führen zu einer inneren kleinen Bühne hinauf, die zuweilen mit einem Vorhang verdeckt, zuweilen offen ist; sie stellt nach gelegenheit Feld, Höhle, oder Zimmer vor; in unserm Stück ist sie erst die stube, wo die Trunkenbolde lärmen, und nachher die Gartenlaube, in welcher die Neckenden den tollen Monolog des Malvolio behorchen. Den obern Altan brauchen wir in unserm Lustspiel nicht, wenn er gleich dem Shakespeare und seinen Zeitgenossen unentbehrlich war; zu ihm führen rechts und links ziemlich breite Stufen hinauf. Auf diesen sassen die Ratsversammlungen und Parlamente, und mit wenigen Figuren erschien die Bühne doch angefüllt, weil der Raum rechts und links beschränkt war, und man sich so die Bänke erweitert denken konnte. Auf den Stufen vorn und an den Seiten fielen die Sterbenden hin und lagen natürlich viel malerischer, als auf unsern Teatern; an die freien Säulen lehnten sich die Melancholischen, oder Nachdenkenden; die Stufen rechts oder links schritt Macbet hinauf, sowie Falstaff in den lustigen Weibern; auf dem obern Balkon standen die Bürger und parlamentierten mit dem Könige Johann und Philipp August; hier unten, von den Stufen erhöht, sassen König und Königin im Hamlet; hier war Macbets Tafel, wo Banquo erschien. Ohne weitläuftige Belehrung ergibt sich der Vorteil dieser Bühneneinrichtung. Rechts und links auf dem Proszenium konnten zwei sich deutlich absondernde Gruppen stehen; stand die eine etwas zurück, so war die Fiktion sehr natürlich, dass jene gegenüber sie nicht mehr bemerkte; mit zwei einzelnen Personen war die Sache noch natürlicher. Eine dritte Gruppe stand oder sass hier höher, auf der inneren kleinern Bühne, die aber doch durch diese Einrichtung den Zuschauern ganz nahe stand. Keine person deckte die andere, alle waren frei und gleichsam in Rahmen eingefasst, wodurch das Bildliche und Malerische noch deutlicher hervortrat. War es nun nötig, wie etwa in historischen Stücken, so zeigten sich oben auf dem Altan handelnde und sprechende Figuren; in Heinrich dem Achten waren die Treppen rechts und links vom Parlament besetzt, auf der Stufe in der Mitte sass Wolsei, und über ihm auf der inneren Bühne der König Heinrich. So war in allen Umständen, mochte das Bild aus vielen oder wenigen Figuren bestehen, die Gruppierung immer ungefähr so, wie Raffael und die guten Maler ihre Gemälde ordnen. Auf diese Weise war die Bühne für die wesentlichen Forderungen ungefähr in ähnlicher Art wie die des Sophokles beschaffen; doch behaupte ich, man kann im Shakespeare und seinen Zeitgenossen nicht alles verstehen, manches bleibt unklar, wenn man nicht soviel Kenntnis von der Sache hat, um jene echte europäische oder wenigstens englische Bühne sich zu vergegenwärtigen. Frankreich, Deutschland sogar, ebenso Spanien hatten anfangs auch eine ähnliche Einrichtung; als die Franzosen scheinbar aufgeklärt ihre Dramen nach dem Muster der Alten, wie sie sich einbildeten, formten, errichteten sie die neuere Bühne, welche den Tragödien und Lustspielen, in welchen nur wenige Personen sprechen, in welchen sich niemals Gruppen zu stellen brauchen, wo keine Volksaufläufe, Belagerungen und dergleichen sich gestalten, auch vollkommen angemessen ist. Wir Deutschen haben jetzt dieses konventionelle, eng begrenzte Schauspiel wieder aufgegeben; nun passt uns die angenommene Bühne nicht, diese alte englische oder europäische Form ist vergessen, und wir quälen uns daher höchst unkünstlerisch mit Dekorationen, bauen in den Zwischenakten Hügel und Festungen auf, Galerieen und Terrassen, und fühlen, wie Text und Teater sich gegenseitig hindern, miteinander streiten, alles schwierig, zeitraubend, ungeschickt herauskommt, und der Regisseur sich erleichtert fühlt, wenn er einmal wieder ein Drama einrichtet, in welchem ohne Holzböcke und aufgelegte Bretter, ohne Balcons und Festungswälle gespielt werden kann. Dieses ältere Teater aber, welches wir hier im kleinen nachahmen, spielt in jeder Szene selber mit, es darf sogar zu den Hauptpersonen gerechnet werden, es erleichtert auch jedem Auftretenden sein Spiel, es hilft ihm, es unterstützt ihn, er steht nicht verlassen in einem wüsten leeren Viereck, sondern kann sich geistig und körperlich allentalben anlehnen und wie ein Gemälde in seinen Rahmen treten. Wollen wir den Shakespeare nun wirklich aufführen, ohne ihn zu entstellen, so müssen wir damit anfangen, uns ein Teater einzurichten, das dem seinigen ähnlich ist."
"So sind uns jene Dekorationen, die kürzlich gemalt sind, auch ganz überflüssig", sagte Leonhard.
Emmrich antwortete: "Wenn wir die Räume anständig bekleiden und verzieren, wenn die Vorhänge, die die innere Bühne verdecken, mit Schicklichkeit sich schliessen und öffnen, wenn in diesem kleineren Teater die Hinterwand wieder aus Seide oder Tuch besteht, so sind sie uns freilich überflüssig. Indessen können wir einzelne Stücke von Wald, Feld und Garten drinnen aufstellen, um manche Szenen noch bestimmter anzudeuten."
"Ein sehr viel breiterer Vorhang, als jener, wird aber notwendig sein", sagte Leonhard.
"Wir brauchen gar keinen, der vorn die ganze Bühne schlösse", antwortete Emmrich, "wie Shakespeare auch keinen solchen auf seinem Teater hatte. Sorgen wir nur, dass durch Verzierung die Bühne sich geschmackvoll und nicht allzu störend mit dem übrigen Saal verbindet. Bei den Engländern war das ganze Gebäude eine Rotunde oder ein Viereck, und die Logenreihen standen in Verhältnis mit dem Balcon hier; dieser war fast nur eine Fortsetzung derselben, so dass die Bühne in sich selbst ein schön geordnetes Ganzes war, und die Zuschauenden dadurch gleichsam zu den Mitspielenden gehörten, ganz ähnlich dem griechischen Teater. Bei uns ist der grelle Abschnitt der Bühne vom Schauspielhause völlig unkünstlerisch und barbarisch;