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dieses Quietismus ergaben sich die Freunde, als der redselige Alte sie wieder verlassen hatte. Endlich besann sich Elsheim zuerst wieder und sagte: "Was hindert mich denn, diese bäuerliche Erfindung auf meinem Gute nachzuahmen? Mögen die Entusiasten der englischen Gartenkunst die Nase rümpfen, soviel sie immer wollen, ich werde es ganz gewiss tun. Hier sitzen wir wie Vögel in einem grösseren Nest; und ein Liebster mit seiner Braut, Mann und Frau, eine einträchtige Familie, für diese und poetisch gestimmte Menschen ist das ja ein himmlischer Platz. Und für zwei junge Freunde, wie wir hier vorstellen, ja wahrhaftig auch. Mir ist hier zumute, als wenn wir die Figuren aus einem dichterischen Märchen wären. Ich erinnere mich dunkel, einmal gelesen zu haben, dass eine trauernde Schöne den Leichnam ihres jungen Geliebten auf einer Linde hegt und betrauert: da muss sich der Dichter doch wohl einen solchen Luftsaal gedacht haben."

"Welch Entzücken", sagte Leonhard, "würde wohl mancher ausrufen, um eine solche Alltäglichkeit! Denn diese Anstalten, mein poetischer Freund, sind wirklich bei Bauern und Bürgern nicht so selten, als du zu glauben scheinst. Ihr vornehmen gebildeten Leute beachtet nur so was selten, und in den Reisebeschreibungen steht es nicht verzeichnet."

In der besten Laune fuhren sie bei eintretender Kühlung jetzt weiter. Der alte Bauer nahm einen so herzlichen Abschied von ihnen, als wenn er sie schon seit Jahren gekannt hätte, und die jungen Leute konnten sich auch bei dem Gedanken, diese Stelle vielleicht nie wiederzusehen, einer gewissen Rührung nicht erwehren.

"Nun", fing Leonhard an, "müssen wir doch wohl nach meiner Rechnung bald auf deinem Gute anlangen."

"Noch heute abend", sagte der Freiherr, "laufen wir in den Hafen ein, wenn wir nicht noch vorher Schiffbruch leiden."

"Der Himmel verhüte böse Vorbedeutungen", sagte Leonhard lachend; "aber freilich, wer kann wissen, was uns bevorsteht, und besonders mir, da ich in ein fremdes Haus und unter lauter Unbekannte trete? Ich bin so gar nicht daran gewöhnt, mit fremden Menschen zu verkehren, dass es mir sehr schwer ankommen wird, meine Verlegenheit zu überwinden."

"Sobald du dir vertraust" – antwortete Elsheim –, "sobald weisst du zu leben; damit spricht eigentlich dieser gewandte Geist das ganze Geheimnis aus. – Die Menschen fürchtet nur, wer sie nicht kennt, und wer sie meidet, wird sie bald verkennen. – Dies lehrt uns auch unser Dichter bei einer anderen gelegenheit, und es wäre unbegreiflich, wie die Menschen diese so naheliegenden Überzeugungen so oft nicht finden, wenn wir nicht wüssten, dass das Allernächste gerade das ist, was so oft nicht erkannt wird."

"Wen find ich nun dort?" forschte Leonhard weiter.

"Zuerst meine Mutter," antwortete Elsheim, "eine stille, behagliche Frau, die dich in nichts genieren und hindern wird. Dann aber einen lieben Jugendfreund, der nur etwas älter ist, als ich, den Baron Mannlich. Sein kleines Gut liegt nur eine Stunde von dem meinigen, und er war kurz zuvor, ehe ich die Universität besuchte, mein täglicher Gesellschafter, ja in einem gewissen Sinne mein Lehrer. Mir ist es immer sehr merkwürdig gewesen, von Bekannten, sowie von berühmten Männern verschiedener Nationen diejenigen ihrer Freunde kennenzulernen, mit denen sie sich in der Jugend verbrüderten. Jeder Jugendfreund, auch wenn er jenen Bekannten völlig unähnlich erscheint, ist doch wie ein Glied von ihnen anzusehen, und keiner ist noch gewesen, der sich von dem Einfluss dieser Umgebungen hätte lossagen können. Die Erinnerung an das Wesen dieser Freunde, an ihre Gesinnungen und Meinungen wirkt noch spät fort, und sie bleiben ein Massstab, um vieles Ungekannte, Seltsame, oder Lehrreiche zu erproben. Darum ist auch wohl schlechte Gesellschaft in der Jugend so gefährlich, weil es auch dem starken Charakter kaum möglich ist, alle Eindrücke, die sich in solcher Umgebung bilden, wieder auszutilgen."

"Auf mich", unterbrach ihn Leonhard, "kann diese Beschreibung nicht passen. Denn, nachdem ich die Schule und die Lehrjahre überstanden hatte, trieb mich mein Beruf und die Neigung in die Fremde und auf Reisen. So knüpfte ich allentalben nur wandelbare Bekanntschaften und Freundschaften an, und nur wenige junge Gesellen meines Standes sind mir so lieb geworden, dass ich mich noch jetzt ihrer gern erinnern sollte."

"Ist es mir denn nicht auf ähnliche Art ergangen?" sagte Elsheim; "auf der Universität fand ich nur selten einen Jüngling zu welchem ich Zutrauen fassen konnte, und als ich bald darauf meine Reisen antrat, erging sich mein flüchtiges Leben wie aus einem Schauspielsaal in den andern. Ich bin nachher nie wieder mit jemand so vertraut geworden, wie ich es mit dir auf der Schule war. Darum suchte ich dich auch gleich wieder auf, als ich von meinen Reisen zurückkam, um mich wahrhaft an deiner Jugend zu erwärmen, da mein Herz in den vielen vornehmen Zirkeln wie erfroren war. Deshalb müssen wir auch immer in wahrer Freundschaft vereinigt bleiben."

"Mir kann oft bange werden", erwiderte Leonhard, "wenn ich in meiner kurzen Erfahrung so oft gesehen habe, wie engverbundene Menschen sich trennen, selbst hassen, zuweilen um Kleinigkeiten, oder weil sie Klätschereien zu leichtgläubig ihr Ohr liehen."

"Da kommen wir auf den Punkt", fiel der Baron lebhaft ein,