es doch nicht wollte merken lassen, wie er es nicht recht begriffe. Das ist mit Euch Handwerksleuten doch etwas recht Besonderes, dass der eine so viel Einsicht und Verständnis hat, und ihm das Geraten sozusagen in die hände läuft, und andere sich placken und quälen und es doch immer nicht recht zustande bringen. Doch das ist wohl in allen Ständen, mit Gelehrten und Beamten und selbst Generalen und Fürsten ebenso. Das ist die grosse, grosse Ungleichheit im Reiche der Geister, und dann wollen die Menschen doch oft noch die völligste Gleichheit unter den Menschen. Aber darin versteht der kleine Krummschuh keinen Spass; er will allen Adel abgeschafft haben und auch die Fürsten und Minister; jeder soll sich selber regieren, meint er, und keiner sich um den andern kümmern; und wenn er dann recht in Eifer gerät, so schilt und zankt er auch auf Dich, besonders weil Du mit einem Edelmann so mir nichts dir nichts fortgereiset bist. Das wäre mir alles nicht so ganz wichtig, aber mit unserem alten Magister geht es viel ernstafter her. Der wunderliche greise Mann tritt ganz über die Stränge. Ich fürchte, er bleibt uns ganz aus, so gewaltig hat er sich verändert, und der kleine Franz sagt auch, er könne gar nichts mehr von ihm lernen, weil er immer so konfuse spreche; und einmal hat er so wunderlich hantiert und sich ohne Not ereifert, dass das Kind ihm weinend fortgelaufen ist und mir seine Not geklagt hat. Der alte Mann hat, wie ich in die stube ging, was hergefaselt, was ich nicht habe begreifen können. Er hat mir auch einen Brief geschrieben, ziemlich umständlich, aus dem ich mich auch nicht habe finden können. Das ist entweder recht dummes Zeug, oder recht tiefsinnig, vielleicht beides. So tut es mir also recht weh und bang, Liebster, dass Du nicht hier bist und mir das alles recht auseinandersetzen kannst. Denn ohne Dich bin ich doch in vielen Sachen gar zu einfältig, und so ärgert es mich jetzt eben auch, dass ich mit der Briefschreiberei nicht so recht fortkann; mir däucht, mit der Zunge und mit dem Sprechen geht es um vieles besser. So ist auch der König, der benachbarte, hier durchgekommen; dem sind sie hier nicht grün und gewogen, aber sie hatten ihm doch etliche Ehrenpforten und Latten und Leinwand aufgebaut und alles dann recht hübsch überpinselt. Wie sie denn mit Pinseln jetzt alles machen. Am Abend hatten sie auch Lampen hineingehängt, von allen Farben. Jetzt ist alles wieder abgerissen. Sie sagen jetzt, Stadt und Bürgermeister hätten zuviel getan, indessen hat unser Fürst doch gewiss um diese Herrlichkeiten gewusst und sie gebilligt. Neulich hätte fast ein grosses Unglück entstehen können. Unsere grosse Cyperkatze sass ganz ruhig vor unserer Tür in der Sonne. Da kommt der junge Herr von Wermut vorbei mit seinen zwei grossen grimmigen Jagdhunden. Und, wie die jungen baron oft sind, hetzt der junge Mensch seine Hunde auf die arme friedfertige Katze, die an so was nicht gewöhnt ist. Anfangs will sie sich dann wehren und macht die Anstalten, wie die Katzen tun, aber die Hunde liessen sich nicht abhalten. Franz lag im Fenster und weinte und schrie. Ich will hinausrennen, aber sowie ich die Stubentür aufmache, rennt unsere Katze, ohne sich umzusehen, denn sie konnte nur in die stube treten, mir in der Angst vorbei und in unseren Hof hinein, von dem die Tür gerade offen stand. Ich denke, sie wird sich auf den alten Nussbaum hinaufretten, wie das die Katzen pflegen. Aber in ihren Nöten vergisst sie alles Vernünftige und springt zu unserm Phylax, unserm grossen Kettenhund, in sein Hundehaus hinein. Nun dachte ich doch wirklich, die arme Kreatur wäre aus dem Regen in die Traufe gekommen, denn Du weisse es ja, dass sie den Phylax, und er sie nicht leiden konnte. Aber, wie ein galanter Ritter, von denen man liest, stellt sich der dickköpfige ramassierte Hund vor sein Hundehaus hin und treibt so grimmigen Spektakel, dass er die beiden grossen Bestien wegbeisst und fortbellt. Schon wie sie weg waren, räsonnierte das Tier in seiner Sprache noch lange über diesen unverschämten Bruch des Burgfriedens. Der junge Herr wollte mir mit seiner höflichen Galanterie einige Entschuldigungen sagen, ich aber antwortete ihm ganz schnippisch und empfindlich, der Hund wäre diesmal galanter als er gewesen, denn dieser hätte, wie ein Ritter, die Katze, als Dame, die er eigentlich nicht leiden könne, verteidigt. Er lachte und ging ab. Nun ist das nur das Wunderbare, dass seitdem der Hund und die Katze die allerbesten Freunde sind. Sie besucht ihn oft, sie darf mit ihm speisen, und wenn er von der Kette los ist, sieht man sie manchmal beide im Sonnenschein im hof liegen, und wie sie ihren Kopf an den seinigen lehnt und ihn so vertraulich mit den zugekniffenen Augen ansieht. Auch spinnt sie in seiner Nähe, worüber, wie Franz versichert, sich der Phylax gewaltig soll verwundert haben, als er das zum erstenmal gehört hat. Seitdem hat auch Franz mit dem Phylax, vor dem er sich sonst immer fürchtete, einen zärtlichen Freundschaftsbund geschlossen, und so sieht man jetzt die drei lieben ungleichen Kreaturen oft auf dem hof spielen. So wäre das denn alles Wichtige und Unwichtige, was ich Dir erzählen könnte; am meisten liegt mir der Magister auf dem Herzen. Ich schicke diesmal den