1836_Paalzow_083_9.txt

ihrer Nähe schied. Als Robert von Derbery den Prinzen nach seinen Zimmern begleitet hatte und das Gefolge bis auf ihn entlassen war, blickten die Jünglinge zuerst sich an, und stumm und heftig sanken sie einander in die arme! Da fühlte Carl heisse Tränen an seinen Wangen, erschrocken richtete er den Freund in die Höhe und sah fragend in das glühende schöne Gesicht seines Robert. Stumm blickten sie sich eng umschlossen an, und leise öffnete der Graf die Lippen. Das geständnis, was seine vom Himmelsglanz der Liebe strahlenden Augen verkündigten, sollte ihnen entgleiten, als Carl zum tod erbleichend sich aus seinen Armen riss und mit fürchterlicher Heftigkeit abwehrend, die Hand nach ihm ausstreckend, ihm fast mit Entsetzen zurief: Schweig! Um Gottes willen, schweig! Kein Wort! Beim Himmel und der Erde, kein Wort! – Starr blieben sie so stehen, alles Leben schien von Beiden gewichen, bis Robert, über den Zustand Carls von zärtlicher Angst ergriffen, seine kalten hände fasste und an seinem glühenden Gesicht, an seinem treuen Herzen sie zu erwärmen strebte. Doch Carl lag jetzt still und wortlos an des Freundes Brust, seine Augen waren tief zu Boden gesenkt; doch Beide, von Gefühlen überwältigt, sprachen kein Wort, bis schüchtern Porter, der Kammerdiener des Prinzen, die tür öffnete. Der Prinz kannte dies demütige Zeichen, womit der treue Diener oft die langen Nachtwachen des Prinzen zu unterbrechen suchte; er folgte auch dies Mal sanft, wie ein geduldiges Kind. Ohne einen blick auf Robert zu wenden, drückte er ihm die Hand, und mit kaum vernehmlicher stimme sagte er ihm: Bleib mir getreu! Bis in den Tod! rief der Graf und beugte ehrfurchtsvoll sein Knie, indem er die geliebte Hand an seine Lippen drückte. Der Prinz entriess sie ihm, presste sie mit Heftigkeit an seine Augen und war verschwunden.

So lange der Hof Zeit behielt, war man damit beschäftigt, die beiden schönsten Damen des Hofes, die Gräfinnen von Bristol und von Buckingham, zu vermählen. Am nächsten hierzu schienen wieder die jungen Grafen von Drebery, der Herzog von Buckingham und noch einige minder wichtige Herren des Hafes. Aber wie dies einzurichten war, blieb ein weites Feld für die verschiedensten Mutmassungen. Buckingham bewarb sich mit grösster Zuversicht um die Gräfin von Bristol, und Niemand wagte an seinem Gelingen zu zweifeln, besonders da sein mächtigster Rival, Robert, Graf von Derbery, seit dem erscheinen der Gräfin von Buckingham verloren schien für die übrige Welt. Ohne sich ihr bestimmt zu nähern, schien er doch in ihrer Nähe nur Luft und Nahrung einzuatmen. Ein Wort aus ihrem holden mund, ein blick aus ihren himmlischen Augen, die stets so ernst und freudlos umherschauten, schien Kraft und Leben in ihm hervorzurufen; und wandte sie sich von ihm, brach er zusammen, als ob sie alle Kraft mit sich hinweg geführt. Er war so kindlich, so ohne Arg seinen Gefühlen hingegeben, dass er keine Ahnung davon hatte, wie kein Wesen bei hof lebe, das dies Gefühl nicht längst erkannt. Er sah weder die ernsten Blicke des Grafen von Bristol, noch hörte er die sanften Mahnungen seines geliebten Vaters. Seine Mutter berührte vergeblich mit zarter Frauenart die früheren Wünsche der Familie in Hinsicht seiner Vermählung. Mit sanftem Lächeln hörte er sie ruhig an, er verweigerte nicht, er gewährte nicht. Er schaute so rührend freundlich und doch so tief traurig in ihre Augen, dass ihr das Mutterherz zu brechen drohte, und wenn er sie verliess, wusste sie nicht, ob er sie nur gehört habe. Schon oft waren die Freunde zusammen getreten, sie hatten es gewagt, sich das Scheitern ihrer Hoffnungen zu gestehen, sie liebten beide den bezauberten Jüngling väterlich, und ein zartes Mitleiden mit seinem Zustande, den die wunderbar anziehende Erscheinung selbst bei den ältesten Männern zu rechtfertigen schien, nahm ihrem Unwillen seine Schärfe. Die junge Gräfin von Bristol blieb dagegen Allen undurchdringlich. Mit derselben Würde erschien sie jeden Tag in dem ausgesuchtesten Schmucke, mit der Behauptung einer völlig gleichen Laune, bei hof. Sie war besonnen und geistreich, ohne Heiterkeit oder Witz zu besitzen; sie war prächtig, und ihre Stirn und der hohe, kalte blick ihrer Augen wie zu einem Diadem geschaffen. Die blühende Fülle der Jugend, die sie vom land mitgebracht, und die ihrer Schönheit fast hinderlich war, hatte in der Stadt und von den endlosen Lustbarkeiten, denen sie wie einer Pflicht sich willig unterzog, gelitten, ihren Wangen war das glühende Licht entschwunden und ihrer Taille der volle Umfang; sie war nur noch schöner dadurch, und Buckingham schwur tausend Mal, sie überstrahle seine Schwester, wie die Sonne den Mond!

Wenige nur teilten diese Meinung. Man kaufte sich mit der Anerkennung ihrer seltenen Schönheit los, um sich an der Gräfin von Buckingham mit allen Entzückungen der Liebe und Bewunderung zu sättigen. Aber man fragte sich, warum diese himmlischen Wangen so bleich sahen, warum diese tiefen seelenvollen Augen so melankolisch blickten, dieser süsse Mund so selten lächelte, da doch aus diesem Lächeln der Wohllaut eines inneren himmels hervor zu brechen schien. Ihre hohe vollkommene Gestalt, ihre Bewegungen, das einfachste Wort, was von ihren Lippen mit sanftem Tone drang, es schien so ganz anders, wie alles Uebrige; und wenn die holdeste Demut wie bittend aus ihr sprach, schien sie die Königin aller Gedanken, die Beherrscherin der Gefühle und Meinungen. Sie war der Liebling der Königin. Der König