und listig mein Vermögen mir zu, denn die Obrigkeit wollte mich strafen; natürlich hatte man unten den Zwerg nur als Leiche wiedergefunden. Alle jene lustigen Kameraden wurden gestraft; ich allein sah mich geborgen. Mehr beglückt war ich aber, als mein Geist erleuchtet ward, und ich meinen religösen Irrtümern entsagte, um mein Gewissen und meine Seele frei zu machen. Sie meinen zwar, Herr, ich sei nun von neuem gebunden; aber meine Seele bedarf dieser Fesseln vielleicht vorzüglich infolge jener Begebenheit, die ich noch nicht verschmerzen, und die Vorwürfe darüber immer noch nicht beschwichtigen kann, die mich in vielen Stunden peinigen. Jetzt habe ich Ihnen, lieber Mann, mein ganzes Herz eröffnet."
Leonhard dankte dem biederherzigen mann und erzählte ihm dann, unter welchen Umständen er jenen Zwerg auch in einer Mondscheinnacht vor Jahren angetroffen habe, worauf Lamprecht sagte: "Also hat er doch jenen Gesellen, mit welchem Sie damals wanderten, auch ruiniert, ja, man kann sagen, umgebracht, was er freilich ohne Absicht tat. Mein Unglück, sowie das manches jungen Menschen, hat er auch veranlasst. Es ist immer denkwürdig, wie ich schon sagte, aus welchen Fäden sich so oft unsere Schicksale spinnen."
Es war spät in der Nacht, und jeder ging eines andern Weges, um seine Ruhestätte zu suchen.
Am folgenden Tage gab Leonhard den Brief seines Freundes im haus des Banquiers ab. Man wies ihn sogleich in ein anderes Zimmer zum alten Herrn selbst, der ihn sehr höflich empfing und sogleich zum Sitzen nötigte. Nach kurzem Gespräch trat der Kassierer herein und zählte dem verwunderten Leonhard eine bedeutende Summe in glänzenden Goldstücken hin, worauf der alte Mann sagte: "Ich habe Ordre, Ihnen dieses einzuhändigen, mein Herr, und Ihnen zugleich diesen Brief zu übergeben." Leonhard nahm ihn, die Aufschrift war von unbekannter Hand, und er war jetzt überzeugt, dass dieses die Erbschaft sei, die ihm überliefert werde, obgleich er nicht begriff, wie die Exekutoren des Testaments hätten wissen können, dass er nach Nürnberg kommen würde; doch war die Summe diejenige, die er von dort erwarten durfte.
Er ging auf sein Zimmer zurück, um die Summe Goldes wegzuschliessen, und erbrach nun neugierig den Brief. Sowie er ihn öffnete, war er beschämt über seine Einfalt, denn er erkannte sogleich Elsheims bekannte Schriftzüge. Der Brief lautete so: "Da ich Dich, mein Geliebter, und Deine Wunderlichkeiten kenne, so habe ich es vorgezogen, auf diese Weise einen teil meiner Schuld gegen dich abzutragen. Und wahrhaft ernstlich würdest du mich erzürnen, wenn du diese Summe ausschlagen wolltest, und mich dadurch so beschämen, dass ich niemals wieder deine Freundschaft oder Hülfleistung in Anspruch nehmen dürfte. Du bedarfst des Geldes bei deinem Geschäft; ich bin die Veranlassung dass du dieses versäumtest: wie könnte ich deiner Friedrike, die ich mir doch zur Freundin wünsche, wieder in die klaren Augen sehen, wenn ich so ganz sündhaft in deiner Schuld bliebe, ich, der Reiche! wenn andere, die es nicht verdienen, von mir erhielten, und ich durch meinen Egoismus Dich um den verdienten Lohn brächte! Und sonderbare Freundschaft wäre es, die sich nicht wollte bezahlen, ihre Auslagen wiedererstatten lassen. Die falsche Grossmut sieht aber Dir nicht unähnlich, darum u.s.w."
Er kann sich nie verleugnen, sagte Leonhard, und freute sich, dass er seiner Friedrike nun die Wahrheit, wenn er zurückgekommen, sagen könne; doch erhoben sich neue Zweifel, indem er alles bei sich überlegte; Pläne spannen sich an diese, und so, in tiefen Gedanken sitzend, fand ihn Lamprecht. Man hatte gestern schon beschlossen, dem greisen Alfert einen Besuch zu machen, und beide begaben sich jetzt nach dessen abgelegener wohnung. Als sie in dem stillen haus die Treppen hinangestiegen waren, und Lamprecht die Stubentür öffnete, fuhr er mit einem Schrei zurück, und lief eilig die Treppe wieder hinunter. Leonhard war über dies Beginnen erstaunt, und trat in das geöffnete kleine Zimmer, in welchem er den greisen Mann in einem seltsamen Anzuge auf und nieder wandeln sah. Er trug nämlich jenen alten, weiten, feuerfarbenen Schlafrock, und auf dem Haupt eine hohe Mütze von derselben Farbe, unter welcher, im seltsamen Abstich, die ganz weissen Locken herunterfielen. Die Flucht Lamprechts war ihm nun erklärlich, denn nach diesem Krieges-Kostüm war heute der Tag der Besessenheit des Alten. Auch war dieser mit dem vorigen Tage verglichen, ein ganz verwandeltes Wesen. Seine Augen funkelten zornig, die lange Nase war rot und aufgelaufen, zwei blutrote Flecke glühten auf den beiden Wangen, und sowie er Leonhard eintreten sah, drehte er sich straff herum, sah diesem mit wildem blick in die Augen und schrie mehr, als er sprach: "Was will Er hier? Was hat Er überhaupt bei uns und in unserer Stadt zu suchen? Die Tagediebe, die unnützen! Da schwänzeln sie herum, schnüffeln in den Häusern, in den Kirchen, wo sie nur ihren empfindsamen Zeitvertreib antreffen können, wie die Trüffelhunde umher, graben das schwarze Zeug, das ihnen lecker dünkt, aus dem Boden, und meinen, sich noch damit zu des lieben Herrgotts Dienern und Hundejungen zu machen. Und Er nun gar! Nicht wahr, nun rennt der hochmütige Müssiggänger auch noch in die sogenannte natur hinaus, kostet, leckert, liebelt und pfiffelt da auch herum, in Abendröte und