die innere Bühne geöffnet, und die frühere Aussicht auf Feld und Meer zeigte sich von neuem.
Die kleine Zwischenszene, in welcher dieser Vorhang sich wieder zuzog, diente dazu, Tische und Stühle während des Gespräches hinter diesen zu stellen, und auf diese Sessel setzten sich Tobias und Andreas sogleich, indem sie die drei Stufen hinaufstiegen, und waren nun mit dem Narren, der zu ihnen trat, wie in einem behaglichen Zimmer. Diese Hauptszene der tobenden Verwirrung wurde mit ausserdordentlichem Humor durchgeführt. Das tolle Lied, welches der Narr singt, hatte der Virtuos für die schöne stimme des Verwalters gesetzt, und es machte wieder einen guten Effekt, wenn in den Pausen zwei Waldhörner oben auf dem Balcon die Melodie wie ein Echo nachtönen liessen. Als aber der schreiende Kanon von den drei Toren mit brüllenden Stimmen gesungen wurde, fiel von Zeit zu Zeit die vollständige Musik oben auf dem Balcon ein und vermehrte so den Lärm, wunderlich von der Trommel und Pfeife des Narren begleitet und erhöht. Drauf Malvolio, feierlich die drei Stufen hinanschreitend und die Lärmer scheltend, die ihn aber verhöhnen. Wieder wird ihm entgegengesungen, und die Tollheit steigert sich immer mehr, bis Malvolio wütend und gekränkt die aberwitzige Gesellschaft verlässt, über welche sein erhabener Zorn und seine falsche Majestät nichts vermögen. Es war sehr lächerlich, mit welcher Feierlichkeit in unterdrückter Wut dieser Malvolio die drei Stufen hinabschritt und sich noch einmal nur mit halbem Blicke umsah, bis sein Profil, das in seinem steifen Ernst Verachtung ausdrücken sollte, vorn im Seiteneingang verschwand.
Dieser Szene tollen Übermuts und wilden Lärmens folgt die zart poetische zwischen dem Herzog und der verliebten Viola, die in zweideutigen Worten, die der Fürst nicht fasst, diesem ihre Liebe bekennt. Die Vergänglichkeit der Schönheit wird in wenigen Worten beklagt, und wie Viola die schnell schwindende Rosenblüte der Jungfrauen bestätigt, schien sie bei den Worten:
So sind sie auch. Ach! muss ihr Los so sein,
Zu sterben grad im herrlichsten Gedeihn!
ihre Tränen nicht zurückhalten können. Den mutwilligsten Kontrast bildet jetzt der Narr, der eben erst seinen Kumpanen verrückte Liedchen gesungen hat, indem er nun im Gegenteil mit schöner stimme dem sehnsuchtkranken Herzoge ein rührendes Gedicht vorträgt. Der Verwalter Lenz hatte sich selbst dieses Gedicht komponiert, der fremde Virtuos verwarf aber diese Arbeit und setzte eine neue einfache, aber ergreifende Melodie zu diesem einzig schönen Klaggesange. Man hörte gleichsam den Sänger weinen; der bedeutsame Rhytmus, der eigentlich schon für das feine Ohr und die gebildete stimme die Melodie ausspricht, war im Wesentlichen beibehalten, und der tiefsinnige Amphimacer — ∪ —, in dem sich die ersten Verse bewegen, liess den nahe liegenden Anapästen in: "Lass mich frei" ergreifend wechseln, und gerade wirkte der Rhytmus dadurch so ausserordentlich, dass weder Amphimacer, noch Anapäst zu steif und regelrecht im Takt festgehalten wurden, sondern die biegsame stimme sich wie zwischen beiden in den süssesten Klagetönen schwärmend durchschmiegte. Und dann der Übergang in Jamben und Spondeen: "Mit Rosmarin" – "Treu hält es" war wie einer, der aus Tränen und Schluchzen sich zur Resignation oder erzwungenen Heiterkeit erheben will und in diesem Aufschwung nur noch tieferen Schmerz ausdrückt. In der zweiten Strophe, die nach derselben Melodie gesungen wurde, liess der verständige Lenz nach Anweisung des Komponisten die stimme mehr wie etwas ermüdet sinken, und am Schluss zog er die Töne und Verse verhallend so ineinander, als wenn ihm keine Sprache und kein Wort in der Erschöpfung der Trauer noch übrig oder möglich wäre. – Dieses schöne Gedicht, das Schlegel so meisterhaft und einfach übersetzt hat, sang Lenz ohne alle Begleitung, nur am Beginn und in den Pausen klang oben auf dem Balcon eine einsame Flöte nach, und ganz fern und unsichtbar ein gedämpftes Waldhorn. Die Rührung war so stark, dass alle Zuschauer weinten, und es war wie notwendig, dass der Narr durch etwas Spass diese starke wirkung wieder störte und den Hörer zerstreute, auch um auf den schönen Schluss der Szene mit Viola und dem Fürsten wieder hinüberzuleiten. Wie schön sprach Albertine die berühmte Stelle von der liebenden, im Gram aufgelöseten Schwester! Und als nun der Herzog fragt: "Starb deine Schwester denn an ihrer Liebe?" – war sie wie verwirrt und fast in eigner Rührung gefangen, ihr fällt der ertrunkene Bruder ein, und wieder beinahe weinend sagt sie nach einer kleinen Pause: "Ich bin, was aus des Vaters Haus von Töchtern und auch von Brüdern blieb" – und geht, sich selbst gewaltsam aufraffend, mit scheinbarer Heiterkeit zu Olivien.
Elsheim, als er vom Teater zurücktrat, war erstaunt, den Professor Emmrich, der gleich wieder als Malvolio auftreten sollte, in der tiefsten Rührung und in Tränen zu finden. "Noch nie", sagte er, "habe ich die Kunst dieses Werkes, das Überirdische dieser Szene, die ganz in Poesie, sehnsucht und Mutwillen getaucht ist, so empfunden wie heute. Gelingt eine Darstellung eines so grossen Kunstwerks nur irgend, so fördert sie Schönheiten deutlicher an das Licht, die ausserdem auch dem Kenner von halbem Nebel verdeckt bleiben. Ich kann mich kaum zu meiner Hauptszene sammeln." – Er musste sich Gewalt antun, denn Maria war schon zu Andreas, Fabian und Tobias getreten; der Brief wurde hingeworfen, und die Männer versteckten sich. Schon beim Abgang des Herzogs war die innere kleine Bühne wieder geöffnet; zu dieser stiegen die Lauscher empor. Die letzte Hinterwand der kleineren Bühne war grün