auf dem Fortepiano, und zugleich ward die Einsiedlerhütte bemerkbar, deren tür offen stand. Oben an der Hütte war ein purpurglänzender Papagei in seinem Goldringe aufgehängt, unten spielten im Sonnenstrahl zwei weisse Kaninchen. Der Abt sass in einem braunen herabfliessenden Gewande, mit dem rücken gegen den Eingang, am Instrumente, und spielte eine Sonate von Betoven. Als er den Ankommenden entgegentrat, bemerkten die Freunde, dass er sich hatte einen Bart wachsen lassen, der seinem gesicht nicht übel stand. "Carissimo padre!" rief Massiello, und schloss sich in die arme des Erfreuten, indem er einige flüchtige Küsse auf den neuangeschossenen Bart drückte, "wie geht's? welches Befinden?" er trat gleich darauf an's Klavier, und spielte die fehlenden Bögen der Sonate vollends ab, indess der Abt Eduard und seinen jungen Freund herzlich begrüsste. "Gewiss," sagte er zu dem erstern, "wird dieser kühle Waldschatten sich wie eine liebe Vergessenheit auf Ihren Busen legen, und dem empörten Blute Milde lehren – und dann tun Reisen, Postäuser, italienische Villen und neue Liebesbekanntschaften das Uebrige." Eduard äusserte, dass er, seinem Schwure getreu, Dienste suchen wolle, und dass der Militärstand stets für ihn etwas Anziehendes gehabt habe. August jubelte über diesen Ausspruch und meinte, in dem Falle wolle auch er ein Bajonet an seine Flinte schrauben lassen. Man machte einen kleinen Spaziergang in den Wald hinein, indess der Abt Einrichtungen treffen liess, um seinen Gästen eine anständige Mahlzeit und ein gutes Nachtlager anbieten zu können. Eduard, der den andern etwas vorausgeeilt war, betrat nicht sobald die Landstrasse, als er einen Wagen heranrollen sah, in dem ein Offizier und eine junge Dame sassen; sie waren so eifrig im Gespräch begriffen, dass sie den einsamen Wanderer nicht bemerkten, er aber erkannte ihre Physiognomien wohl: es war Robert und die Gräfin Eva. Massiello lief ihnen nach, indem er schrie und mit dem Tuch winkte, doch schon war der Wagen um die Ecke gebogen und verschwunden. "Da eilen Sie nun hin!" rief der Atemlose, "ihr Bestreben ist, uns in der Stadt aufzusuchen, um Abschied zu nehmen, und jetzt hören die zerstreuten Leute auf kein abmahnendes Wort; nun meinetalben, so mögen sie denn das leere Haus finden." Eduard erkundigte sich nach Robert's Schicksalen und erfuhr, dass der Poet eine reiche Erbschaft getan, und jetzt an der Seite der Gräfin, in der Uniform eines Malteserritters, London zueile, wo er sich anzusiedeln gedenke. – "Die Erbschaft," lächelte der Componist, "kam so zur rechten Zeit, dass unser Held ohne sie, von seinem vornehmen Beschützer verlassen, notwendig in eine üble Lage hätte geraten müssen; so aber scheinen die äusseren Schätze ihm immer voller zuzuströmen, je tiefer sein Gemüt in innere Zerrüttung und Armut sinkt; ich sehe das verzweifelte Ende voraus, das er notwendig nehmen muss." – "Und wie geht's der kleinen Jokonde?" fragte Eduard, von einer wehmütigen Erinnerung angehaucht. "fragen Sie nicht nach ihr," sagte Massiello mit weicher stimme, indem er zu Boden blickte; "wollte der Himmel, ich könnte von ihr sagen, dass man sie eines Morgens tot am Strande des Meeres gefunden." Eduard wurde merklich blässer bei dieser Antwort, er schwieg und eine tiefe Stille herrschte, während die drei Freunde den Weg zurück in die Einsiedlerhütte nahmen.
Man brachte den Abend trübe zu und ging zeitig zur Ruhe; als am andern Morgen sich die Freunde versammelten, fehlte Eduard in ihrer Mitte, er hatte sich in der Nacht leise fortbegeben, der Abt fand sein Taschenbuch, in dem ein kurzer Abschied eingezeichnet war, dann zog er ein Papier hervor, und es fand sich, dass es Magdalenens Brief war, den der Unglückliche bis jetzt bei sich getragen; Massiello entfaltete es, und las die Worte: "Teurer Oheim! den Ueberbringer dieses schicke ich Ihnen als einen Menschen zu, den ich für unsere Sache gewonnen habe, und den Sie überall brauchen können, nur nicht da, wo es Künste der Klugheit gilt, denn er hat die Offenheit und Ungeschicklichkeit eines Kindes. Der Fürst ist vom Trone und der Prinzessin geschieden, und geht in ein Asyl, wo er uns nicht mehr schädlich sein kann. Fällt dieser Brief in unrechte hände, so sind wir schon längst gesichert, und ich bin einen Ueberlästigen los, dessen Neigung, jetzt, da ich sie gewonnen, mich schon zu langweilen anfängt; mich dürstet nach einem neuen Wirkungskreis."
Die Freunde legten das unglückliche Blatt hin und sahen einander mit schmerzlichen Blicken an. August lehnte, das Antlitz auf den Arm gebeugt, am nächsten Baum; er wollte es den beiden Männern verbergen, dass seine jugendliche Wange von Tränen befeuchtet war.