um ihren Geist mit Musikalien und Büchern zu nähren; die altklugen Gesichter des Papageis und der alten Dienerin waren eben auch nicht ergözlich, und erst am Abend kam Gesellschaft, gewöhnlich der Herzog, der einige Freunde mitbrachte, und wo dann gelacht, gesprochen und gescherzt wurde. Heute, da der Herzog heiterer als gewöhnlich schien, nahm sich also das schöne Mädchen den Mut, ihm mit einem zärtlichen Geflüster die Bitte vorzutragen, sie aus ihrem Fischer-Pallaste zu entlassen, und in die Residenz oder irgend eine Stadt zu schicken. – "Ein schöner Vorschlag," sagte der Herzog etwas trocken, "Du hast in der lezten Stadt, wo Du Dich aufgehalten, kindisches Mädchen, so viel Schulden gemacht, dass ich mir über meine Schwachheit, mit der ich immer wieder diese törichten Ausgaben besiritt, öfters Vorwürfe gemacht habe. Hier kann sich Deine Verschwendungssucht ein weit grösseres Feld verschaffen, Du kannst Tausende von Fischen einkaufen, von allen Sorten, und sie dann meinetalben wieder in's Meer zurückwerfen oder die Armen mit ihnen speisen." – Jokonde zog eine düstre Miene, die aber sogleich in ein Lächeln überging. – "Ueberdies," sagte der Fürst, "bin ich jetzt an eine Braut versprochen, und da geht dergleichen, wie Du wünschest, durchaus nicht. Tröste Dich, meine Liebe, und suche ein wenig mehr Gefallen an Büchern Dir anzueignen, Du glaubst nicht, wie deinem Geschlechte geistige Ausbildung zahllose Reize mehr verleiht." – "Nun schön," rief die Zurechtgewiesene, "wenn Du das meinst, Geliebter, so will ich morgen gleich das grosse Geschichtswerk zu studiren anfangen, das auf meinem Pult eingestäubt liegt, und das der galante, gelehrte Herr, der es geschrieben, die Güte gehabt hat, mir zuzueignen."
Dieses Gespräch wurde unterbrochen durch ein leises klopfen, welches vom saal aus sich hören liess. Massiello war hingeschlichen, und als die tür sich öffnete, sah ein breites, äusserst freundliches Gesicht hinein und sagte: "Ist es einigen alten Fischern erlaubt einzutreten?" – "Aha!" rief der Fürst, "da kommen unsre Freunde, nur herein!" Die Tür ging jetzt weit auf und zwei elegant gekleidete Jünglinge und eine dicke Figur in der Kleidung eines Weltgeistlichen traten ein. Sie begrüssten die freundliche Wirtin auf das artigste, und der ältere von den jungen Männern, ein bildschöner, aber bleicher Jüngling, nahm den andern an der Hand, indem er zu Jokonde sagte: "Dieser, mein fräulein, ist der neue Freund und Schützling unseres Fürsten, dem die erlaubnis erteilt worden ist, dem schönsten Mädchen in dieser Stadt die Hand zu küssen." Eduard, so hiess der Vorgestellte, neigte seine Lippen auf die dargebotenen, zarten Finger, und der Herzog, über die Schulter seiner Freundin gebeugt, sah dem errötenden Jünglinge mit Huld in's blühende Antlitz. Die alte Aufwärterin und das junge Kammermädchen, beide ein wenig aufgeputzt, reichten Erfrischungen umher; Jokonde stand am duftenden, zierlichen Teetisch, die Tassen und das glänzende Geräte ordnend. Der Abt Siegwart war eine jener behaglichen Erscheinungen, die eine innere joviale Weltanschauung nach aussenhin immer weiter und behaglicher ausrundet, auf dessen vollen Zügen immer ein heimliches lachen nur auf den Moment zu lauern scheint, um in ein lautes auszuplatzen. Er wusste tausend Anekdötchen, mit denen er Markt machte und in den Häusern herumging, dabei spielte er trefflich das Pianoforte, und tanzte auch zu zeiten, wobei er zu behaupten pflegte, dass es ihm gelungen sei, gewisse neue französische Tänze mit aller ihnen gebührenden leichten Grazie aufzufassen und darzustellen. jetzt, da er eine heisse, dampfende Tasse am Mund hatte, lächelte er höchst vergnügt und sagte: "Sollte man nicht glauben, teurer Prinz, diese unscheinbare Hütte sei die Zauberwohnung, in der die liebliche Undine, nach unsers Fouqué's zeugnis, ihr tolles Wesen mit den anständigsten und vornehmsten Leuten treibt?" – "Wer ist diese Undine," fragte Jokonde, "vielleicht die Frau des Herrn Fouqué?" Der Herzog lachte: "Schon wieder ein Irrtum," rief er, "Du siehst, wie Du noch zurück bist; geh morgen sogleich und hole Dir das Buch aus Deiner Bibliotek!"
Der ältere der jungen Männer, den wir Robert nennen wollen, trat jetzt zum Fürsten und sagte: "Dem alten Fleackwout habe ich heute auf das Heiligste versprechen müssen, seinen Leichnam einst an den Galgen hängen zu lassen. Ich will nicht in die Erde – in die Luft, hinauf in die Luft; da wird mir wohl werden, und jener satte Ueberdruss, jener Erdgeschmack wird sich endlich aus meinem Gaumen verlieren. Am liebsten, meinte er, ginge ich als todter Mensch mit einem Luftballon einsam in die Lüfte hinauf, und triebe dann zwischen Wolken und Gestirnen, von träumerischen Winden hin und her geschaukelt, Jahrelang dort oben herum." – "Eine sonderbare idee!" rief der Fürst, "vollkommen dieses alten, wunderlichen Mannes würdig, der seinen Spleen noch mit sich in ein anderes Dasein nehmen will. Ist er etwa wirklich gefährlich krank?" – "O, ganz und gar nicht," erwiderte der Abt, "ich habe ihn noch gestern gesprochen; doch, da ich den alten Toren kenne, hüte ich mich wohl, ihn nach seiner Gesundheit zu fragen, vielmehr erkundige ich mich angelegentlich, wann er sein Begräbniss zu veranstalten gedenke