendig die Gründe anzugeben, die ihn bewogen hatten, sowohl seine Brüder als die Häupter des Bundes so lange Zeit ohne ein einziges Zeichen seines Daseins zu lassen. Er erzählte nur ganz in der Kürze, dass er, nach seiner am gestrigen Abend spät erfolgten Ankunft, sich sogleich zum Fürsten Andreas begeben, bei welchem er bis tief in die Nacht hinein verweilte, und dann reisemüde die Ruhe suchte.
Ungeachtet er, eben so wenig als seine Brüder, mit Richard jemals in näherem Umgange gestanden, hatte dennoch ein übrigens nicht bedeutender Auftrag des Fürsten, bei seinem nächsten Ausgange am folgenden Morgen ihn zu demselben geführt, und so war er denn glücklicher Weise, ein ächter deus ex machina, in jene tragikomische Scene zur Beendigung derselben hinein gefallen.
Der Auftrag des Fürsten an Richard bestand hauptsächlich in der Versicherung, dass ganz gleichgültige, unbedeutende Ursachen, hauptsächlich der Überdruss davon so unablässig sprechen zu hören, den Kaiser bewogen, jene Revue aufzugeben. übrigens setzte Sergius noch hinzu, dass er die feste Überzeugung mitgebracht habe, dass Niemand weder in noch ausserhalb Petersburg an Verrat denke, und Alles so ruhig sei, als es unter solchen Umständen nur immer möglich wäre. Die sorgsamste Pflege hatte in physischer Hinsicht die Gesundheit des unglücklichen Grafen Stephan zwar einigermassen wieder hergestellt, doch sein von so vielen schnell auf einander folgenden Schlägen hart getroffnes Gemüt konnte nicht wieder genesen. Vergebens mühete Richard sich in Versuchen ab, ihn wieder dem wirklichen Leben zuzuführen, er war für die wichtigsten Angelegenheiten desselben völlig gefühllos geworden. Seine geistige Kraft war abgestumpft, sein Gefühl für alles ausser seinem unwiederbringlichen Verluste war ertödtet, und Vaterlandsliebe, die ihm früher die Brust mit glühender Begeisterung erfüllte, war ihm jetzt nur ein leerer Klang, ohne Sinn und Bedeutung. Das sonst für alles Grosse, Gute und Schöne so warme Herz, lag kalt und erstorben ihm in der Brust, ohne Hoffnung, wie ohne Wunsch, weder Freude noch Leid konnten es wieder wecken. Er verlangte mit dem äussern Leben weiter keine Gemeinschaft zu haben, seine Seele war bei den toten. Und doch, und zwar in der allerwiderwärtigsten Gestalt, drängte dieses Leben, das ihn anekelte, in den eng abgeschlossenen Kreis seiner Gedanken und Gefühle sich ein.
Habsüchtige entfernte Verwandte, welche jetzt einige Hoffnung gewonnen hatten, den Kinderlosen einst zu beerben, meinten dadurch sich jetzt schon berechtigt, in die Verwaltung seiner Angelegenheiten und seines Vermögens eingreifen zu dürfen. Sie machten sogar schon einige Anstalten den schwermütigen Vetter, den sie gern für blödsinnig ausgegeben hätten, für's erste wenigstens unter Vormundschaft zu stellen, und quälten und verfolgten ihn auf das widerwärtigste mit ihren endlosen Zumutungen.
Schon waren sie nahe daran, den ganz Mutlosen durch Überdruss zur Erfüllung von allem was sie verlangten zu bewegen; doch Fürst Andreas oft erprobte Freundschaft erhob sich jetzt