nahes Gebüsch führen, wo neue Reinigungsversuche mit frischen Baumzweigen vorgenommen werden sollten. Der Abend war entzückend schön; das Gold der niederflammenden Sonne lag im matten Purpurglanz auf dem klaren Spiegel des Baches, hier und da zogen sich brennend rote Streifen über den dunkeln Waldteppich, und noch ferne spielten die bunten Lichter wie hinflatternde Vögel auf den zurücktretenden Baumstämmen. "Lassen Sie uns ein Bad nehmen," rief August, "das wasser muss äusserst erfrischend sein, mich dürstet nach der Flut." – Eduard liess sich bereden, beide Jünglinge warfen ihre Kleider ab, und wählten sich den tauglichsten Platz zum Einsteigen. Endlich entdeckten sie ein Plätzchen, auf dem ein paar junge Pferde weideten und sich das gute Futter trefflich schmecken liessen. Kaum hatte sich August dem wasser vertraut, und die frischen Wellen flogen im Schaum gespalten um seinen Leib, als der Pastor, welcher, unter einem Baum ruhend, zurückgeblieben war, ein Zetergeschrei erhob. In dem Moment hörte man das Gerassel eines Wagens, den Huf der Pferde, und es zeigte sich eine leichte Reisechaise, die dem Ausgange des Waldes mit grosser Eile zuflog; ein Herr und eine Dame hatten drinnen Platz genommen. "Sie sind's!" schrie der Kadet, und mit einem Sprunge an's Ufer setzend, schwang er sich im Augenblick auf eines der Pferde und jagte, ohne Umhüllung, wie er war, in die Waldnacht hinein, dem fliehenden Wagen nach. Er holte ihn bald ein, zwang die Rosse, still zu stehen, und hielt nun von seinem Pferde herab eine Strafpredigt der wiedergefundenen Schwester: "Wie war es Dir möglich, Sophie, uns alle in Schreck und Bestürzung zu versetzen? War es denn nicht viel natürlicher und passender, dass Du Deiner Stellung als Tochter eingedenk, dem Vater Dein Herz ausschüttetest, oder mir, Deinem Bruder, der Dir doch, wie Du weisst, auf das treueste zugetan ist; und Sie, Herr Doktor, wir hätten uns viel eher des himmels Einsturz vermutet, als diesen Schritt von einem mann, der so viel von Recht und Gerechtigkeit spricht." Sophie fand für gut, während dieser Worte ihr Gesicht mit beiden Händen zu verhüllen, sei es nun aus Bestürzung, Schmerz und Busse, oder um sich dem Anblick ihres nackenden Bruders zu entziehen, der in seinem Eifer gänzlich den Zustand, in dem er sich befand, vergessen zu haben schien. Auf der andern Seite des Wagens hatte sich der Pastor aufgeschwungen, und drang ebenfalls mit glühenden Worten auf die beiden Schuldigen, so dass der Journalist, der lange mit der Lorgnette bald links, bald rechts hinausgeschaut hatte, endlich sich überwunden gab und versicherte, er wolle nun umkehren, um sein Schicksal und das seiner Braut in die hände des Alten zu legen, der im Ernste nicht ihrem Glücke entgegen sein könne. Nach dieser Erklärung ward dem Kutscher befohlen, umzukehren, der Pastor bat um einen Platz im Wagen, und August, der unterdessen schleunig in die Kleider geschlüpft war, stieg hinten auf. So ging der Zug wie im Triumphe zurück in's Schloss, wo er natürlich höchst unerwartet eintraf.
Eduard machte den Weg zu Fuss; es war ihm ein Bedürfniss, in der Einsamkeit über die plötzliche Umgestaltung seines inneren einen klaren blick zu gewinnen. Magdalenens Wünsche, die für ihn Gebote waren, schienen ihn jetzt in eine öffentliche Wirksamkeit rufen zu wollen. Er fühlte Kraft und Mut zu einer solchen in seinem Busen keimen, seine im müssigen Gefühlswechsel dahingebrachte Jugend drückte ihn mit dem Bewusstsein der Schaam: dennoch wurde ihm der Beruf, den er jetzt wählen sollte, nach allen seinen Richtungen hin nicht klar. Die herrschenden, zum teil sehr dunkeln Ideen, welche ihm aus Jedermanns mund entgegentönten; die Worte Freiheit, Volksrecht, Deutschtum, und die Ansichten darüber, welche an der Tagesordnung waren, hatte er bis jetzt als Quelle so vielen Elends, so allgemeiner Verirrung immer möglichst weit umgangen; jetzt, schien es, wurde es erforderlich, sich eng mit ihnen vertraut zu machen, ja sogar selbst tätig bei dem Streite mitzuwirken, den man leider vor Augen sah. Er hoffte aus Magdalenens mund nähere Erläuterungen ihrer Ansichten und Wünsche in Betreff seiner zu erfahren, ihm genügte das süsse Bewusstsein, dass ein edles hohes Wesen sich des Inhalts seines Lebens bemächtigt hatte, um aus diesem Stoffe ein würdiges Gebilde zu formen.
Aus diesen und ähnlichen Betrachtungen weckte ihn Ottfried's erscheinen, der ihm am Ausgange des Waldes entgegentrat. Nach einigen flüchtigen Bemerkungen über die wiedereingeholten Reisenden teilte der ältere besonnenere Freund die Empfindungen, die den Busen des jüngeren bewegten. "Sie sind glücklich, Eduard," rief er mit einem warmen Händedrucke; "wer gönnt Ihnen dieses Glück wohl mehr, als ich? dennoch, Geliebter, ist mein Herz nicht frei von Besorgnissen für Sie. Erlauben Sie mir nur eine Frage, missdeuten Sie mir diese nicht: kennen Sie auch dieses wundersame Mädchen?" – "Welche Frage;" rief Eduard bestürzt, "dass ich Sie liebe, glühend liebe, beweist ja wohl, dass ich sie kennen muss! O nur zu lange habe ich diesen Engel verkannt." Ottfried schwieg und blickte zur Erde. Eduard fasste ihn scharf in's Auge: "Sie wollen mir etwas sagen, Freund, Ihre Zunge, scheint es, weigert sich, das Wort auszusprechen – reden Sie frei, nichts Schlimmeres können Sie von diesem Mädchen sagen, was