einmal auf dergleichen ausgehen; denn Wurst wider Wurst, sagt der Deutsche, und Ohrfeige um Ohrfeige, Zahn um Zahn. Also, nicht wahr, Männchen, bei der nächsten Komödianterei laden Sie uns ein, uns Männer, die wir doch wahrhaftig auch nicht hinter dem Zaun aufgewachsen sind, und einem jeden, wenn es not tut, die Zähne weisen können. Also eingeschlagen! und damit guten Tag und guten Weg, und auf erneute getreue Nachbarschaft Ihr Wohlsein, das wir drei hier um den Tisch eben cordialiter trinken wollen, als Ihre wohlgesinnten Freunde, Freiherr von Dülmen, im
Namen der übrigen."
"Das klingt fast", sagte der Musiker lachend, "wie eine Ausforderung."
"Ja wohl", sagte der Sänger, "und dabei erinnert mich der Ton des Briefes an die trefflichen Bücher unsers verehrten Cramer, nach welchem dieser kriegerische Freiherr wahrscheinlich seine Schreibart gebildet hat."
"Ich weiss nicht, was ich anfangen soll", sagte Elsheim ganz verstimmt; "da drängen sich neue ganz widerwärtige Figuren auf und lassen sich nicht abweisen. Unsere Diener und Bauern haben mich nicht gestört, aber diese würden mir jede Laune nehmen; denn immer erfordert die Aufführung eines poestischen Scherzes Vertrauen, sonst erscheint man sich selbst in den bunten Jacken als gedungener und missglückter Harlekin."
"Ja wohl", sagte Mannlich seufzend; "erst zwang unserm heitern Spiel die gute Baronesse fast verschimmelte, überbildete Menschen auf, die aus einer längst vergessenen Zeit noch herüberschielten wie Revenants; nun drängen sich umgekehrt ganz Rohe und Ungebildete in unsern Zirkel. Das muss notwendig ein allgemeines Missbehagen hervorbringen."
"Man sollte ihnen", sagte der Sänger, "den Tasso von Goete aufführen, und sie würden, glaube ich, hinfallen wie die Fliegen im Späterbst; ich wette, sie kämen niemals wieder, selbst wenn sie eingeladen würden."
"Oder man improvisierte", fuhr der Musiker fort, "ein fürchterliches tobendes Melodrama, wo alle Instrumente losgelassen würden, und man eigentlich im Charivari nichts vernähme. Man könnte ja alle Mitspielenden, die aber nur Unsinn aus sich selbst sprächen, umkommen lassen. Es würde erbaulich genug ausfallen."
Der Diener trat wieder in die Laube und sagte: "Da ist ein wunderlicher Mann, der sich gar nicht will abweisen lassen; er nennt sich Ehrenberg, und behauptet, er müsse den Herrn Baron durchaus sprechen. Er wäre auch schon mit Ihnen bekannt, und Sie würden sich gewiss freuen, ihn wiederzusehen."
"Ehrenberg?" wiederholte Elsheim, "ich kann mich seiner nicht erinnern, indessen, da er so dringend ist, so bringe ihn nur zu mir."
Nach einiger Zeit hüpfte ein schlanker, nicht gar grosser Mann in mittleren Jahren, in schlechtem hellbraunem Rocke, dem Bedienten voran in die Laube hinein. Elsheim und Leonhard erkannten ihn sogleich als jenen wandernden Schauspieler wieder, der ihnen im Gastofe Menschenhass und Reue ganz allein, ohne Beihülfe anderer Personen, aufgeführt hatte. "Ich weiss, höchstverehrter Herr Baron", rief der Angekommene, "dass Sie meine Huldigung, da Sie so höchst gebildet sind, nicht verwerfen werden. Sie haben Besuch auf Ihrem schloss, und so wird meine Bemühung, die erhabenen Gäste zu unterhalten, vielleicht willkommen sein. Ja, ich bin davon überzeugt, dass Sie mich nicht als ein überflüssiges Monstrum werden abweisen lassen."
"Gewiss nicht", sagte Elsheim erfreut; "im Gegenteil, Sie überraschen mich auf eine angenehme Weise, und befreien mich aus einer grossen Verlegenheit. Es tut mir nur leid, dass ich Sie im schloss selbst nicht logieren kann, denn alle Zimmer sind besetzt; Sie werden aber im haus meines Pächters ein bequemes Unterkommen finden."
Der Künstler verneigte sich dankbar und zufrieden, und der Baron gab dem Diener Anweisung, für den Wandernden zu sorgen, der sich auch sogleich mit dem Diener entfernte.
Elsheim sagte lachend: "So erbarmt sich denn ein gütiges Schicksal meiner, und sendet freundlich diesen Tausendkünstler der jenen Kennern, die sich selbst eingeladen haben, etwas Genügendes vorspielen wird. Er hat nämlich die grosse Gabe, ganze Teaterstücke allein vorzutragen, und so spielt er Franz und Karl Moor in den Räubern, und verwandelt künstlich genug die Tragödie in ein Monodram."
"Soll es aber erlaubt sein", sagte Leonhard bescheiden, "dies Werk unsers geliebten Dichters, wenn es auch sein frühestes ist so zu entstellen?"
"Du weisst es", unterbrach ihn Elsheim, "wie ich gerade, mein Leonhard, dieses kecke, verwegene, zum teil freche Gedicht liebe, mehr als die meisten meiner Landsleute, die Schiller verehren.
Es ist ein übertrotziges Titanenwerk eines wahrhaft mächtigen Geistes, und ich finde nicht nur schon ganz den künftigen grossen Dichter darin, sondern glaube sogar Vortrefflichkeiten und Schönheiten in ihm zu entdecken, Ankündigungen, die unser geliebter Landsmann nicht so erfüllt hat, wie wir es nach diesem ersten Aufschwung erwarten durften. Ist denn aber das wunderbare Werk nicht schon populär genug geworden, und oft genug auf guten und schlechten Bühnen als Entstellung und wilde Torheit aufgeführt? Wir geben Ehrenberg gelegenheit, sich in seiner ganzen Grösse zu zeigen, und jene Besuchenden, die uns mit ihrem Zorne drohen, gehen ohne Zweifel begütigt und dankbar nach haus. Wir sehen zu, oder halten uns entfernt, und kümmern uns um das Unwesen nicht weiter."
"Nicht also, Herr Baron",