, hier im haus Unterricht zu geben? – Wie? sagte ich zu mir selbst, bei einem Tischler, bei einem Professionisten? Ich wollte es ausschlagen; da ich mich aber dermalen, wie jederzeit, in kläglichen Umständen befand, so nahm ich die Stunden an, setzte mir aber vor, mit gebührlichem gelehrtem Hochmut einzutreten, und Sie, Herr Leonhard, immer nur per Er zu traktieren: Sie, hochgeehrtesten, meinen teuersten Wohltäter, Sie, denen Ton dapameibomenon, und nephelegereta Zeus, und Integer vitae, und Bereschid bara nichts Fremdes ist? Sie? Können Sie mir diese Niederträchtigkeit vergeben, o Sie englische schöne Madam."
Man suchte den eifernden alten Mann zu beruhigen, er hörte aber auf nichts, sondern stand auf und riss plötzlich die Perücke vom Kopf: "Ja, auch extra muros gibt es Menschen", rief er aus, indem er den Haarschmuck zu Boden warf, und mit den Füssen darauf trat, "auch hinter dem Berge wohnen Leute, nicht die Perücke allein macht den würdigen Mann; sieh, mit Füssen trete ich dich" (und er tanzte dabei lebhaft auf der zerzausten herum), "dass du mich zum Hochmut verleitet, dass du mein Gemüt verdorben hast, dass ich alle Menschen, die nicht solches alte, verschrumpfte, eingepuderte, eingeschmierte Wesen auf dem Sitz ihrer unsterblichen Seele trugen, für eine geringere Kaste hielt, und das sidera feriam sublime vertice nur verstehen konnte von denen, die Perücken aufhaben? Nicht wahr, Menschenkinder, ich bin ein ordinärer alter Esel?"
Er fing von neuem an zu wüten, aber der Kleine und Leonhard fassten ihn unter den Armen; der fremde Meister setzte ihm seinen misshandelten Schmuck wieder auf und sagte: "Nehmt Vernunft an, Phantast, es liegt nicht an der Perücke."
"Ja!" rief der Magister, "nichts ist gleichgültig, was der Mensch trägt von aussen; es ist wie ein Zauber, wie eine Schleife, ein Hut, ein Degen, ein Orden und Perücke auf ihn wirken: sie machen ihn gut oder schlecht; in Stiefeln denkt man anders als in Schuhen, in Seide anders als in Tuch; das menschliche Herz ist wie eine Motte, der man immer ansehen kann, aus welchem Gespinste sie ausgekrochen ist." Er fing an zu weinen, gab Leonhard und der Frau die Hand, und sagte schluchzend: "Sie vergeben mir, meine grossmütigen Freunde, das weiss ich; aber ich bitte Sie demütig in dieser Stunde, in der ich mich freilich sehr vergessen habe, mir den Gedanken, der sich mir schon zudrängen will, zu entfernen, dass Sie mich nur aus Barmherzigkeit und ohne alles Bedürfnis zum Lehrer des Knaben angenommen haben. Nicht wahr, es ist nicht so? Ich müsste vor Scham und vor Trauer über mich selber vergehn."
Beide versicherten ihn das Gegenteil, und wie sie sich gefreut hätten, dass ein gelehrter Mann die Mühe habe über sich nehmen wollen, ihr Pflegekind zu unterrichten; wodurch er sich endlich beruhigte, und von den beiden Männern nach seiner ziemlich entfernten wohnung begleiten liess. Am Morgen ging Leonhard mit dem festen Entschlusse zu seinem Freunde, dem jungen Baron, ihm seine Begleitung auf der Reise und die Arbeit für ihn abzuschlagen; denn er hatte es in dieser Nacht seiner Frau nach einem zärtlichen Streite versprechen müssen, sich nicht aus der Stadt zu entfernen. Er fand den jungen Elsheim, der heftig in seinem Zimmer auf und nieder ging, und in sich hineinlachte. Sie begrüssten sich herzlich, und der Tischlermeister musste sich zu einem Glase alten Weines niedersetzen "Ich bin sehr vergnügt", sagte der Baron, "denn nachdem ich dreiviertel Jahr sehr ernstaft und gesetzt habe leben müssen, habe ich den unumstösslichen Entschluss gefasst, zur Abwechselung wieder irgend etwas Lustiges oder Dummes zu treiben; und dazu sollst du mir behülflich sein, denn die gesetzten Leute geben dergleichen Dingen erst Haltung und Geschick; wer sich ohne sie in solche Geschichten einlassen will, wird auf dem halben Wege zur Vernunft zurückkehren müssen."
"Lieber Baron", sagte Leonhard freundlich, "ich bin gekommen, Ihnen zu sagen, dass Sie auf mich weder im Guten noch im Bösen rechnen sollen; ich werde zu alt – ich kann jetzt überhaupt nicht abkommen."
"Aha!" sagte jener (indem er sich vor ihm mit beiden Armen auf den Tisch stemmte und ihm dann die braunen Locken von der Stirne strich), "du bist heute auf deinem feierlichen Ton, du hast alle unsere ehemaligen Bedingungen vergessen, oder willst nicht daran denken; aber ich weiss, dass du es bereuest, wenn du mir diesmal nicht folgst."
"Ich kann nicht", sagte Leonhard schmerzlich, "meine Wirtschaft vergrössert sich, meine Frau ist nicht ganz wohl, meinen Leuten darf ich nicht trauen, und noch dazu habe ich wichtige Bestellungen bekommen, wo mein Auge allentalben selbst zugegen sein muss."
"Und das Wichtigste nennst du gar nicht einmal", sagte Elsheim, "dass nämlich alles dies geradezu gelogen ist. Noch neulich schriebst du mir, deine Einrichtung sei so gut, der älteste Gesell so brav, dass es dir nie auf einige Wochen ankommen könne; deine Frau, wie ich gesehen habe, ist so gesund, wie sie nur sein kann, aber der Ehemann, mein Schatz, hat sich dir so eingelernt, dass du auch ohne Souffleur deine Rolle