Gerüst, damit er mit den übrigen Bäumen und Pflanzen im Garten ein seltsam geregeltes Ganze ausmache. Du aber, mein Robert, stehst in diesem holländischen Garten als ein selbstständig keck auffliegendes Bäumchen da, dessen Saat wohl ein wundervoller Zugvogel aus fremden Ländern holte und fallen liess; mit einem gewissen übermütigen Wahnsinn weinst und lachst Du deine hellen Blüten heraus, Du erzwingst mit Hast einen Frühlingshimmel über Dir und bist zufrieden, wenn auf diese schnellen glänzenden Sonnenflocken ein jäher Tod deinem Leben ein Ende macht. Und verdient das Leben denn auch Ernst und sorge? Ich kann mir denken, wie alte prächtige Könige aus grauer Vorzeit müde und überdrüssig in ihr Grab gingen, ja dass sie ganze Pyramiden darauf wälzen liessen, um sich die Rückkehr in das Leben, das sie verachteten, zu verbauen. Wie machtlos brach sich denn das nichtige Geräusch drauf folgender Jahrhunderte an den gigantischen Mauern, worunter die alten Uebelgelaunten schliefen." – Robert ergötzte sich an der letzten Bemerkung sehr und meinte, von diesem Standpunkt angesehen, erschienen ihm jene ungeheuern Leichensteine wahrhaft grausig.
"Unerhörte Dinge, Freund!" rief der Abt Eduarden zu, als dieser nach einigen Wochen wieder in der Stadt erschien, und dem dicken freundlichen gesicht auf dem Wege zum fürstlichen Pallaste begegnete; "unerhörte Dinge sind geschehen, Liebwertester! wo haben Sie denn in aller Welt gesteckt? Es hat köstliche Diners, Soupers gegeben, zu denen man Sie eingeladen hat. O die Frommen essen auch und wissen eine Trüffelpastete sehr gut von einem Grützkuchen zu unterscheiden. Aber wo waren Sie, teuerster Jüngling? – wie gesagt, grosse Dinge sind im Werke – kommen Sie, – o es gibt eine lange Erzählung! – mir nach, mir nach!" – Er zog den sich Sträubenden fast mit Gewalt in eine nahe Restauration, dort liess er Chokolade serviren, und mit der dampfenden Tasse am Mund setzte er seine Rede fort, wiewohl mit leiser stimme. "Für's Erste erfahren Sie nur, dass Serenissimus, unser allergnädigster Principe, ganz des Teufels ist; man raunt sich für gewiss in's Ohr, dass der Treffliche den Tron quittiren will, um mit fräulein Magdalenen eine kleine mystische sekte zu formiren, der Himmel weiss, wo. Er sperrt sich Tagelang mit ihr ein, die Teater und Gesellschaften stocken, die Vermählung geht einen Schneckengang, die Fürstin Braut ist in einer höchst peinlichen Lage, fräulein Magdalena liegt Tag und Nacht clairvoyant da, und ein paar andere Damen haben die Offenbarungen und Prophezeihungen auf ihren teil genommen, und leisten in der kurzen Zeit etwas Erstaunliches. Man vermutet, dass das ganze Schauspiel vom Nachbarhofe eingeleitet worden ist, um die Verbindung des Herzogs rückgängig zu machen, und ihn vom Trone zu verdrängen. Und das Seltsamste ist noch – wen glauben Sie wohl an der Spitze der heiligen Sippschaft? – raten Sie einmal! – den alten Gottold, in den alle ganz verliebt sind."
Eduard war über diese Mitteilungen ganz erstaunt und nahm sich vor, mit eigenen Augen zu prüfen so bald als möglich, indess schwatzte sein dicker Gefährte weiter, indem er die geleerte Tasse auf den Tisch setzte, und sich lächelnd die Lippen reinigte. "Mir haben Sie wahrhaft satanisch mitgespielt, hören Sie nur, süsses Wesen! Ich komme einen Abend, um Serenissimus zu sprechen; meine Seele ahnet nicht, dass fräulein Magdalena wieder ein magnetisches Solo spielen will; leise trete ich in's Gemach und sehe beim Scheine der trüben Mondlampe ein liegendes Frauenzimmer auf den Polstern des Divans, um sie herum einige stille Gruppen, die bei meinem Eintritt wie Pagoden mit den Köpfen nicken; der Fürst legt den Finger auf den Mund, natürlich schweige ich und bleibe stehen – was geschieht? – plötzlich zuckt es im Antlitz des liegenden Frauenzimmers, ihre Brust hebt sich, die arme fahren auf und sie stösst einen Schrei aus, Alles stürzt hin – Bestürzung, Furcht, Besorgniss in allen Blicken! – man frägt leise, was ihr fehle, da ruft die Gnädige mit recht clairvoyanter Grobheit: 'Fort! Hinaus! – Es ist ein Ungeweihter in's Zimmer getreten, dessen Seele befleckt und sinnlich ist, treibt den unreinen Geist hinaus oder ich sterbe!' – Verdammte Affaire! Alles sieht mich drohend an, und ich stehe da, wie ein gescholtener Schulbube. 'Nun, was warten Sie noch – fort, entfernen Sie sich!' – rief jetzt der Allergnädigste, und eine alte Dame gab mir den Arm, um mich hinauszuführen. Hinter mir sah ich zwei Kammerjungfern mit Rauchfässern in's Heiligtum stürzen, und meine alte Führerin, nachdem sie mich in den Vorsaal gebracht, liess mich dastehen und verlor sich in die blauen Wolken des Räucherpulvers hinein. O du alter Kirchenstuhl, zürnte ich ihr nach, wandle nur immerhin in deine Conferenz zurück, mich soll keine Herrlichkeit mehr hineinlocken und wäre es selbst eine Pastete von lauter Pfauenzungen! Seht doch – ich, ein unreiner Geist! – ich möchte doch sehen, wie viel reiner Serenissimus, unser Durchlauchtigster ist, oder Massiello und tausend andre, die seit Adam's Fall noch nicht wieder aufgestanden sind. Aber ich weiss schon, einmal habe ich leise, leise von fräulein Magdalenens ein klein wenig zu bedeutender Nase gesprochen, flugs wurde ihr mein unreines Wesen in seiner ganzen Abscheulichkeit klar." Eduard musste lächeln bei diesem tragischen Bericht, obgleich seine ganze Seele voll war von jenen Ereignissen, die er