vermehren mussten, welches entzückt war, diese ihrem Standpunkte so weit entrückten Personen Handlungen begehn zu sehen, die sie ihnen näher stellten, wenn auch der redliche und gebildete Bürger sich mit Scham und Unwillen davon wegwandte.
An dem Tage, wo wir unsere Leser in London einführen, umleuchtete den Vorplatz eines glänzenden Palastes ein Feuermeer von Pechfackeln und brennenden Holzstössen, deren Glanz die angrenzenden Strassen und den Himmel mit seinem düstern Nebelschleier erreichte. Man hätte wähnen können, dem Brande einer Stadt sich zu nähern, wenn man von ferne das tobende Geschrei der Menge vernahm, die sich diesem Schauspiele entgegen drängte, teils als Zuschauer, teils als Teilnehmer. Aber es war nur eins der früher erwähnten Feste.
Der Herzog von Buckingham versammelte zuerst nach seiner Rückkehr aus Spanien die Grossen des Landes, und seiner Einladung war man mit grösserem Eifer entgegen gekommen, da allerdings die Macht und Gewalt des gefürchteten Mannes verdoppelt schien durch die ausgesprochene Freundschaft des Prinzen, die ihm seine unselige herrschaft auch nach dem tod des jetzigen Königs zu sichern schien. Seine zahllosen Feinde, unter die sich mit Recht die Besten der Nation zählten, gaben die Hoffnung auf, in der Zukunft das Ziel seines verderblichen Einflusses zu sehen, und Karl der Erste konnte später seine Tronbesteigung unter kein unglückseligeres Zeichen setzen, als das seiner Freundschaft für einen Mann, der in den Augen des ganzen Landes als Ursache aller dasselbe heimsuchenden Uebel galt.
Dessen ungeachtet war zur Zeit, die wir erwähnen, sein Einfluss unantastbar, und für irgend einen Widerstand nicht der Augenblick da. Das sagten sich die Besten mit den Schlechten zugleich, und man sah sie dieselben gefügigen Schritte tun, bloss darin unterschieden, dass es dem Einen ein patriotisches Opfer dünkte, während der Andere sich und seinen Vorteil damit zu fördern oder zu schützen suchte. Buckingham kannte alle seine Feinde. Zahllose Spione durchkreuzten für ihn jeden ihm wichtig scheinenden Punkt; jeder schändliche Dienst der Art ward mit einem Aufwande belohnt, der die Erfüllung der nächsten Anforderung schon im Voraus sicherte. Jeder war um so pünktlicher in seinem Dienste, als über den Beauftragten ein zweiter ihm unbekannter Wache hielt, und wie Buckingham Verrat zu bestrafen wusste, darüber raunten sich selbst die Mitglieder dieser Bande nur mit Grauen ihre Erfahrungen zu.
So erreichte oft den edel Zürnenden in der Zurückgezogenheit, die er dem fahlen Glanze des Hofes vorzog, die Strafe für ein gerechtes Wort, welches die Not und Verwirrung des Landes ihm abgepresst: und das Misstrauen, das sich so in die innigsten Verhältnisse drängte, und keine Einigkeit der Meinungen und Ansichten sich herstellen liess, war eine der teuflischen Absichten Buckinghams, die er leicht erreichte.
Zu seinen kleinen Belustigungen gehörte es, bei seinen Festen oft alle die zu bitten, die ihm als einander bitter grollend bezeichnet waren. Er wusste, dass sie lieber einen Feldzug unternommen hätten, als den kurzen Weg zu seinem Palaste, und er schwelgte in der Freude, sie nun doch dem Zwange sich beugen und vor ihm erscheinen zu sehen.
Sie hatten an einem solchen Tage oft alle Schattirungen des Uebermuts zu ertragen, und waren bald der Gegenstand seiner kindischen Neckereien, bald seiner gröbsten Vernachlässigung. Man wusste oft, dass Frauen, zweideutig in Ruf und Sitte, Königinnen des Festes, die edelsten und vornehmsten Damen ihnen nachstehen, und ihren Launen und Wünschen unterworfen sein würden. Dennoch wagten diese hier weniger wegzubleiben, als aus den Gemächern der Königin; denn welche hätte nicht einen Gatten, Sohn, Vater oder Bruder zu schützen gehabt, und wer konnte nachweisen, dass Buckingham eine Vernachlässigung verziehen oder übersehen hätte!
Schon hatten sich am erwähnten Abend die glänzenden Räume in allen Richtungen mit den ausgezeichnetsten Personen des In- und Auslandes gefüllt. Die schönsten Frauen in dem kostbarsten Putze, die Männer mit Allem, was ihnen Auszeichnung verleihen konnte, und einem zahlreichen Gefolge von Pagen und Dienern, welche die Vorhallen einnahmen, Alles drängte sich durch und in einander, und suchte mit Höflichkeit oder mit Gewalt den Vorteil eines Platzes zu erringen, der dem Range oder Interesse des Geladenen entsprechend schien. Aber obgleich die Mehrzahl sich schon beisammen fand und die Zeit bedeutend vorgerückt war, fehlte doch dem Ganzen sichtlich der Mittelpunkt, der Wirt selbst, der allein so viele sich widerstrebende Elemente, wie diese Säle umschlossen, zu verbinden unternehmen konnte. Es war deutlich zu sehen, wie beim langen Harren, das den Gästen auferlegt war, und das sie als eine neue Anmassung und Kränkung des übermütigen Mannes anzusehen hatten, die scheinbare Heiterkeit oder Ruhe und Würde, womit der denkende teil der Gesellschaft beim erscheinen sich ausgerüstet hatte, dem Gefühl des Ueberdrusses und des unwilligen Erstaunens wich.
Nur die völlig gedankenlose Jugend schwärmte in gewohnter Weise lärmend und neckend umher, und brachte Bewegung um die in festen Gruppen sich zusammenziehenden Gleichgesinnten. Vergeblich bemühten sich die zahllosen Anhänger und bevollmächtigten Gesellschafts-Kavaliere mit dem glänzenden Tross vornehmer Hausdiener des Herzogs, Leben in dies sterbende fest zu bringen. Der Herzog selbst nur konnte die Last heben, die sich, je länger, je mehr auf Alle niedersenkte. Selbst die Marquise von St. Pol, die, im vollen Besitze seiner Gunst, sich als die Königin des Festes ansehen durfte, und zu deren Füssen Buckingham die Anordnung dazu, von ihr bestimmt oder genehmigt, verfügt hatte, unterlag allmählich der übeln Laune, die diese Vernachlässigung ihr gab, und liess sie die Bemühungen aufgeben, womit sie bisher ihre und des Herzogs Anhänger unterstützt hatte.
Die Gesellschaft,