, ist Tobias vom vielen Trinken übermässig rot, so deutet sein Name schon an, dass er ziemlich blass, oder mit einem gelblichen Teint erscheint. Er ist schlank und wohlgebaut, neigt aber etwas zur Magerkeit hin, denn er beneidet den Narren um seine Waden. Dieser reiche, unabhängige Mann ist dadurch so liebenswürdig, dass er so unendlich bescheiden ist, was wohl die wenigsten in seiner Stellung sein würden. Wie der alte Antonio den jungen Sebastian fast vergöttert, so hängt er beinahe mit derselben leidenschaft an seinem Freund Tobias; dieser ist sein Vorbild, beinahe sein Ideal, wie man sich jetzt ausdrücken würde; er hat kein Arg daraus, dass dieser ihn foppt und plündert, er spricht ihm alles nach, er tut, was dieser wünscht, er will gern ebenso erscheinen, wie jener. Dabei seine wahrhaft edle Liebe zur Musik, sein freier, künstlerischer Sinn, dass er am Narren die schöne stimme und den Gesang zu schätzen weiss. Es entdeckt sich freilich nachher, dass er kein Freund von Zweikämpfen ist und sich in den Waffen und im Kriege niemals auszeichnen wird, indessen ist er auch in dieser Furchtsamkeit so gutmütig und niemals unedel, so dass ihm der Zuschauer seine Liebe nicht versagen kann. – Sie sehen also, Herr Graf, wie sehr ich recht habe, wenn ich wünsche, dass Sie diese feine Zeichnung nicht als Karikatur behandeln mögen; nein, im Gegenteil, lassen Sie sich ganz ruhig gehen, spielen und sprechen Sie fast so, wie Sie es gewohnt sind und immerdar erscheinen: Ihr feiner Takt, Ihr eigener Witz wird Ihnen die Nuancen zeigen, Ihr Gefühl aber wird jene geistigen Modulationen Sie finden lehren, die sich einem gewöhnlichen Menschen niemals andeuten lassen, und die einem geist auseinanderzusetzen, wie der Ihrige, durchaus überflüssig ist."
Als Elsheim mit dem Professor durch den Garten ging, sagte er: "Verzeihen Sie, wenn ich Ihre Auseinandersetzung dieser Charaktere für Sophisterei halte."
"So?" sagte Emmrich ruhig; "geben Sie nur acht, der Erfolg wird mich rechtfertigen." Leonhard war fast bekümmert, als der neue Teaterbau vollendet war. Er war übermässig fleissig gewesen, er hatte allentalben selbst Hand angelegt, er hatte sich meistenteils bis zur Ermüdung angestrengt, und seine Freunde, wie die Handarbeiter, hatten ihm mit Erstaunen zugesehen, weil es ihnen ein ganz neues Schauspiel war, dass ein Professor der Architektur den Hobel, Bohrer und die Säge so wenig scheue. War er dann gegen den Untergang der Sonne so durch und durch ermüdet, dass er den Augenblick des Schlafengehens mit Ungeduld erwartete, so war ihm unaussprechlich wohl, denn er konnte in dieser Ermüdung die Bilder und Gedanken auf Augenblicke vergessen, die ihn immerdar verfolgten.
Mit sich unzufrieden und dennoch von süssen Vorstellungen trunken, war er am Morgen in den Garten gegangen. Die Frühsonne glänzte so lieblich durch die Linden, und sein Schritt trug ihn nach jener geheimnisvollen Laube, in welcher er schon zweimal an Charlottens Seite so selig gewesen war. Er leugnete es sich ab, dass er diese verführerische Schönheit aufsuche, er musste sich aber sein Gelüst bekennen, als er völlig verstimmt wieder aus der leeren Laube trat. So ist der schwache Mensch, sagte er zu sich selber; was suchst du hier, und was hättest du, wenn du sie fändest? Soll dich diese Torheit denn immerdar quälen und dir jede Stunde verbittern? Nein, ich bin ein Mann und bleibe meinen besseren Gefühlen getreu. – Mit einem Ausruf der Freude betrat er den sonnenbeglänzten gang, denn fräulein Charlotte hüpfte ihm dort vom schloss her entgegen.
"So irrte ich mich doch nicht, Leonhard", sagte sie mit ihrer Silberstimme, "wenn ich Sie im Garten wahrzunehmen glaubte. Nicht wahr, dieser Tag ist ein schöner, ein auserlesener? Und diese Frühstunden sind so balsamisch, sie wirken so wohltätig auf alle unsere Gefühle, dass unsere Seele so wohlgemut aufblüht, wie die Rosenknospe."
"Ich war in dieser Laube", sagte Leonhard, "und wähnte, Sie hier zu finden; da meine Hoffnung mich trog, wollte ich das Angedenken jener süssen Augenblicke feiern, die ich dort genoss."
"Kommen Sie mit mir", rief sie lebhaft aus, "ins Freie; es gibt zeiten und Stimmungen, in welchen uns auch der schönste Garten ängstigen kann."
Sie liessen das eiserne Gattertor hinter sich zufallen, und standen jetzt im feld. "Wie herrlich die Ähren wogen!" sagte sie; "nicht lange mehr, so wird die Sichel in das Korn gehen, und der schönste teil des Sommers ist dann vorüber. Alles Liebliche ist so flüchtig, alles Schöne hält uns nicht stand, und wir besitzen nichts, als nur wie in einem süssen Traum gefesselt; wenn wir erwachen, hat uns die nüchterne Wirklichkeit um alle unsere Schätze betrogen."
"Gibt es kein Mittel", antwortete Leonhard, "auch die Wirklichkeit zum Traum zu erhöhen? Können wir nicht so viele Blumen mit verständiger und sorglicher Hand in unser Leben hineinpflanzen, dass einige immerdar blühen?"
"Nein! nein!" rief sie fast heftig aus, "in der Wahrheit, im eigentlichen wirklichen Leben gibt es kein Glück; nur in der Täuschung glühen die Morgen- und Abendfarben, die die Nacht und der klare Tag vertreiben. Wenn wir entzückt und berauscht taumeln, wie im heftigen Tanz, so halten wir Takt mit der