Dorfkirche geschüttet wird, um als ortodoxes Räucherpulver in die knöchernen Dorfnasen zu ziehen! Aber, aber auf der letzten verstecktesten Bank in der dunkeln Kirche sitzt ein armer, blasser, zusammengebrochener Jüngling, der schüttelt die weissgelben langen Locken, wenn das ortodoxe Pulver sich ihm naht, in seine Seele schlägt eine laute Nachtigall hinein, Granat- und Mandelblüte brechen in Frühlingshast auf, und die Zeder Libanons hebt ihr Haupt, und der ganze orientalische Himmel mit seiner Liebesglut dämmert im Busen des stillen Knaben auf; er begreift die wundersame zärtliche Sage, und er sieht das Mädchen weinen im Keller bei den Krügen, seine bleiche Wange errötet, wenn er an den Leib denkt, gleich einem schimmernden Weizenhaufen, an den Busen, gleich zwei Rehzwillingen. Er belauscht das Gespräch der Töchter Jerusalems, und in seiner Brust tönt leise die stimme: Eine aber ist meine Auserwählte, meine Taube – komm, du Schönste unter den Jungfrauen, komm und weile bei mir!" – "Was macht man bei hof?" fragte Eduard ziemlich prosaisch dazwischen, was macht – er stockte und eine Röte überflog sein Antlitz – er bezwang sich und nannte kalt den Namen der Gräfin Eva. – "Man sieht sie wenig, sie ist fromm, Massiello ist immer am Hof, er musizirt mit dem fräulein Magdalena, Robert hat eine Liebschaft auf dem land und eine Zankangelegenheit in der Stadt, die der Fürst vergeblich zu vertuschen strebt. Der Treffliche, nämlich unser Principe, geht einer Crisis entgegen, man sagt, dass er den neuen Weibern anheimfällt. – fräulein Magdalena ist Schwärmerin und Pietistin, die Arntal hat übernatürliche Zusammenkünfte und Erscheinungen – es sind einige mystische Tees gehalten worden, zu denen unser Einer keinen Zutritt erhält. Die kleine blonde Jokonde ist fast vergessen, nur ich schleiche manchen Abend zu ihr, und wir weinen in Mollakkorden und regnigten Nokturno's unsere Tränen hin. Das arme Kind dauert mich, sie steht oft vor ihrem Spiegel und scheint sich zu fragen, für wen zieh' ich ein neues Kleidchen an, für die Meereswellen, die da draussen rauschen? oder für den Sturm, der an mein Hüttendach schüttelt? für den alten Haushahn im hof? Sie sehen, Freund, es hat sich manches geändert, während Sie in ihrer kleinen Bastille steckten." Er ging wieder, und Eduard war so zerstreut, dass er das breite freundliche Gesicht noch vor sich sprechend glaubte, indess der Abt schon längst um die Strassenecke gebogen war und einem schmackhaften Souper entgegenging. Mögen sie doch treiben, was sie wollen, rief er in sich hinein, immer bunter, immer toller, meinetalben – ich will heiraten und zwar meine Emilie; es gibt doch nichts Solideres auf der Welt, als eine Ehe! –
Er warf seinen Mantel um und schritt in die Dunkelheit hinaus. Der fürstliche Pallast war erleuchtet, und sein aufschauendes Auge glaubte am hellen Fenster Massiello's kleine elegante Figur hinstreifen zu sehen. Die Franziskaner-Kirche lag wie ein schwarzer Riese vor ihm – die tür war angelehnt, er trat hinein. Ganz am Ende der hinabwandelnden Steinsäulen flimmerte ein Licht, als er darauf zuging, bewegte es sich ihm entgegen den gang hinauf. Es war eine Dame, in schwarze, schleppende Gewänder gehüllt, vor ihr ein Knabe mit einer Fackel. Eduard staunte die roten Blumenwangen des schönen Knaben an, dessen Blicke im Strahl der Fackel blitzend über die Schulter sahen und auf zwei dunkle Liebessterne trafen; es war Enzio und Gräfin Eva. Ihr schwebender sinnlicher gang floss wunderbar schwankend dahin, das goldne Kreuz schlug bei jedem Schritt an die Brust, – ihr Auge blickte unverwandt auf den rückschauenden Knaben; so ging sie dahin in die Nacht, die Andacht von der Sinnlichkeit geführt – Amor und Venus Urania! Das Steinbild eines alten Heiligen, an dem sie vorüberschritten, sah sich verwundert nach dem schönen Mädchen um, und eine heilige Magdalena blickte aus einem Bilde von ihrer Busspredigt auf nach dem schlanken Pagen. Eduard trat aus seinem Dunkel hervor und schritt auf die wandelnde Gruppe zu; die Gräfin wich erschreckt aus, doch als sie den Jüngling erkannte, glitt ein bittendes Lächeln über ihre schönen Züge – sie winkte Schweigen und hob den Rosenkranz in die Höhe. Als sie vorübergegangen, sah sich ihr Auge noch einmal nach ihm um, sie wollte sprechen, doch der Page schritt so schnell, dass sie im selben Augenblicke mit ihm in der Torhalle verschwand. Bald rasselte der Wagen mit seiner schönen Beute davon. Voll sehnsucht streckte Eduard seine arme nach der Entschwundenen in die Nacht hinaus, dann erschrack er über sich selbst, er lenkte in die Gasse ein, wo Emilie wohnte, doch willenlos blieb er an der Ecke stehen. Er hätte die Vorübergehenden fragen mögen, wohin sie so eilig gingen, ihm schien in der Welt nichts mehr so wichtig, dass er desshalb den Fuss zum Weitergehen aufsetzen möchte. In der Dunkelheit trat eine Gestalt ihm nach, es war der alte Gottold. "Wo gehen Sie hin?" fragte Eduard. "In den Abendzirkel zur Fürstin," war die kurze und schnelle Antwort. "Sie? dortin?" rief der Erstaunte, doch der alte Mann war schon verschwunden. Ein Wagen fuhr vorbei und die stimme des jungen Arztes, den Eduard bei dem tollen-Fleackwout gesehen, rief: "Guten Abend, Freund, nehmen Sie doch Platz neben mir und fahren Sie, wenn Ihnen nichts Besseres obliegt, mit mir