sich und flossen zu einer hellen Krone um die gelben Locken meines Hauptes, mein Gewand ward Licht – ich selbst war in einen Heiligen verwandelt. Mir war ein Wunder gelungen, der Himmel hatte meine Gebete erhört; schon sah ich im geist eine gläubige Menge zu meinen Füssen knieen. Als ich im Kloster wieder ankam, hatte Niemand meine Abwesenheit bemerkt, dem blassen Bruder, der mich besuchte, warf ich mich an den Hals, mit der Glut meines jungen Busens erwärmte ich seine eiskalte knöcherne Brust, – mein göttliches geheimnis ward das seinige. Er sagte nichts, doch zuckte es um seine bleichen Lippen. An einem Nachmittage rief er mich zu sich in seine Zelle. Ich zweifle nicht, mein junger Bruder, sprach er, an deine wundertätige Kraft, doch treibt der Lügengeist mich an, dich zu versuchen, komm, überzeuge, erleuchte mich. Mit diesen Worten brachte er den wilden Hund des Klosterhofes herbei, und indem er das wutschnaubende Untier an der Kette festielt, sagte er zu mir: Nun, mein Bruder, jetzt nimm dein Buch, halte es gegen dieses Tier, und wenn du anders wahr geredet, und an den Himmel glaubst, so wird die Wut des Hundes nichts gegen dich vermögen. Du sagst es, rief ich mit starker stimme, so wahr der Glaube an des himmels Kraft kein Spott ist, so wahr wird mir der Hund nichts Böses antun können. jetzt sank ich auf meine Kniee und entblätterte mein Buch – in dem Augenblick entsprang das Tier seiner aufgeknüpften Kette und – o, es ist lächerlich, – die Bögen meiner Schrift lagen zerrissen vor mir und ich fühlte die jähen Schmerzen, wie die grimmigen Zähne des Hundes sich tief in mein Fleisch einbohrten. Als ich am andern Tage aus meiner Ohnmacht erwachte, lag ich in meiner Zelle, der bleiche Bruder stand neben mir, und ich bemerkte im hellen scharfen Strahl des Mondlichtes, wie sich sein blasses Gesicht in einem grinsenden, tonlosen lachen weit spaltete, und sich dicht über mich beugend, so dass sein kalter Otem an meiner heissen Fieberwange erwarmte, sagte er leicht und immer fortlachend: Albernes, warmes Kind, dein Fleisch hat dich betört, es gibt keinen Himmel! Merkst du nun endlich, dass es ein böser Geist ist, der mit uns spielt. Ich hörte diese Worte nicht mehr, mein Herz brach und in einem Blutstrahl, den ich ausspie, schwanden mir die Sinne von neuem. In einem Fiebertraum, der mich zwischen Tod und Leben schwebend erhielt, sah ich den blassen Bruder öfters, wie er in der Kirche herumging und mit dem weiten Aermel seiner Kutte die Bilder der Heiligen auslöschte; dann leuchtete er hin und auf dem matten, schwärzlichen Grund zeigten sich nun scheussliche, ekelhafte Fratzen, die Menge aber kam und kniete andächtig nieder und sah die entsetzliche Verwandlung nicht. Schuldlos lächelnde Knabengesichter, blühende Mädchenköpfe blickten vom Chor hernieder; vor dem Allerheiligsten stand jedoch der fürchterliche Blasse und sang schamlos wahnsinnige Lieder in andächtigen Tönen ab. Eine dreimonatliche Krankheit hielt mich am Lager fest, in den fürchterlichsten Krämpfen drohten meine entzündeten Sinne unterzugehen, als endlich die aufstrebende natur siegte, die Krisis vorüberging, lag ich auch, eine kalte Leiche, da, mit einem Herzen, das nichts mehr bewundern, nichts mehr lieben konnte. Mein Auge war entsiegelt, was Tausende von Menschen in ihrer Blindheit fesselte, hatte auf mich seine Macht ewig verloren; ich sah das höhnende Gerippe durch die bunten Fratzen durch, mit denen die schmeichelnden Sinne, der Wahnsinn und die Torheit es umkleiden. Als ich genesen, führte der bleiche Bruder mich nun immer weiter auf die eisige Höhe der erkenntnis; ich sog von seinen Lippen den schneidenden Spott, die kalte Verachtung, den schlafmüden gähnenden Ueberdruss mit Begierde ein; ich verachtete die schwachen Seelen, welche dem Wurme gleich sich krümmten unter den Tritten eines tyrannischen Geschicks; mich mochte sein plumper eiserner Fuss zertreten, was lag daran, wusste ich doch, dass ich dann auf ewig dem Nichts wieder dahingegeben war, aus dem ich wider meinen Willen zu Qualen hervorgerufen worden. Ich konnte in meiner überzeugung mich nicht einmal zu dem Glauben eines Lehrers zwingen, als beherrsche den Menschen ein böses, tückisches Wesen; wie möchte ein solches Freude daran haben, mit einem Geschöpfe zu spielen, das wie ein läppisches Uhrwerk sich selbst überlassen, zeitig genug an seiner eigenen Erbärmlichkeit sich aufrieb und vernichtete. Die Träne der glühendsten Andacht, ist sie mehr als das Werk eines durch Sinnlichkeit und Eitelkeit hervorgekitzelten Nervs, ist sie etwas edleres, als das Lächeln auf der Lippe eines Wollusttrunkenen?" –
Der Graf hatte geendet und lag zusammengesunken da, der Herzog träumte vor sich hin; Eduards Seele war ganz Leben und Bewegung, er glaubte einen blick in das Innere des wunderbaren Mannes getan zu haben, und seine überzeugung war, dass der Graf seine eigene geschichte vorgetragen habe, er wollte ihn mit einer Rede voll Glauben und Frühlingswärme ansprechen, da richtete jener das Auge auf ihn und jener matte, Ueberdruss blickende Strahl fiel entkräftigend in seine Seele. Selbst Jokonde erschrack vor diesem Blicke, und fragte schnell, ob der Graf nicht noch eine Tasse Tee befehle, oder ob sie, um die Gesellschaft zu erheitern, etwas spielen solle. Der Graf nickte und der Herzog sprang auf, um einen dankenden Kuss auf die Stirne des schönen Mädchens zu drücken. Massiello nahm förmlich Abschied, und führte zur Entschuldigung an, wie er jetzt gerade