zufälligen Raum sie eben darstelle. So war es bei den früheren Engländern, eigentlich auch bei den Franzosen zu Corneilles und Molières zeiten. Selbst im Holberg finden wir noch diese unbestimmte Allgemeinheit.
Als sich die Zuschauer geordnet hatten, und die Ruhe hergestellt worden, vernahm man einen Tusch von Trompeten und Pauken. Er erscholl von dem obern Altan, wo man viele Musiker in heiterer und bunter Tracht versammelt sah. Eine allgemeine feierliche Stille folgte dem Trompetengeschmetter. Alsbald trat aus der Gruppe der fremde Sänger festlich geschmückt hervor und sprach einen Prolog, den Elsheim gedichtet hatte, in welchem der Mutter Glück gewünscht wurde, dass dies Spiel sie erheitern möge, und wie sie es ebenfalls nehmen dürfe, für was sie wolle, wie der Titel sage, dass sie aber nicht verkennen solle, wie sehr nächst ihrem Sohne alle Verwandte, Freunde, Bekannte und Untertanen sie liebten und verehrten. Nun trat im Schmuck seiner Rolle Elsheim vor, nebst der Tante, Charlotte, Albertine und Dorotea, und von der Musik begleitet sangen sie ein glückwünschendes Chor, bei dessen Schluss sie sich alle gegen die Baronesse verneigten. Die alte Frau war von dieser Aufmerksamkeit ebenso gerührt als erfreut. Hierauf zogen sich die Schauspieler zurück, und die Tante trat unten zur Tür des Saales herein, um ihren Sessel neben der Baronesse als Zuschauerin einzunehmen.
Sodann führten die Musiker oben auf dem Balcon unter der Direktion des fremden Virtuosen die Ouvertüre zu Belmont und Constanze vortrefflich aus. Auch dies rührte die Mutter, dass der Sohn ihr Lieblingswerk zur Einleitung spielen liess. Als die Symphonie zu Ende war, trat unten Elsheim auf, von Pagen begleitet, denen einige Musiker folgten. Auf verschiedenen Blase-Instrumenten trugen diese zart und lieblich die Introduktion zu der Arie des Belmont vor: "Hier werde ich sie nun sehen." Diese Melodie phantasierte süss und sehnsüchtig eine geraume Zeit, wurde auf den Wunsch des Herzogs noch einmal wiederholt und dann plötzlich von seiner Ungeduld unterbrochen. In den kurzen Pausen der Musik war es von sehr guter wirkung, dass oben ein Waldhorn der unten gespielten Melodie wie ein Echo antwortete. Als der Herzog mit seinem Gefolge abgegangen war, zog sich der rote Vorhang unten von der kleineren Bühne zurück, und man erblickte drinnen im beschränkten Rahmen ein Bild, das eine Aussicht auf Feld und See gab, klar und täuschend von Lampen erleuchtet, die seitwärts und unsichtbar in der Tiefe angebracht waren. Aus dieser inneren Bühne trat nun Viola mit dem kapitän des Schiffes die drei Stufen hinunter und sprach vom land, wo sie sich befanden; die Art, wie sie nach dem jungen Fürsten fragte, von dem sie schon im voraus wusste, dass er noch unvermählt sei, liess es merken, dass sie irgendeinen Plan auf ihn und seine Geliebte habe. Wie sie abgehen, zieht sich der Vorhang der kleineren Bühne wieder zu, und in irgendeinem Zimmer oder Saal treffen Tobias und die kleine Maria zusammen; Andreas Fieberwange tritt zu ihnen, und die erste der komischen Szenen entwickelt sich. Dass Dorotea dieses schnippische und witzige Mädchen gut spielen würde, hatten alle erwartet; aber die Mitspieler auf der Bühne und am meisten Elsheim erstaunten, mit welcher Haltung und sicherm Humor Mannlich und Graf Bitterfeld ihre komischen Charaktere anlegten und auszuführen verhiessen. Wenn Andreas fragt: Was ist pourquoi? so bedeutet das nicht, dass er ganz unwissend sei, denn er spricht späterhin einige Worte französisch ganz richtig, sondern er will nur sagen: Was meint ihr, weshalb sagt ihr jetzt noch pourquoi? Alles dies wurde so herzlich albern und mit so süsser, bescheidener Anmassung gespielt und gesprochen, dass sich Eslheim gestehen musste, dass er erst jetzt, so ausgeführt, diese person und ihre Spässe ganz verstehe.
Nun erschien Viola, höchst reizend, in ihrer männlichen Tracht. Sie wird zur Olivia als Liebesunterhändler gesendet. Dort im haus tritt nun die kleine Maria auf, und neckt sich mit dem Narren des Hauses. Nach der Anweisung Emmrichs war dieser in lange, dicht anschliessende Pantalons von streifigem Zeuge gekleidet; ebenso bunt war sein Wams, über welches er einen ganz kurzen dünnen Mantel trug von gelber Farbe. Eine kleine, eng anschliessende Kappe bedeckte seinen Kopf, doch ohne Schellen oder andere sonst gebräuchliche Abzeichen des privilegierten Lustigmachers. Um die Schulter hing eine kleine Trommel, fast wie man sie den Kindern schenkt; um den Hals trug er an einer Schnur eine kleine Flöte oder ein Flageolet, und indem er eintrat, rührte er die Trommel und spielte mit der andern Hand eine Melodie auf seiner Pfeife. Nun erschien nach einer kleinen Szene Malvolio mit Olivien. Emmrich zeigte seine Kunst und Übung in der Darstellung dieses hochmütigen Murrkopfs und halb wahnsinnigen, von sich selbst berauschten Haushofmeisters. Über die unbedeutenden Worte: "Kammermädchen, das fräulein ruft", mit denen er abgeht, erhob sich ein lautes und allgemeines Gelächter, so komisch charakteristisch wusste er jedes, auch das Unscheinbare, vorzutragen. Viola, als naseweiser, übermütiger Page, bezauberte alle, und es erschien natürlich, dass sich Olivia in diese frische Keckheit, die mit so leuchtender Grazie umgossen war, vergaffen durfte. – Es machte sich gut, dass unmittelbar nach ihr Sebastian in ganz ähnlichen Kleidern auftrat, denn da keine Verwandlungen nötig waren, wurde das Stück in einem zug ohne Unterbrechung gespielt. Der junge Cadet war der verkleideten Schwester in Gesicht, Wuchs, Betragen und stimme so ähnlich, dass eine Verwechselung beider gar nicht unnatürlich erschien. Man hatte wieder