männlichen Tönen, so dass Elsheim, wenngleich seine Freunde abwehren halfen, vor Verdruss und Langeweile ermüdete, bis ihn endlich der Anfang des dritten Aktes von diesen lästigen Artigkeiten befreite.
Dieser Aufzug wirkte nur wenig, weil sich soeben das Interessanteste gleichsam erschöpft hatte. Nur die starke, nachdrückliche und laut schallende, nicht geheuchelte, oder angedeutete Ohrfeige, welche Franz von der rüstigen Amalie empfing, erweckte die Zuschauer aus ihrem Schlummer, und erregte ein lautes und allgemeines Gelächter. "Es geschieht dem bösen Kerl ganz recht", sagte ein Bauer laut sprechend, "so sollten nur alle mit ihm umgehen, so würde er schon zu Kreuze kriechen müssen." In der zweiten Szene hatten sich die Räuber wieder malerisch gelagert, und Elsheim freute sich wieder dieses Anblicks, indem er sich erinnerte, wie unbedeutend, unbestimmt und nicht kenntlich, ja gemein und platt sich dieses Herumliegen von Menschengestalten auf unsern gebräuchlichen deutschen Teatern immer ausnimmt. Der Cadet, als Kosinsky, hatte Beifall, doch schien dieser Aufzug gegen den vorigen gehalten, nur matt und unbedeutend.
Der vierte Akt war wieder um desto glänzender. Franz und Karl erheben sich hier schon zur höchsten leidenschaft, und obgleich Ehrenberg hinter der Szene alles bereitgelegt hatte, was zur Umkleidung und Verstellung notwendig war; obgleich ihm der gewandte Bassist die schnellste und aufrichtigste hülfe leistete, auch noch einige Diener eben dazu angewiesen waren: so erstaunten alle Zuschauer dennoch über die fast an Wunder grenzende Schnelligkeit, mit welcher sich Ehrenberg fast unter ihren Augen und doch so unbegreiflich in das Gegenteil von der person verwandelte, als welche er nur soeben erschienen war.
"Ja", rief Dülmen immer wieder von neuem aus, das ist der echte Hokuspokus, der in der Kunst so notwendig ist; ein ungebildeter Mensch könnte an Zauberei, oder gar an ein Bündnis mit dem Teufel glauben. So gelangte man denn zu der grossen nächtlichen Szene am Turm. Die beiden Virtuosen hatten wieder eine schöne Hörnermusik besorgt, die sich in der Dämmerung sehr gut ausnahm. Auch jetzt bewährte sich die Bühne als sehr bequem und brauchbar, denn man hatte die Säulen durch gemaltes Mauerwerk verhängt, eine scheinbar mächtige Eisentür verschloss die innere kleine Bühne; aus dieser kam nun, nachdem Karl Moor den Turm geöffnet hatte, der alte Graf wie ein Gespenst hervor; und Anrede, Antwort und Beschwörung des Greises, alles dies konnte gleich natürlich und verständlich im nahen Vorgrunde, allen bemerklich, geschehen; und das Zurückfahren des Entsetzens, das stumme Spiel des Räubers, die Ohnmacht des Alten, alles dies brauchte nicht erst aus dem Hintergrunde hervorgezogen zu werden. Diese gewaltigen Szenen üben ihr Vollgewicht, auch ohne Genie dargestellt, aus, wieviel mehr auf diese Zuschauer, die den besten Willen, sich täuschen zu lassen, besassen, und dem Hauptschauspieler schon im voraus ihre Bewunderung entgegentrugen.
Im letzten Akt fühlte sich Leonhard völlig verstimmt, indem jener Traum des Franz, den er zu dem Sublimsten rechnete, was die Poesie je hervorgebracht hat, von dem Stümper so völlig entstellt, ja vernichtet wurde. Dieser war nur bestrebt, stets erneuten Schrekken zu heucheln, Schwindel und Ohnmacht anzudeuten, und alle jene kleinen Künste und Zufälligkeiten anzuwenden, die völlig verschwinden müssen, wenn das Gewaltige und Übermenschliche eintreten soll. Nun stürmten die Räuber Geschrei, Heulen, fackeln, Schiessen, kurz alles fand sich wieder zur Genugtuung der Kunstfreunde, in Überfülle, Franz erdrosselt, Schweizer erschiesst sich; und die letzte Szene und der Schluss nahten heran, sowohl zur Zufriedenheit der entzückten, als der völlig ermüdeten Zuschauer, zu denen vorzüglich Elsheim gehörte, dem es aber, so erschöpft er auch sein mochte, nun noch oblag, als Wirt den wesentlichsten teil seiner Rolle zu übernehmen.
Seit die Mutter zurückgekommen war, hatte er, da die Gesellschaft zu zahlreich war, zwei Tafeln eingerichtet. An der zweiten, an welcher er selber oft, sowie eine der Damen, sich niederliess, um keinen Rangstreit oder Empfindlichkeit zu veranlassen, war auch Ehrenberg seit seiner Ankunft eingefügt worden. Die Virtuosen hatten sich auch abwechselnd gern dort eingefunden, weil der Ton hier freier, und das Wort lauter sein durfte. Als man sich daher umgekleidet hatte, und man sich ordnen wollte, dachte er, auch diesmal den Künstler in jenes Zimmer zu verpflanzen; die alte Freiherrin aber, die mit ihren drei Töchtern auf Elsheims Bitte heute die Funktion der Wirtin übernommen hatte, bestand darauf, dass der Schauspieler neben ihr obenan als König der Tafel sitzen müsse. Noch lauter verlangte dies die Familie Bellmann und der alte Dülmen mit seinen Begleitern. Schulz und Schulmeister, nebst einigen aus der Gemeine, der Gärtner, nebst dem Förster, sowie dessen Tochter, ergötzten sich also an jenem zweiten Tisch, zu welchem sich auch freiwillig die beiden Virtuosen verfügten, sowie der Professor Emmrich, der sich wohl schon hinlänglich an den Kunstgesprächen und Kenntnissen jener fremden Gäste erbaut haben mochte.
Man war an beiden Tischen sehr fröhlich, diesmal aber am vornehmeren ohne Vergleich am lautesten. Als der Wein die Zungen beredt machte, sprudelten die Herren von Einfällen und Bemerkungen über. Man trank des Künstlers Gesundheit unter Anklingen, jubel und Geschrei. Er dankte und zeigte sich sehr verbindlich und artig, vorzüglich gegen die Damen. Ernestine, die zweite Tochter, wandte kein Auge von ihm ab, so sehr war sie auch von seiner Persönlichkeit bezaubert. Der derbe Forstmann war der erste, der, schon halb berauscht, fast unter Freudentränen mit Ehrenberg