, wenn du es je wieder aus der Acht liessest."
"Du willst es", sagte Leonhard, "und es sei also. Aber die Deinigen, deine Gäste, so wie alle Fremden dort, werden diese, nach den hergebrachten Meinungen der Welt, ein solches Verhältnis nicht unbegreiflich finden?"
"Sie sind von mir das Ungewohnte gewohnt", antwortete Elsheim: "auch siehst du, dass ich keinen Bedienten mit mir genommen habe, damit wir unterweges um so freier sein können, und so hindert dich und mich auch nichts, dich dort bei mir als Baron Professor, Architekten, reisenden Maler, oder was du sonst willst, vorzustellen."
Leonhard schwieg erst ein Weilchen still, um seine ganze Empfindlichkeit zu sammeln, dann brach er los: "Früher hättest du es mir sagen sollen, dass du dich in deinem erlauchten Zirkel schämst, mich als deinen Freund und den aufzuführen, der ich wirklich bin, so wär ich dir nicht vergeblich bis hierher gefolgt, und wir beide hätten nicht nötig gehabt, eine Rolle zu übernehmen, die unserer unwürdig ist. Es ist aber doch noch gut, dass du mir die Entdeckung zeitig genug gemacht hast, um umkehren zu können, und künftig werde ich den Warnungen und Vorstellungen meiner verständigen Friederike eine bessere Folge leisten."
"Sprich und zürne dich nur aus", sagte Elsheim: "denn endlich ist zur rechten oder unrechten Zeit gesagt, was ich gestern dir zu sagen verabsäumte; das ist doch, beim Licht besehn, mein ganzes Verbrechen; in deiner frohen Laune damals hättest du den Scherz als Scherz betrachtet, und nur gefühlt, wie sehr ich dich liebe, um dich da draussen unter narrenhaften Menschen recht wahr und ungestört zu besitzen; du würdest eingesehen haben, dass man das Komödienspielen nicht besser einleiten kann, als wenn man gleich in einer Rolle auftritt; dann wäre es dir wohl etwas nähergerückt, dass es keine so ungeheure Forderung sei, dem Freunde dies kleine Opfer zu bringen, der, wenn es die gelegenheit fordert, sich mit dem grössten nicht wird saumselig finden lassen; und mit einem Wort, mein Geliebter, du wärst in deiner Ansicht jugendlich gewesen, und es hätte dir nicht so widerwärtig gedünkt, mit den Weisen weise, und mit den Törichten töricht zu sein."
Leonhard konnte sich nicht entalten, seinem Freunde die Hand zu geben, doch fügte er hinzu: "Alles zugegeben und vorausgesetzt, dass ich mich deiner Laune füge, wer steht mir denn dafür, dass diese Maskerade sich nicht mit meiner Erniedrigung endigen wird? Dir ist es bequem, wenn ich mich füge, aber wie soll ich mit meinen bessern Gefühlen die Rechnung abschliessen?"
"Liebster Freund", sagte der Baron, "lass uns aufrichtig zu Werke gehen. Ist es dir auf deinen Reisen, oder auch sonst nie begegnet, dass man dich in deiner guten Kleidung, mit deinem feinen Anstand in irgendeiner öffentlichen Gesellschaft für etwas genommen hat, was man so im Leben etwas Höheres nennt, und hat dir dieses Gefühl noch kein einzigesmal wohlgetan, hast du die Täuschung auch kein einzigesmal stillschweigend oder mit freigebigerm Bezahlen und herrschenderm Ton befördert? Hast du sie jedesmal vorsätzlich zerstört? Ich kann von mir dergleichen nicht rühmen, auch weiss ich nicht einmal, ob es etwas Besseres sei, was wir täglich ausüben, dass wir unter Unbekannten für vortrefflicher und weiser gelten wollen, als wir unserm Bewusstsein nach sind. Wir kommen an, ich gebe dich für gar nichts aus, ich nenne dich meinen Freund, der mir in den Einrichtungen des Hauses und des Teaters helfen will: das alles ist die strengste Wahrheit; ich gebe dir keinen fremden Namen und keine Würde, die dir nicht zukömmt, nur führe ich dich der Schwachen wegen nicht geradezu als Tischlermeister auf, weil ich hoffe, du bist wirklich immer noch mehr, mein Leonhard, als Schreiner durch diese ganz unschuldige List, wenn wir es noch so nennen wollen, gehst du mit allen frei und wie mit deinesgleichen um, da es eine unbillige Forderung wäre, dass jene Fremden sich aus allen ihren anerzogenen, angewöhnten und mit ihnen verwachsenen Vorurteilen heraussetzen sollten, um dich als Mensch sich selbst gleichzustellen. Durch diese einzige stumme Nachgiebigkeit vergibst du dir gar nichts, und schenkst mir unendlich viel, indem durch diese Kleinigkeit mir das Leben mit dir dort möglich wird, was mich einzig zu dieser Reise bestimmt hat. Und käme es zum Äussersten, würde ich dich verlassen, nicht deine Liebe höher als alle kindische Rücksichten schätzen? Bei der kleinsten Veranlassung, die dich nur beschämen könnte, trete ich für dich auf, und nehme alle Verantwortung über mich."
"Wenn alles dies", sagte Leonhard, "auch nur Sophistereien sind, auf die sich noch vieles erwidern liesse, so mag diesmal die Freundschaft für dich alles überwiegen und übertönen. Es mag als Maskerade gelten, die einen unschuldigen Endzweck hat; du wirst auf jeden Fall mir das Zeugnis geben müssen, dass ich mich dir und deinen Masken nicht aufgedrängt habe."
"Wunderlicher Geist", sagte der Baron, "der du noch so jung bist, und einer solchen Kleinigkeit wegen schon so viele Skrupel haben kannst! Und wie lange wird es denn währen, so sehe ich dich ein grosses Magazin von Möbeln einrichten, Meister unter dir arbeiten, denen du nur Zeichnungen und Bestellungen gibst, und Kommissionsrat, oder wie sonst, heissen; deinem