1836_Tieck_097_85.txt

; er soll nämlich den allerliebsten Narren spielen, und ich bin fast jetzt schon überzeugt, dass es ihm mit einiger Zurechtweisung vollkommen gelingen wird."

"Ich muss mir auch Ihre gütige Unterweisung ausbitten", sagte Mannlich, "denn soviel ich auch gespielt oder vorgelesen habe, so habe ich mich doch noch niemals im Komischen versucht."

"Um so erwünschter muss es Ihnen sein", sagte Emmrich, "sich selber auch in dieser noch fremden Gegend kennenzulernen und sich zu überzeugen, dass dem Hochbegabten nichts unerreichbar ist, wohin er sich auch versteigen mag."

Man trennte sich, und Leonhard und Elsheim waren diejenigen, welche am meisten nachdenkend schienen: ob über die neue Aufgabe, die sie zu lösen hatten, war nicht zu entscheiden. In diesem Grübeln war es dem jungen Tischler lieb, dass ihn der Professor schon am Nachmittage auf den Rittersaal bestellte, wo, wie jener ihm vertraut hatte, an der dort aufgeschlagenen Bühne viele und wesentliche Veränderungen vorgenommen werden müssten. Im Vorsaal begegneten sich nach dem Mittagsessen Leonhard und Elsheim. Schweigend sahen sich die Freunde beide lange an, endlich sagte der Tischler: "Ich weiss nicht, Teuerster, wie es ist, aber du scheinst mir seit einigen Tagen, wenigstens auf Stunden lang, so verstimmt, dass ich dir gegenüber meine Unbefangenheit verliere. Oft überrascht mich das Gefühl, ich möchte dich gekränkt oder verletzt haben, und doch wüsste ich nicht zu sagen, wodurch. Soviel ist aber gewiss, jene heitere Laune, die dich auf unserer Herreise begeisterte, ist verschwunden."

"Und sagst du das", antwortete Elsheim, "so möchte ich dasselbe von dir behaupten. Oh, Liebster, man hat sich nicht immer so in der Gewalt, wie man es wohl möchte. Unsere Stimmungen hängen nur zu oft von einem unsichtbaren, einem gar nicht zu bezeichnenden Umstande ab. Aprilwetter ist manchmal in uns, dagegen ist nichts zu tun; und man bleibt ein Kind, werde man auch noch so alt. Du weisst es, dass ich mich seit Jahren darauf freute, hier dies Gut zu übernehmen und mit ihm die Übersicht meines Vermögens zu bekommen, meine gute Mutter ganz zur Ruhe zu setzen und sie aller Sorgen zu enteben, einmal das Lieblingsgedicht meiner Jugend aufzuführen und selbst im Darstellen desselben mitzuhandeln; – so ist nun alles auch geworden, wie ich wollte, und das Ende davon ist, ich habe meine Mutter tief beleidigt und ihre alten Freunde gekränkt; sie hat sich entfernt und verzeiht mir jene Übereilung vielleicht niemals ganz nun geht auch die Komödie fort, der ich mich unmöglich entziehen kann, und ich bin dadurch gezwungen, mit dieser Albertine in ein näheres Verhältnis zu treten, welches mich mehr als alles peinigtjetzt kann ich meinen frühern Leichtsinn nicht wiederfinden, der ehemals alles dies und noch ernstere Dinge wie Staub würde von sich geschüttelt haben."

Leonhard entfernte sich und zwar mit dem Gefühl, als ob sein Freund nicht ganz aufrichtig gegen ihn gewesen wäre. Er begab sich nach dem Rittersaal, wo der stets rüstige Emmrich schon seiner wartete.

Er war sehr verwundert, dass Emmrich ihm sogleich mit dem Vorschlag entgegentrat, das Teater umzustellen und es in die volle Länge des Saales zu legen, statt dass es jetzt die Hälfte des oblongen Raumes einnahm. "Wir gewinnen damit", sagte der Professor, "dass die Zuschauer alle uns viel näher sitzen, und dass wir ein viel breiteres Proszenium bekommen. Die Tiefe der Bühne geht freilich dadurch verloren, aber die Tiefe ist es auch, die mich bei jedem andern Teater ärgert und die dem guten Schauspieler das Spiel unendlich erschwert. Goete sagt einmal im Meister, es wäre zu wünschen, die Spielenden bewegten sich auf dem schmalen Streifen einer Leine. Gewiss kommen sie dem Ziele bedeutend näher, wenn wir die unnütze Tiefe unserer Bühnen abschaffen. Freilich kann dann nicht mehr von einem unglücklichen Krönungszug die Rede sein, der um das ganze tiefe Viereck der Bühne marschiert, um dann im Hintergrund in das zu niedrige Portal einer mächtigen Katedrale hineinzukriechen. Dergleichen Züge, wenn sie denn einmal sein sollen, müssen dann vorn aus der ersten oder zweiten Kulisse im Profil nach der gegenüberliegenden Öffnung sich begeben, und nur auf diese Weise kann es mit Verstand und kunstmässig geschehen, wie wir ja auch, wenn wir die Wahl haben, jene Fenster mieten, denen ein wirklicher Aufzug oder eine Prozession auf diese Weise vorübergeht."

Mit hülfe der Arbeiter wurde die Erhöhung der Bühne sogleich nach ihren Teilen so aneinandergeschoben, dass sie den Raum einnahm, welchen Emmrich bestimmt hatte.

"Wir haben hierbei ausserdem den Vorteil", sagte der Professor, "dass wir die Tür in der Mitte, die aus dem Saal in die Cabinete dort führt, benutzen und hinter der Bühne die Ankleidezimmer einrichten können; rechts und links sind ebenfalls Ausgänge, so dass das ganze Teater bequem zum Spiel kann gebraucht werden." – Hierauf gab er dem aufmerksamen Leonhard eine Zeichnung, nach welcher in der Mitte der Bühne, nur wenige Fuss von der letzten Linie des Proszeniums zwei Säulen aufgerichtet werden sollten, die oben, bei zehn Fuss Höhe, einen ziemlich breiten Altan tragen sollten. Die Säulen standen auf drei breiten Stufen, die die Tiefe des Proszeniums noch mehr verengten. "Sie sehen", sagte Emmrich, "wie mein Streben dahin geht, die Spielenden ganz in den Vordergrund, in die Nähe der Zuschauer zu drängen. Diese drei Stufen