, wie Gesträuch und Baum; hier standen sie von den freien Säulen verdeckt, und noch mehr von einzelnem Gebüsch und dünnen Bäumchen, die sie selbst fast unvermerkt hinter den Säulen hervorziehen konnten. Durch diese Einrichtung war es nicht nur möglich, dass sie gesehen wurden, sooft ihr Stichwort es erforderte, sondern es tat auch eine sehr komische wirkung, wenn die zornigen und lauernden Gesichter auf Augenblicke sich zeigten und dann wieder hinter dem Grün verschwanden, indessen etwas tiefer unten, aber ihnen nahe, Malvolio gestikulierte und keinen Argwohn hegte, dass man ihn in dieser Nähe beobachtete. In dieser Szene musste Emmrich seine Meisterschaft zeigen. Den Übermut und die verrückte Eitelkeit des ältlichen Mannes, die bis an die Grenze des Unmöglichen gesteigert wird, wusste er so natürlich darzustellen, der zunehmende Aberwitz mit und nach dem Lesen des Briefes war so überzeugend, dass alle Zuschauer sich getäuscht dem behaglichsten lachen überlassen konnten.
Jetzt trat die leidenschaft der schönen Olivia mehr heraus Andreas selbst wird eifersüchtig und lässt sich von dem hänselnden Tobias bereden, dem jungen Cesario eine alberne Ausforderung zu senden. So löst ein Scherz den andern ab, wenn der vorige seinem Verblühen nahe ist, und das Lustspiel bleibt immer neu und frisch. Nun kommt Malvolio als beglückter Liebender in seiner neuen Tracht. Seine Vertraulichkeit, sein Abspringen von grimassierter Freundlichkeit und lachenden Liebesmienen zu grobem Ernst und Stolz, seine Anspielungen auf den Brief, sein Übermut nachher gegen Tobias lassen ihn jetzt als ganz wahnwitzig erscheinen. Selbst Oliviens Reden enttäuschen ihn nicht als ihr Gemahl, als künftiger Herrscher legt er alles, so unmöglich dies scheint, zu seinem Vorteil aus. Die safrangelben Strümpfe zu der übrigens schwarzen Tracht vollenden das Bild. Die Kniegürtel, kreuzweis gebunden, waren nicht so, wie wir es wohl auf dem Kupferstich in der Shakespearegalerie sehen können, wo der Törichte Bänder oberhalb des Knies so auf dem Schenkel trägt, wie sich wohl ehemals die Jockeis zeigten; sondern ein Kniegürtel mit Gold auf blauem grund hing fast vorn über das Schienbein so steif und fest in Form eines wirklichen Kreuzes herab, dass durch diese Affektation die Erscheinung des Mannes noch abenteuerlicher wurde. Mit seiner Einsperrung geht seine eigentliche Rolle, seine Tätigkeit zu Ende. Nun erfolgt aber das ergötzliche Duell und die Gefangennehmung Antonios. Im Kleide des Pfarrers nahm sich der Narr wieder sehr gut aus, vorzüglich weil Lenz die Gabe besass, den vorgeblichen Geistlichen mit ganz veränderter stimme zu sprechen und dann plötzlich in jenen Ton zurückzufallen, den er als Narr angenommen hatte.
Gegen das Ende des Stücks erschien nun Olivia in dem roten seidenen Prachtkleide; alles entwickelte sich, auch der misshandelte Malvolio trat noch einmal im Schmuck der gelben Strümpfe auf, und das Ganze schloss zur allgemeinen Zufriedenheit.
Als alle abgegangen waren, hielt der Narr eine Art von Epilog; er sang nämlich jenes launige Lied, spielte auf der Trommel und pfiff dazu, indem er auch einige komische Tänzersprünge nach jeder Strophe anbrachte, nach der Anweisung, die ihm Emmrich gegeben, um ganz dem Dichter, seiner Art und Weise zu seiner Zeit zu genügen.
Elsheim, Olivia und Albertine hatten sich in ihren Teaterkleidern sogleich in das Parterre begeben, um der alten, sehr zufriedenen Baronesse ihre Glückwünsche zu ihrem Geburtstage darzubringen; auch Mannlich war den Damen gefolgt, um sich mit der gnädigen Frau wieder auszusöhnen, die ihn auch sehr freundlich empfing. Jetzt zogen sich auf dem Teater jene Vorhänge zurück, welche die Treppen bedeckten, und man sah alle Stufen mit Kindern besetzt, welche Genien vorstellen sollten. Alle hatten Blumenkränze und bunte Girlanden in den Händen und so schwebten sie herab, stellten sich vorn auf die Bühne und bildeten mit den Blumen den Namenszug der Baronesse. Die grösseren standen auf den Stufen und trugen auf den Händen und Schultern die kleineren Kinder. Jetzt sprangen diese von den Schultern herunter, die andern verliessen die Stufen, die innere kleine Bühne war plötzlich frei, und auf einem Altar prangte das wohlgetroffene Bildnis der Besitzerin des Schlosses. Genien umhängten das Portrait mit grünen und farbigen Laub- und Blumen-Gewinden. Ein glückwünschender Chor liess sich bei einer sanften Musik vernehmen. Indem alle noch mit gespannter Aufmerksamkeit auf dieses unerwartete Schauspiel hinblickten, öffnete sich der Vorhang des höheren Balcons, den man zugezogen hatte, und dort zeigte sich im glänzendsten Transparent der Name der Besitzerin, und Rosen, Sterne und Blumengeflechte, bewegten sich kreisend im buntesten und hellsten chinesischen Feuer um die Namenszüge. Auch hier standen Genien, und diese verschiedenen Kindergruppen auf der obern und untern inneren Bühne, sowie die Gestalten auf den Stufen seitwärts bildeten einen anmutigen Anblick, da sie zierlich und mit Geschmack geordnet waren. Eine sanfte Musik erklang, die verschiedenen Vorhänge wurden wieder zugezogen, und das ganze Schauspiel war beendigt und beschlossen.
Elsheim fühlte sich dem Professor Emmrich und den übrigen Freunden verpflichtet, dass sie, die Festlichkeit auf diese Weise ergänzend, ihn selbst mit diesem anmutigen Schauspiel überrascht hatten, denn Emmrich hatte die Kinder heimlich eingeübt und alles ohne des baron Mitwissen veranstaltet. Die Baronesse war so vergnügt und zufrieden, wie sie es seit Jahren nicht gewesen war, und wie der Mensch in der Regel in solcher Stimmung auch am liebenswürdigsten ist, so zeigte sich die alte Dame an diesem frohen Abend so einnehmend, wie der Sohn sie fast noch niemals gesehen hatte. Da die Aufführung dieser Komödie, die so ganz ausserhalb der Linie hergebrachter Forderungen und Gewöhnungen liegt, so ausserordentlich gut gelungen war, so beschloss man, sich recht bald