von der roten Perücke, die sie wirklich angerührt hätten, ihn aber umarmt und seine hände gedrückt, und dass er ungeachtet seines ungeheuern Talents ein Mensch wie andere auch zu sein schiene. Indem teilte sich der Vorhang wieder, und der zweite Akt begann.
Jetzt wurde der boshafte Franz und seine Kunst, das Gesicht zu verziehen, noch weit mehr als vorher bewundert, da man ihn näher kannte und wusste, wer er war. In der Szene des scheinbaren Todes zeigte sich Mannlich gross. Jetzt trat auch der Komponist als Hermann auf, wie er sich schon im vorigen Akt als Roller gezeigt hatte. Der Alte war nun tot und beseitigt und Franz Gebieter. Es folgten hierauf die Szenen im wald, die der Bassist, ohne hülfe Ehrenbergs, eingerichtet hatte, und in denen er seinem Übermut am meisten den Zügel wollte schiessen lassen. Gleich beim Eintreten trug er wieder einen jener tollen Gesänge vor, worin er den ganzen Umfang und die Tiefe seiner vortrefflichen stimme hören lassen konnte. Er hatte alles aus der ersten Edition des Werkes herübergenommen, und nur die Erzählung von der Plünderung des Nonnenklosters ausgelassen. In seiner tollen Laune hatte er viele von den Domestiken oder Knechten auf die lächerlichste Weise herausgeputzt als diejenigen Spitzbuben, die er, Spiegelberg selbst, angeworben hatte. Indem er nun die Geschichten seiner List und Menschenkenntnis erzählte, holte er diese Kumpane, einen nach dem andern, näher an das Licht hervor, und die seltsamsten Fratzen zeigten sich zum Ergötzen der Zuschauer; dies und die musterhaft launige Erzählung, die der Dichter seinem Spiegelberg in den Mund legt, mussten Freude und jubel hervorbringen. Das Gelächter war unauslöschlich, und selbst Elsheim und der Professor mussten den Humor des Sängers bewundern. Nun erscheint die übrige Bande mit dem befreiten Roller. Das Getümmel war gut arrangiert, und alle diese Räuberszenen wurden, bis auf die Rolle des Karl Moor, wirklich vortrefflich gegeben, doch wurde dieser am meisten bewundert. Der Schulmeister war als Schweizer unbeschreiblich glücklich, denn er durfte so laut und stark spielen, wie er nur immer wollte. Der Kommissar oder Pater erscheint, und nun vernimmt man schon Trompeten und die Musik der Soldaten. Jetzt stürzen alle Räuber im Getümmel ab, und das Gefecht beginnt. Dieses hatte der Sänger vielmals mit allen Gehülfen eingeübt, um das Allertollste hervorzubringen, wie man es sonst nur in dem Zirkus der Kunstreiter zu sehen gewohnt ist. Die Szene nahm sich gut aus und passte vortrefflich auch zu dieser törichten Aufgabe. Man hatte die freien Säulen mit bemalten Baumstämmen verhängt; so war die innere Bühne nun wie eine Felsengrotte, die Stufen, von grünen Gebüschen umstellt, erschienen wie Gebirgssteige, Schluchten oder Hohlwege, der Balcon oben zeigte sich als eine Berghöhe. Die Räuber nahmen nun, nachdem Moor und andere hinweggestürmt waren, unter Geschrei und wilder Musik alle diese Posten ein; Soldaten erschienen sodann unten, um solche wieder mit Gewalt zu erobern. Man schoss, man kämpfte mit dem Säbel und Bajonett, alles schrie Hörner und Trompeten schmetterten nah und fern, auch hörte man in den Pausen das Schiessen und Kämpfen in der Weite. Als die Räuber fast schon gesiegt hatten, viele Soldaten tot und andere entflohen waren, erschien von der rechten Seite der Räuber Moor mit seiner Schar wieder, als wenn er von der Übermacht des Militärs zurückgedrängt wäre. Neue fechtende Gruppen bilden sich wieder auf dem Proscenio, sowie auf der inneren Bühne; das Schiessen wird noch viel gewaltiger; die grösste Verwirrung und Zerstörung stellt sich dar. Jetzt bricht heulend und bellend die ganze Koppel der Jagdhunde herein; alles schreit, lärmt, Trompeten schmettern, Waldhörner tönen, Büchsen, Gewehre und Pistolen knallen, dazwischen die Hunde, und die Anhetzenden toben, was sie nur vermögen, so dass der alte Förster genötigt ist, von der Wahrheit abzuweichen und als Schufterle trotz seines schimpflichen Abschiedes wieder aufzutreten um seine Hunde nur gehörig zu führen und in Ordnung zu halten. Die Doggen, so abgerichtet, reissen viele Soldaten von hinten nieder, die Bullenbeisser rennen die Stufen hinan, um die Krieger anzupacken, und als diese mehr als babylonische Verwirrung, das Zeter und Spektakel eine geraume Zeit gewährt hat, fliehen die Soldaten, und die siegenden Räuber stürzen jubelnd nach. Den Boden, die innere Bühne und die verschiedenen Stufen rechts und links bedecken die Leiber getöteter und verwundeter Krieger, alle, wie auch Leonhard und der Professor zugaben, in höchst malerischen Stellungen, worüber der letzte nicht wenig erfreut war, da nur durch seine angepriesene neue, oder vielmehr veraltete Bühneneinrichtung dieser Effekt erreicht werden konnte. Nun schlossen sich die Vorhänge und verdeckten alles.
Diesem Ungestüm folgte eine allgemeine tiefe Stille, denn die Bewunderung und das Entzücken der Zuschauer war so gross, dass sie anfangs keine Worte und keinen Ausdruck finden konnten. Endlich vereinigte sich der Ausspruch der Damen sowohl wie der fremden Herren dahin, dass dieses Schauspiel erhaben, sublim und einzig zu nennen sei, dass man niemals sich vorgestellt habe, dass die dramatische Kunst so ungeheure Wirkungen hervorbringen könne, und dass das ganze Land dem Baron Elsheim zum innigsten Danke verpflichtet sei, dass er, als ein echter Patriot, mit grossen Unkosten zur Bildung und Erhebung aller Zuschauenden diese Prachteinrichtung auf seinem schloss stattfinden lasse. Dülmen, der alte Bellmann und seine Söhne, der Forstmeister und der Amtmann reichten abwechselnd dem jungen Baron die hände und drückten die seinigen, überschütteten ihn mit Lob und Dank; auch die Witwen erhoben ihren Gesang zwischen den derben