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Herzogin erlaubte, mit Zuziehung des Herzogs, die Einführung der Pagen, Graf Archimbald schlich sich leise davon, in der Hoffnung, auf Richmond zu stossen, nach dem er fast ein ungeduldiges Verlangen trug. Er sehnte sich überdies mächtig aus dieser schwülen Luft, in der er nur auf leidenschaftliche Gefühlsaufregungen stiess, zurück in die kühle Atmosphäre des Verstandes, die ihm den Gebrauch seiner wahren natur verstattete. Aber sie verfehlten sich, denn Richmonds Herz trieb ihn schnell von jener ersten Erweichung zu den Pflichten gegen seine übrige Familie zurück, um so mehr, da er ebenfalls ihnen über die nahenden Reisenden, denen er nur vorangeeilt war, seine Mitteilungen zu machen hatte. Mit den Pagen zugleich von verschiedener Seite eintretend, fasste er sich kurz im herzlichsten Empfang der Seinigen und eilte dann, die beiden jungen Edelleute seiner Grossmutter und dem Herzoge, seinem Bruder vorzustellen.

Sofort trat einer der jungen Pagen hervor und redete die Lady an: Mein Gebieter, Seine Herrlichkeit, der Graf Ormond, und sein verehrlicher Begleiter, der Lord Membrocke, haben die Ehre genossen, von Seiner Königlichen Hoheit, unserm erlauchtesten Prinzen von Wales, zu dem ehrenvollen Auftrag erwählt zu sein, der Durchlauchtigsten Familie seines von ihm tief betrauerten Freundes, des verstorbenen Herzogs von Nottingham, sein tiefstes Beileid zu bezeigen, und in dieser hohen Eigenschaft wagen die Grafen, unsere Gebieter, sich diesem schloss zu nähern, und bitten durch uns, ihre Ehren-Pagen, um eine gnädige Aufnahme.

Bezeige Du, mein Sohn, in Abwesenheit Deiner Mutter, diesen Herren unsere Gesinnungen in meinem und Deiner Mutter Namen, sprach die alte Herzogin sich erhebend. Indem ich zugleich den Herren mein Vergnügen über ihre Ankunft ausdrücke, muss ich mir für heute die Ehre versagen, die Bekanntschaft der Herren Abgesandten zu machen, da meine Gesundheit mir Ruhe gebietet. – Holdselig Alle begrüssend, und von ihren Enkelinnen und den Damen gefolgt, ward sie mit der höchsten Ehrfurcht vom Herzoge und von Graf Richmond bis an den Ausgang geführt, wo sie Beide zurücksendete, um ihre Pflichten gegen die Fremden zu erfüllen.

Der junge Herzog eilte nunmehr, die beiden jungen Edelleute mit den schmeichelhaftesten Worten zu entlassen, und Sir Richard Ramsei ward sogleich mit einem zahlreichen Gefolge den Ankommenden entgegen geschickt, indessen Ottwei mit einer ganzen Armee ihm untergebener Diener sich zur Einrichtung der Zimmer anschickte, die für die ausgezeichneten Gäste bestimmt wurden.

Der junge Herzog fühlte sich jedoch wenig in der Stimmung, die gastliche Freundlichkeit mit der sorglosen Heiterkeit auszuüben, die allein den Gästen die überzeugung des Willkommenseins verleiht, welche durch keine äussere Beobachtung der schicklichen Formen ersetzt wird, wenn sie ihrer Bestätigung in den Augen des Wirtes ermangelt. Richmond, von der besonders bewegten Stimmung seines Bruders, die ihm nun, da er mit ihm allein geblieben, zum zweiten Male auffiel, überzeugt, bat ihn mit liebevollem Ernste, über Leben und Gesundheit ihrer Mutter nicht länger besorgt zu sein, da Stanloff, dem er auf dem Wege zu diesem Saal begegnet, ihn noch ein Mal versichert, dass der ruhige und süsse Schlaf, in den sie jetzt verfallen, ihre völlige Genesung vielleicht schon auf Morgen erwarten lasse, da ihr ganzer Zufall mehr erschreckend, als gefährlich gewesen.

Und dennoch, Richmond! rief der junge Herzog, dennoch zerreisst dieser unglückselige Vorfall mit tausend Schmerzen mein Herz, und wirft mich in ein Chaos widerstrebender Empfindungen! Ich muss fürchten, dass Wünsche, die ich ihr einige Stunden früher mitteilte und trotz ihres Widerstandes vor ihr behauptete, sie, die noch erschöpft von Gram und Kummer über unsern teuern Vater ist, in diesen Zustand versetzt haben.

Wie kann das sein? rief Richmond lebhaft, ich verstehe Dich nicht in dieser ausschweifenden Erweichung. Was kann sie, die stets liebevolle Mutter, in einem Begehren, das schwerlich unmöglich oder gar kränkend sein konnte, finden, was sie zu dieser Aufregung hätte führen können, die, nur zu wahrscheinlich aus früheren geistigen Leiden hervorgegangen, jetzt rein physisch zu nennen ist.

Nein, nein! sagte der Herzog mit dem trostlosesten Ausdruck; sie nimmt das heisseste Begehren meines Herzens fast mit Abscheu auf und macht mich dadurch zum unglücklichsten mann der Erde!

Ich verstehe Dich nicht, mein teurer Bruder, sprach Richmond, aus seiner sorglosen Ruhe erwachend und wohl begreifend, dass hier mehr zum grund liegen müsse, als ihm bis jetzt bekannt. Er hielt fragend inne, des Vertrauens gewiss, das ihm noch nie von diesem geliebten Bruder versagt worden. Aber es schien diesmal nicht so leicht, wie bei ihren früheren kleinen Geheimnissen. Der Herzog verfiel in ein Schweigen, welches nicht undeutlich eine Verlegenheit durchblicken liess, die, zwischen ihm und Richmond sonst so ungewohnt, diesen nur noch aufmerksamer machte. Schon dachte er ihm durch eine Bitte um Vertrauen die Mitteilung zu erleichtern, als der Herzog mit einem unaussprechlichen Gefühl von Rührung seine hände ergriff, sie zwischen die seinigen drückte und mit unsicherer stimme rief: Sei mein Schutz, sei Vermittler zwischen diesem Herzen und der Welt, die dessen Gefühle anfeindet! Richmond, ich liebe! Zum ersten Male ergreift dies wunderbar mächtige Gefühl meine Brust, und schon treffe ich auf Widerspruch und Verfolgung, obwol ich die Welt mit ihren Schätzen heraus fordere, mir einen Gegenstand zu zeigen, der würdiger wäre, jedes Gefühl des Herzens in Anspruch zu nehmen!

Robert, sagte Richmond schnell, was kann geschehen sein? Eile, mir mitzuteilen, was hier die Gesinnungen gegen eine Wahl erregt hat,