Gebirge, in der stillen Mitternacht, keine menschliche wohnung in der Nähe. Um dem nächtlichen Arbeiter vorbeizukommen, mussten wir im Wege etwas ausbeugen, und mit einer etwas ängstlichen stimme sprachen wir beide den Gruss, der in Tirol gebräuchlich ist: 'Gelobt sei Jesus Christi!' worauf das Nachtmännlein, ohne sich in seiner Beschäftigung stören zu lassen, mit einer schnarrenden, näselnden, fast kindisch quäkenden stimme antwortete: 'in Ewigkeit!' Wir gingen stumm weiter, schneller, sahen uns nach einigen hundert Schritten bei einer Felsenecke um – und indem wieder eine Wolke dem mond vorüberzog, war alles verschwunden. 'Hast du ihn gesehen?' fragte mein Gefährte mit zitternder Angst – 'Den?' – Ich wagte nicht ihm zu antworten, er nannte den Arbeiter immer nur ihn, und schien sich viel dabei zu denken; auch ich weiss noch jetzt mir das Abenteuer nicht zu deuten, so natürlich es vielleicht zusammenhängen mag."
"Im besten Falle", sagte der Magister, "ist es immer exzentrisch, auf hohem Gebirge in stiller Nacht sich mit Fässern zu tun zu machen, die Nacht macht alles zum Schreck."
"So war es auch mit meinem Freunde", fuhr der Erzählende fort, "der nur noch eines letzten Anstosses bedurfte, um völlig in die Irre zu geraten. Wir kamen nach Sterzingen. Zum Essen kam der Alte nicht, und als wir ihn suchten, fanden wir ihn endlich in einem abgelegenen Winkel im eifrigsten Gebet. Er sagte mir, er hätte danken müssen, dass der Himmel ihm seinen Verstand habe erhalten wollen. Ich suchte ihn zu erheitern und drehte die Sache zum Scherz, aber da er böse wurde, brach ich ab. Wir blieben diese Nacht in der Stadt, weil ich mit dem Unglücklichen nicht wieder eine nächtliche Wanderung unternehmen mochte; in der Nacht schlief er sehr unruhig, ich hörte ihn oft ächzen und beten; schauderhaft war es, dass er wohl hundertmal die Worte: 'in Ewigkeit!' wiederholte, und zwar genau den seltsamen, nicht kindischen und nicht männlichen, nicht kreischenden und auch nicht heisern Ton der nächtlichen Erscheinung zu treffen suchte. Bald darauf erreichten wir Inspruck, wo wir Arbeit annahmen. Nach acht Tagen gehe ich mit meinem gefährten des Sonntags in die Kapuzinerkirche. Hier ist das schöne Grabmal des Kaisers Maximilian, hier ruht die berühmte Philippine Welserin; hier stehen die lebensgrossen erznen Bildnisse von merkwürdigen Menschen der Vorzeit, und ich war in Betrachtung dieser Denkmäler vertieft, als ich plötzlich unter den Worten des Predigers einen lauten Aufschrei höre; alles läuft zusammen, man bestrebt sich, jemand aus der Kirche zu tragen, ich trete hinzu: er ist es, der Unglückliche, der in Krämpfen heult. Draussen erzählt er, dass die Kirche voller bösen Geister sei, dass der Fussboden sich unter Flammen aufgetan, dass die grässlichsten Gebilde zu ihm emporgestiegen. Im Wahnsinn quält er sich noch acht Tage, nachdem er unzähligemal das: in Ewigkeit! mit jenem widerlichen Tone wiederholt hatte. Er liegt dort begraben."
Nach einem kurzen Stillschweigen wünschten die Arbeiter gute Nacht und entfernten sich, indem der vorschnelle Martin schon in der Tür zu seinen Begleitern auf sprichwörtliche Art sagte: "Unser junger Meister hat in seinem kleinen Finger mehr Verstand, als im ganzen alten Magister steckt." Dieser überhörte es aber Leonhard nahm sich vor, am folgenden Morgen dem jungen Menschen einen Verweis zu geben. Der Knabe wurde zu Bett gebracht, und der Magister nahm ebenfalls seinen Hut; doch Leonhard wandte sich zu ihm und bat: "Erzeigen Sie uns die Ehre, werter Herr Magister, noch ein Gläschen Wein mit uns zu trinken." Indem trat auch ein anderer Freund des Hauses, ein Tischlermeister, ein kleines rundes Männchen, herein, der sich den Schweiss abtrocknete und ausrief: "Immer noch brav heiss, als wenn es schon mitten im Sommer wäre! Guten Abend!" fuhr er fort; "ja wenn man zu euch kommt, Leute, so sind alle Stuben wie die Putzstuben, und je mehr ich zu haus aufräume, je wilder sieht die Wirtschaft aus! ich habe nicht Glück und Segen in den Händen; hier ist einem immer zumute, als wenn man bei vornehmen Leuten wäre." – Man setzte sich nun um einen kleinen Tisch, und die Hausfrau schenkte von dem guten Frankenweine ein, den alle stark und wohlschmeckend fanden. Der Magister legte seine feierliche Miene ab und fing an heiterer zu werden, wozu vorzüglich die gespräche und Erzählungen des Meisters Krummschuh beitrugen, über den er sich ohne allen Rückhalt erhaben fühlte. Es wurde an die Tür geklopft, und ein Bedienter trat herein, der dem Leonhard ein zusammengelegtes Blatt übergab. Er hatte kaum die Aufschrift angesehn, als er rot vor Freude ward und sich sehr heiter mit den Worten zum Diener wandte: "Es wird mir eine grosse Ehre sein, ich bin morgen den ganzen Tag zu haus." Der Diener entfernte sich und Leonhard sagte: "Der Baron ist wieder in der Stadt und von seiner Reise zurückgekommen, er wird mich morgen besuchen, wenn ich nicht schon früh zu ihm gehe." – "Ich hatte es dir nur zu melden vergessen", sagte die junge Frau, "er war schon heute nachmittag hier und suchte dich." – "Wie kannt du das nur vergessen?" rief Leonhard aus. – "Es ist ja noch Zeit genug, dass