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der Zweifel da, dennoch, dennoch zittre ich, in dieser Missgeburt meinen Nebenbuhler zu sehen! –

Weil Du es vorziehst zu zittern, weil Dir der Sieg fast zu bequem ohne Schwierigkeiten erscheint, und der schöne glänzende und stets siegende Buckingham lieber einen Pavian, als gar keinen Nebenbuhler, haben möchte. Halt ein jedoch und lass die Grillen fahren, die in Wahrheit weder Grund haben, noch Dir und dem Andenken Deiner Göttin ziemen. Jage nicht im blinden Eifer dieser einen Phantasie nach und laufe an dem Ziele vorüber, das indessen der, der Dich wild gemacht, vielleicht ohne Hinderniss erreicht!

Zu toll ist es von Dir, den weggesandten Nebenbuhler noch zu fürchten; ergründe lieber, was dieser feine schleichende Prälat in England zu verrichten hat, – wahrscheinlich mehr, als Dir dies Bild, dies Tuch, dies übersponnene Brieflein auszuliefern. –

Ha, Membrocke, Du hast Recht! Schon wieder holt Dein ewig gegenwärtiger Verstand den meinen ein. Ich bin ein töricht unbesonnener Knabe. Wie kann ich träumen, der Freund, der Vertraute dieses Teufels Richelieu betrete diesen Boden, ohne die Fussangel vor mir auszubreiten, in der ich mich gefangen geben soll. Höll' und Teufel! Wen liess ich zurück, mir Bericht zu senden über jener Machinisten reges Spiel? Wer blieb zurück? Hilf mir, wer hat gewagt, so schlecht mich zu bedienen, dass dieser Dämon die Stiegen dieses Palastes betrat, ehe ich die Ahnung seiner Ankunft erhielt! Hier unter meinem dach, Membrocke, ehe ich es ahnte! Begreifst Du es? Ich, Buckingham, betrogen, überlistet! Wer hat dies Bubenstück erdacht? Wer hat gewagt, mir diesen Streich zu spielen? So wahr ich lebe und den Namen trage, vor dem die Mitwelt zittert, es soll sein letzter sein!

Schreckbar von Wut entstellt, die zitternde Hand am Gefässe seines Degens, den er den Händen Maxwells entrissen, schien sein Auge lechzend den Gegenstand seiner Wut zu suchen und fiel auf die schöne glänzende Gestalt des Grafen, der mit der feinen Kälte der Ueberlegenheit am Kamin lehnte und mit gleichgültiger Miene für sich zu denken schien. Ohne den Herzog anzublicken oder den Ton zu heben, verwies er ihn zur Ruh. Ihr werdet begreifen, fuhr er fort, dass kein Atemzug dem Kardinal Eure Ueberraschung verraten darf. Eilt schnell, Euch als Protektor ihm aufzuwerfen, ehe wer Anders Euch zuvorkommt. Schon beugte vor dem Freunde des mächtigen französischen Ministers Salisbury den starren rücken, und Clarendon und Sussex lauschten seinen Worten. Ihr müsst es ihnen zuvortun, so eifrig ihn bewachen, dass er zum freien Atmen keinen Raum behält; um so sicherer könnt Ihr ihn beobachten. Doch lasst uns zur Gesellschaft eilen. Maxwell, tut Eure Schuldigkeit! Ich sehe hier an diesem Meisterstück von Wamms und Mantel ein schlecht gewähltes Gürtelband. Wozu dies matt gehaltene Geschmeide von Türkissen zu diesem pfirsichfarbnen Sammet? Warum nicht jene Smaragden in Juwelen? Sie sind bei weitem passender. Das Neueste ist, man trägt die Quaste auf der Schulter unter der Agraffe des Mantels; seht, so wie diese hier. Buckingham, Du Ideal der Mode, Du Angelpunkt aller Augen, die sich mit Eleganz und Feinheit bereichern wollen, muss ich Dich belehren? Setze Maxwell auf Pension, ins Spital mit ihm, sein Sinn wird stumpf! Doch sag', hat Saville meine Nerven umsonst erschüttert mit der Nachricht, den Prinzen habe der Schlag gerührt? –

Ich hoffe, er hat diese Torheit Dir nur allein ins Ohr geraunt, Dich aus dem Saal zu locken; er sollte es sonst büssen. Doch nur zu gewiss ist, dass ich dies Mal unfreiwillig mein Gastmahl ohne Wirt gelassen; der Prinz erkrankte plötzlich und liegt danieder. Der König heult an seinem Bette, und es war schwer zu entkommen; auch kam ich nur, um dies Gewühl von Gästen aufzulösen und dann zu ihm zurück zu kehren. Doch es entfiel mir Vieles über dem Vielen, was ich heute gehört, und endlich Alles über diesem inhaltreichen Kästchen, ha! Und endlich auch dieses über dem Ueberbringer! Sag', ist Ormond anwesend! –

Er spielt die Rolle Josephs auch heute meisterhaft! Und darum just, rief lachend Buckingham, hab' ich ihn Dir zum gefährten erwählt. Erstaune nicht; Du folgst mir nach Whitehall und bleibst die Nacht, ich habe Dir viel zu sagen. Jetzt lass uns gehen, ich bin so kalt jetzt, so ruhig und besonnen, wie nach zwölf Stunden Schlaf. Diese stolzen Herren werden an fünf Stunden Aerger, hoff' ich, jetzt schon zu viel haben, um durch meine, leider nur zu gut begründete Entschuldigung sich beruhigen zu lassen; und das ist mein Trost. Nur ungern wollte ich den süssen Spass entbehren, sie so toll gemacht zu haben; und müsste ich diesen Mazarin nicht heute noch umstricken, ich hätte ihnen die volle Ladung nach haus mitgegeben und lieber Verse an den Mond gemacht, als dass ich unter ihnen noch erschienen wäre! In einem kleinen Turmzimmer des französischen Gesandtschaftshauses finden wir einige Stunden später den bedeutenden Mann wieder, der durch seinen blossen Namen Buckinghams Leichtsinn erschütterte. Seine Erscheinung, als Freund des mächtigen Richelieu, sicherte ihm schon damals die Huldigungen aller derjenigen, die irgend die Wichtigkeit des eben auf seiner höchsten Höhe stehenden französischen Ministers zu beurteilen verstanden. Wenig schien Mazarin durch die Art, wie er überall auftrat, diese Auszeichnungen zu unterstützen und noch weniger zu verraten, wie er