der ganzen Glorie seiner edlen wahrhaften natur! Er selbst gestand mir jetzt seine Liebe zur Gräfin Buckingham, und dass sie in ihm noch jetzt lebe, wo er mich um meine Hand bitte: aber unüberwindliche Hindernisse, die er mir jedoch nie nennen dürfe, trennten ihn von der Gräfin. Nie könne sie seine Gemahlin werden, und diese überzeugung hätte ihn von all seinen Wünschen geheilt und zu der heiligen Pflicht zurückgeführt, welche verehrte Verwandte so grossmütig und beglückend für ihn ersonnen. Er fragte mich, ob ich es wagen wolle, ihm zu vertrauen; er sagte mir, dass er mich höher achte und verehre, als alle andern Frauen der Erde; dass nur dies Gefühl ihm Mut gegeben zu dem ausserordentlichen Schritte, den er gewagt zu tun; dass er nur an meiner Seite, nur in Erfüllung dieser Pflicht, nur indem er sich bestrebe, Alles zu vergüten, was er verschuldet, Ruhe finden könne, nur Glück hoffen dürfe, wenn ich ihn aufnähme, und mit schwesterlicher Liebe sein Herz dulden und heilen wolle. Er erinnerte mich an die Wünsche unserer Eltern, die wir dadurch zu beglücken vermochten, und ich – liebte! Was er mir bot, sicherte mir fürs Leben seine teure Nähe! Was er mir entdeckt, erhöhte nur meine achtung für ihn, und gab meiner Seele das süsseste Vertrauen zu den Versicherungen hochachtender Freundschaft, die nach der trostlosen Verarmung, in der ich mich gefühlt, so unendlich viel mir schien. Mein Stolz war für den Augenblick verschwunden, er empfing mein Jawort, und Du weisst es, dass der König, von beiden Vätern angesprochen, noch denselben Tag seine Einwilligung gab; doch was Du vielleicht nicht so bestimmt weisst, erfahre es jetzt: Buckingham erschien eine Stunde später bei mir, bot mir mit der vollen Sicherheit eines verzogenen und eiteln Mannes seine Hand. Mit welchem inneren Triumph durfte die Braut des Grafen von Derbery ihn jetzt zurückweisen! Wie genoss ich das Erstaunen, womit er aus meinem mund den Grund seiner Zurückweisung erfuhr!
Es war ein kurzer, sehr unweiser Triumph, der die schrecklichsten Folgen hatte, indem er diesen verzogenen Mann zum Wüterich machte. Er hielt seine Schwester für entehrt, weil die Welt sie mit Robert verlobt dachte, welchen er nun überdies für die Ursache seiner eben erlebten Zurückweisung ansah. Erst misshandelte er die unglückliche Schwester; dann suchte er in Wut den Grafen auf, und Du weisst, dass sein damaliges Verfahren ihm eine kurze Verweisung und ein Duell mit meinem Verlobtenzuzog.
Wir wurden vermählt. Du und Dein Gemahl gingen nach Spanien, wir nach Godwie-Castle. Dein Sohn war ein Engel. Ach, nicht ohne Vorwurf kann ich dagegen an mein Betragen denken. Ich besass ihn jetzt, und dieses heisse Verlangen meines Herzens war erfüllt; aber es lebte in mir fort, dass er aus Liebe sich mir nicht vermählt, und dass ich allzu rücksichtslos mein glühend Herz ihm hingegeben. Mein Stolz erwachte, ein nie zu tödtender Verdacht lebte in mir auf, und Geringes war genug, mich ungerecht gegen ihn zu machen oder mich im Geheim den heftigsten Zuständen der Eifersucht zu überliefern. Jetzt werde ich Dir sagen müssen, teure Mutter, was zur Nahrung dieser unglücklichen Empfindung diente, damit nicht allzu hart meiner eigenen Torheit die Leiden anheim fallen, die heimlich an mir nagten.
Gewiss weisst Du, dass des Prinzen auffallendes Betragen bei unserer Vermählung zu tausend törichten Vermutungen Anlass gab, gewiss bleibt es, dass der Prinz bis zur Wut geriet, bei der ihm von Robert selbst gebrachten Nachricht seiner Wahl: aber der Grund blieb mir so fremd, wie jedem Andern. Da verriet ein Zufall mir, dass vor unserer Vermählung der Graf mit dem Prinzen die Gräfin von Buckingham, die ich auf ihren Gütern glaubte, in der Nähe von London, in einem dem Prinzen gehörigen schloss, gesehen hatte, und dass sich dann Alle nach verschiedenen Seiten hin mit grossem Schmerz getrennt. Es war an meinem Hochzeitstage, als eine meiner Frauen beim Ankleiden mir, unbefangen schwatzend, dies erzählte, was die Kastelanin jenes Schlosses, ihre Tante, ohne Arg ihr mitgeteilt. Mein Herz erstarrte und umzog sich mit einer Rinde; ach, wie viel verschuldete dieser Augenblick.
Vergeblich hoffte ich hierüber eine Erklärung von meinem Gemahl; er schwieg, ja, er wich der gelegenheit, die ich ihm gab, sich zu erklären, mit Aengstlichkeit aus. Einige Jahre gingen darüber hin, in denen sich mein Glück immer mehr zu befestigen schien; aber wie innig ergeben mir auch mein Gemahl war, ich ward nie ganz frei von den Unruhen des Verdachts. Reisen von einigen Tagen, deren Ursache er verschwieg, Briefe, die ein Bote brachte, der in den Zimmern meines Gemahls blieb, bis dieser ihn selbst mit Briefen zurücksendete, liessen mir stets die überzeugung eines geheimen Verhältnisses, das er meinen Blicken entzogen wünschte, und welches für mich nur die eine unglückliche Deutung zuliess, die meine eifersüchtigen Qualen vermehrte. Vergeblich zogen Liebe und achtung für den stets mir verehrungswürdiger erscheinenden Gemahl mich von diesem beleidigenden Verdachte ab; mein Herz krankte an ihm fort. Wir waren auf Euern Wunsch nach London gegangen und brachten schon Richmond, unsern zweiten Sohn, mit uns, während ich noch eine neue Hoffnung nährte. Mein Gemahl zeigte hier eine gesteigerte Unruhe, die an Bekümmerniss grenzte, und die durch nichts aus unserm Verhältnisse zu erklären war. Es herrschte nicht die unbefangene Offenheit unter uns, die eine Bitte oder