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Barone, inklusive der sämmtlichen Grosswürdenträger der Kirche der drei vereinigten Königreiche mit Schmach und Beleidigungen überschüttet und seine besten Freunde unter der Marter nutzloser und verachteter Höflichkeitsspenden zur Verzweiflung bringt.

Euer Liebden, unterbrach ihn Buckingham, ohne allen Zorn sich behaglich dehnend und an den Seidenfäden des entdeckten Briefchens zupfend, Euer Liebden scheinen sich übel zu befinden. Man spricht in London von böslichen Fieberanfällen, die eine schnelle Zerstörung des Gehirns bewirken. Oder habt ihr an einem Schenktische repräsentirt? Oder haben die nächtlichen Gelage einer Woche Euch zu einem TagsTräumer gemacht? Ich nehme vielen Anteil an Eurem bedenklichen Zustande. Maxwell, wo stehst Du, untätiger Schuft, während mein bester Freund in so betrübter Lage sich befindet. Einen Lehnstuhl! eile! eile! öffne sein Wamms; wo sind die heilsamen Tropfen der Mutter Kleratri, welche selbst gegen den Tod an den luftigen Balkonen der zeitlichen Gerechtigkeit sich unfehlbar zeigen! Oder seid ihr nüchtern, Mylord, und durch eifrige Studien über die Tischzeit getäuscht? wie Gelehrte denn pflegen, aus Hunger geistreich und belehrend zu werden; ich bitte Euch, befehlt! – Maxwell, Couverts! Lasst auftragen, wenn in diesem elenden Junggesellen-Hotel heute schon Feuer auf dem Heerde brannte.

Spart Cure jämmerlichen Spässe, Mylord, rief immer erhitzter Saville, und glaubt nicht, mich damit zu täuschen. Ihr wisst sehr wohl, dass ihr eure Diener mit Einladungen durch London gejagt, um heute einen Hof in Eurem haus zu halten, bei dem Euch die vornehmsten und wichtigsten Personen des Landes den Tribut ihrer abgezwungenen Unterwerfung darbringen sollen. Ihr wisst sehr wohl, dass Ihr die empörende Unverschämteit habt, dies fest seit vier Stunden ohne den Wirt bestehen zu lassen; Ihr wisst, dass Ihr Euch damit so viele Feinde macht, als dies Haus Häupter zählt, während Ihr wie ein Kind in Euern seidnen Windeln liegt und Seide zupft. Doch Alles wird sein Maass finden, und Ihr werdet dieses fest mit Verfolgungen bezahlen müssen, die zahlloser sein werden, als die Haare Eures Hauptes. An ihrer Spitze steht mit drohenden Blicken schon jetzt die enttronte Königin des Tages, die Marquise St. Pol. Dies fest, das Ihr durch alle Künste der Ueberredung ihr als ein Geschenk zur Annahme aufdrangt, sie sieht es jetzt als eine öffentliche boshafte Beschimpfung von Euch an. Der Kreis der zurückweichenden Damen, der sie zu Anfang wie ihr Gefolge umgab, wird immer weiter, und immer kälter wenden sich die Blicke von ihr; denn man wagt eben so wenig die zu verachten, die Buckingham ehren will, als man sie zu beschützen denkt, wenn er sie aufgiebt. Doch alle tragen eine und dieselbe Last der Beleidigung, Alles trägt mit der Marquise denselben heissen Wunsch, sich zu rächen und zu entfernen. Die Gesellschaft ist in Parteien geteilt, die Minister des Königs, Salisbury an ihrer Spitze, die Grafen von Cumberland, Sussex, Clifford, Sommerset, Clarendon stehen als Oberhäupter und beherrschen mit ihren zornigen Blicken ihre um sie versammelten Anhänger. Die schottischen Barone, die irischen Pairs blicken erstaunt auf dies Schauspiel einer vor ihren Augen geschehenen Demütigung ihrer stolzen englischen Nachbarn und nehmen dann, so viel ihr mattes Ehrgefühl es zulässt, ihr teil für sich davon, während die Bischöfe, Dechanten und Kapläne mit Nasen, an deren zorniger Glut Ihr Eure Kapaunen rösten könntet, umhergehen, und vergeblich den besänftigenden Geruch Eurer Tafel erwarten. Auf, törichter Mann, fuhr Saville fort, in seinen früheren Unwillen verfallend, aus dem er sich selbst fast herausgeschwatzt hatte, auf, beeilet Euch, wieder gut zu machen, was noch möglich ist!

Aber ihm schallte statt der Antwort ein so übermässiges Gelächter des Herzogs entgegen, so heftig, so anhaltend und ausgelassen, dass Saville, dessen völlig gehaltloser charakter unfähig war, eine Meinung irgend einer Art gegen den prachtvollen übermütigen Buckingham festzuhalten, zuletzt mit fortgerissen, ihm gegenüber in einen Sessel sank und, in dies Gelächter des Herzogs einstimmend, kaum einzuhalten im stand war, als Buckingham schon die tränenden Augen sich zu trocknen begann.

Saville, Krone aller lustigen Spassmacher meines frivolen Hofstaats, kein Königreich nehme ich für den unsäglichen Spass, den Du vor mir vorüber führst! Welch ein fest konnte die erschöpfte Kasse Deines herzoglichen Freundes schaffen, welches nur den hundertsten teil des Vergnügens abwarf, das diese Deine unvergleichliche Beschreibung über meinen Geist verbreitet. Wahrlich, ich bin erquickt, als hätte ich in Aeter gebadet, meine Nerven haben Elastizität gewonnen, und es scheint mir wert, diesem abgenutzten Leben noch einen Gedanken zu widmen.

O des bezaubernden Anblicks, diese stolzen Gesellen wie die Schulknaben im Sonntagsputz gedemütigt zu haben; sie sich selbst züchtigen zu sehen, Einer in der eingebildeten Grösse des Andern; ihre ohnmächtigen Rachegedanken zu erraten, die Keiner länger Mut hat zu verfolgen, als so lange ich fern bin; diese hochmütigen Ladys, die vergeblich ihre Tugendlarven abzogen, meiner kleinen Favorite zu huldigen, und die nun in der Enttäuschung sich selbst herabgesetzt sehen! Höre auf zu lachen, armseliger ausgebrannter Kopf, und sage mir, wenn es Dir möglich ist, ob Du oder ich oder irgend ein Mensch der Erde sich ein so reizendes Vergnügen ausdenken konnte, wie hier sich im Reiche des Zufalls gestaltete.

O Du unvergleichlich liebenswürdiger Bösewicht, lallte hier Saville, aus seinem lachen sich heraus kämpfend, wie war es möglich, dieser tragischen Begebenheit die allerlächerlichste Seite abzugewinnen und mein vom Zorn exaltirtes Blut so abzukühlen? Ja, es ist wahr, Buckingham