wissen das Lebens zu geniessen und die Freude gleichsam im Fluge zu haschen; wohin ich gekommen bin, bin ich noch immer an Geist und Munterkeit der Jüngste gewesen; denn unsere jetzige Jugend ist, wo man nur hinsieht, trübsinnig und schwerfällig, und ich muss, wie ein alter Anakreon, die Bursche beschämen."
Es wurde dem Baron sehr schwer, nicht laut aufzulachen, aber dennoch bezwang er sich und sagte: "Gewiss, wären alle Menschen von Ihrer Fröhlichkeit, so würde das Leben noch einmal so leicht und anmutig sein."
"Wer zweifelt daran?" erwiderte jener, und setzte sich, ohne zu fragen, nahe zu den beiden Freunden nieder, so dass Leonhard, dem der Mensch verhasst war, etwas von der Seite rückte. "Inkommodieren Sie sich nicht", rief der Tänzer, "ich sitze schon gut hier, ich habe Platz genug."
Es ergötzte den Baron, seinen Freund in dieser verdrüsslichen Stimmung zu sehen, er wandte sich daher zum Fremden und sagte: "Sind Sie aber zu allen zeiten so vergnügten Humors?" – "Fast immer", erwiderte jener mit Selbstzufriedenheit, "nichts ist mir widerwärtiger als Kopfhängen und Kalmäuserei, oder das duckmäuserische Pietisten- und Herrnhuterwesen; in meinem haus muss alles alert sein, ich schreie vom frühen Morgen, was ich aus der Kehle bringen mag, und da ich selten zu haus ganz meine Lust büssen kann, so besuche ich Freunde, die ebenso heiter sind, als ich, und regelmässig treffen wir des Abends im wirtshaus zusammen. Herr, ich versichere Sie, unser Brüllen, Singen und Schreien hört man oft über das ganze Städtchen weg, und jedes Kind weiss davon zu erzählen, was ich für ein lustiger Mann bin."
"Wie glücklich sind Sie", sagte der Edelmann, "ein solcher Humor ist ein unschätzbares Kleinod, und ich wollte nur, Sie könnten meinem jungen Freunde etwas von Ihrem Lebensmute mitteilen, der, wie Sie wohl bemerken werden, an der Melancholie leidet."
Wassermann packte gewaltsam des jungen Tischlers Hand, schüttelte sie kräftig und sagte: "Ach! was da! was da! wer wollte melancholisch sein, solange einem Essen und Trinken schmeckt und man nur halbweg gesund ist." Leonhard wurde immer mehr verstimmt, aber der Baron fuhr fort: "Ja, Herr Wassermann (denn so heissen Sie, wie ich gehört habe), es gibt aber doch Leiden, die, ungeachtet aller Lebensphilosophie, in der Sie sehr stark zu sein scheinen, das Herz zu sehr angreifen, zum Beispiel, die Leiden einer unglücklichen Liebe, an welchen mein Freund eben ohne Hoffnung darniederliegt."
"Das ist ja eben zum Totlachen", sagte die widerwärtige Figur; "die Liebe ist auch eine neuerfundene Modekrankheit. Dass man die Weibsen gerne hat, ist wohl sehr natürlich, und wo ich nur hinkomme, bin ich in alt und jung, in schön und hässlich verliebt. – Ihr wisst auch davon zu sagen, lustiges Gesindel!" schrie er zu dem weiblichen teil der Schauspielergesellschaft hinüber. – "Aber, meine Herren, sich grämen, seufzen, krank werden, ist eines Mannes unwürdig, und davon weiss ein anakreontischer Liebhaber nichts. Ich bin Bräutigam gewesen, ich war verheiratet, aber ich blieb einen Tag wie alle Tage. Ja, meine Herren, ich bin jetzt wieder mit einem recht schönen Mädchen, das zwar nicht so ganz jung mehr ist, versprochen, aber ich wäre wohl ein Narr, wenn mir nicht unterweges auch andere gefielen; nein, nichts gereut einen in späteren Jahren so sehr, als ein Kuss, den man nicht appliziert hat, wenn sich die gelegenheit dazu anbot." Mit diesen Worten sprang er auf, küsste erst die Wirtin und dann die übrigen Frauenzimmer nach der Reihe, ohne die Mägde zu übergehen, die das Zimmer aufzuräumen hereingetreten waren, dann lief er hinaus, um nach seinem Reitpferde zu sehen.
"Ein gottloser Mensch", nahm die Wirtin das Wort, "er kommt jetzt mit einer ansehnlichen Erbschaft zurück, die ihm ein Vetter auf seinem Sterbebette vermacht hat. Dadurch ist sein eigenes Vermögen um so grösser; und je wohlhabender er wird je toller wird er auch."
"Wer ist denn der Unhold?" fragte Leonhard heftig, "wo hat er denn seine Scharfrichterei? und welches weibliche Wesen kann denn so ganz ohne Empfindung sein, sich mit einem Tollhäusler zu verbinden?"
"Ei, bewahre, Ihr Gnaden!" sagte die Wirtin scheu, indem sie sich etwas zurücksetzte: "behüte Gott, dass Herr Wassermann das hören sollte! Er ist ein reicher Mann aus dem Würzburgischen, wo er viele Weinberge hat; sein meister Handel ist auch mit Wein, darum bereist er oft diese Gegend. Und warum sollte denn auch ein Frauenzimmer, wenn sie nur irgend solide denkt, einen ehrlichen wohlhabenden Mann nicht heiraten können? Sie soll arm sein, er hat keine Kinder, und so kommt sie gleich in einen guten Hausstand. Ei! ei! freilich sind das wohl so von den melancholischen Reden, wie der gnädige Herr hier vorhin zu sagen beliebten."
Indem kam Wassermann lärmend wieder hereingetreten, er stellte sich vor Leonhard hin, rückte den Hut ein wenig und sagte: "Herr Patron! sollten Sie vielleicht einmal in das Würzburgische Städtchen kommen" (indem er den Namen nannte), "so bitte ich es