bewundern, mit diesen seinen Lustspielen etwas anzufangen wissen."
"Wie glücklich sind wir Deutsche", begann Emmrich wieder, "dass unser Schlegel uns diese und andere Werke des Briten so durchaus meisterhaft übersetzt hat. Man sagt nicht zuviel, wenn man behauptet, der Umwandler habe sich hierin als wahrer Dichter gezeigt."
"Nun aber", fiel Mannlich ein, "zur Hauptsache, und, wie Freund Elsheim schon fragte, wie steht es mit den Rollen?"
"Über einige Nebenrollen bin ich noch ungewiss", sagte Emmrich, "doch müssen Sie mir alle, wie Sie mir versprachen, in den Hauptsachen Folge leisten. Das Gelingen oder Fehlschlagen habe ich dann auch allein zu verantworten. Um mit den Damen anzufangen, so wird sich fräulein Charlotte nicht weigern, die reizende kapriziöse Olivia mit allen ihren poetischen Launen darzustellen. In ihrer tiefen Trauer, die sie willkürlich verlängert, und doch mit Teilnahme den Narren anhört, ja sogar mit einiger Schadenfreude, wenn er ihren sehr würdigen Haushofmeister verspottet, so wunderbar im scheinbaren Widerspruch mit sich selbst; sie, die gegen den Fürsten fast unartig ist und sich dann sogleich in einen kleinen naseweisen jungen Menschen verliebt, der sie durchaus nicht mit Hochachtung behandelt. Von ihrem gestorbenen Bruder ist nun nicht mehr die Rede, und sie ergibt sich ganz dieser leidenschaft."
Mit einer besorglichen Miene fragte jetzt Albertine: "Und Viola?"
"Freilich müssen Sie, schönes fräulein, diese geben", erwiderte mit kaltblütiger Ruhe Emmrich. "Und sein Sie unbekümmert; ihr Anzug soll so dezent und zugleich artig ausfallen, dass auch die Prüderie selbst nicht darüber soll murren können. Und ist Ihnen nicht unser fräulein Dorotea so lobenswert und ohne alle Ängstlichkeit oder Ziererei mit dem Beispiel als Knabe Georg vorangegangen? Der Übermut, den Viola so willkürlich annimmt und anfangs übertreibt, um nur nicht als Mädchen erkannt zu werden, wird Sie, trotz Ihrem Hange zur Schwermut, allerliebst kleiden. Die herzlichen Töne des Gemütes werden dann süss in den Empfindungen der Liebe anklingen, und mit einem Wort, Sie werden so hübsch und reizend sein, dass sich alle Welt in Sie verliebt. Und welch Glück, dass Ihr Brüderchen zu uns gekommen ist; dieser angenehme junge Cadet, der sich schon im Franz so ausgezeichnet hat. Er ist ohne Frage in Anstand und Gesicht seiner Schwester Albertine ähnlich. Sind beide gleich gekleidet, so müssen sie wirklich zum Verwechseln sein. Dieses Vorzugs kann sich nicht leicht ein Teater rühmen, und wir müssen diesen Glücksfall auch benutzen."
"Nicht wahr?" rief Dorotea, "mir fällt gewiss das kleine schnippische Kammermädchen zu?"
"So ist es, sind Sie damit einverstanden?"
"Herrlich will ich sie spielen", rief die Übermütige, "vorzüglich, wenn sie den überklugen Malvolio zum besten hat."
"Diesen", sprach Emmrich weiter, "habe ich mir freilich selbst vorbehalten. Den Herzog wird Baron Elsheim darstellen, und den lieben, treuen, edlen Antonio, dessen kleine Rolle so hinreissend und eigen interessant ist, wird Herr Leonhard gewiss schön mit seinem weichen und doch kräftig männlichen Tenor sprechen."
"Alles gut", sagte Mannlich, "aber ich begreife nicht, wozu Sie mich noch brauchen könnten, da alle Rollen schon besetzt sind."
"Unentbehrlich sind Sie uns, teurer, verehrter Baron", rief Emmrich lebhaft aus; "Ihre unvergleichliche Laune, gepaart mit der edlen Sitte der Erziehung, Ihre tiefe stimme, die Sie so wunderbar in Ihrer Gewalt haben, Ihr Scherz, der sich alles erlauben darf und doch niemals sich bis zum Unziemlichen oder gar Niedrigen vergisst, alles dies stempelt Sie dazu, uns den Oheim der Olivia, den bei allen Schwächen liebenswürdigen Tobias, darzustellen."
"Wie? den Schlemmer? den Trunkenbold?" rief Mannlich verwundert aus.
"Denselben aber auch", sagte Emmrich, "der den hochmütigen Malvolio so geistreich neckt, der fähig ist, sich in das hübsche witzige Kammermädchen zu verlieben und sie sogar zu heiraten; denselben endlich, der mit so vieler Laune den Bleichenwang foppt und, wiewohl er ein Trunkenbold ist, doch immer ein Mann von stand bleibt."
"Nun, es sei einmal versucht", sagte Mannlich, der sich durch die Rede geschmeichelt fühlte, lächelnd: "der Seltenheit wegen, und weil ich auch schon früher mein Wort gab, Ihnen unbedingt zu gehorchen. – Aber wem haben Sie diesen Christoph zugeteilt?"
"Diesen Andreas Fieberwange oder Christoph Bleichenwang, wie ihn Schlegel umtauft, wird unser Graf Bitterfeld gewiss mit aller Grazie und Feinheit geben, welche diese sehr schwere Rolle erfordert."
"Wie gesagt, ich kenne das Gedicht nicht", bemerkte der Graf, indem er sich vom Sofa erhob, "ich vertraue Ihrer Einsicht aber unbedingt und werde mich für den Mann stellen. Schaffen Sie mir nur bald die Rolle, weil ich nur langsam lerne."
"In dem Verwalter", fing Emmrich wieder an, "welcher sich neulich so schnell als Sickingen versuchen musste, habe ich ein schönes Talent entdeckt, fast die lieblichste Tenorstimme nämlich, die mein Ohr jemals vernommen hat. Dabei kann er, wie ich öfter bemerkt habe, unter seinesgleichen recht kalt und ruhig scherzen; seine Spässe gleiten so rund und mit solcher Glätte von seinen Lippen, dass ich ihm die Rolle bestimmt habe, die ich für die schwerste im Stück halte