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. Nicht leicht ward ein Befehl des Königs mit mehr Lust erfüllt, als dieser. Die jungen Prinzen hatten schon in Schottland bei der damaligen Sendung des Herzogs, nach dem tod der Königin Maria, wo die Jünglinge ihn begleiteten, mit den Grafen Freundschaft geschlossen. Obgleich Beide jünger, als die Grafen, glich sich doch dies leichter aus durch die angeborne Würde der Königssöhne.

Seltsam aber und doch bei der Prüfung der Karaktere sehr natürlich, schlossen sich, wie magnetisch angezogen, die am innigsten aneinander, die durch das Alter sich ferner standen. Heinrich, Prinz von Wales, hing sich mit Entusiasmus an den Grafen von Glandford, während Carl, der jüngere Bruder, sich nicht mehr von seinem geliebten Robert zu trennen vermochte. Jakob sah die jungen Leute, unter denen er sich stets gefiel, so viel, wie möglich, um sich, doch der Wunsch, seinen geliebten Georg Villers ihnen zuzugesellen, blieb unerfüllt. Ohne sich auszusprechen, schien es eine stillschweigende Verabredung, ihn bei aller Höflichkeit, die sie dem Lieblinge des Königs schuldig zu sein glaubten, auf eine feine Weise von sich entfernt zu halten. Der König war seltsam genug, dies für Geringschätzung gegen seinen, wenn auch alten, doch nicht sehr ausgezeichneten Namen zu nehmen, liess häufig wohl verständliche Winke darüber fallen und sagte endlich, als er seinen Liebling zum Herzog von Buckingham erhoben hatte: Nun werden meine stolzen Prinzen und ihre Grafen den Villers schon leiden mögen. Leicht hätte er beobachten können, wie wenig er seinen Zweck erreicht hatte, wären nicht Veränderungen in den Verhältnissen der jungen Leute selbst entstanden. Der Herzog von Nottingham wünschte seinen ältesten Sohn zu vermählen, und zwar mit der einzigen Tochter des Heinrich von Digby, Grafen von Bristol. Lange Freundschaft verband die Häupter der Familien, und allerdings schien es für den jungen Grafen eine leichte Wahl, da die junge Gräfin so eben in dem vollen Glanze einer erhabenen Schönheit bei hof erschienen war; und abgesehen davon, dass ihrer ein fürstlicher Reichtum harrte, schien ihr Geist von ungewöhnlicher Bildung, und ihr charakter an Festigkeit und Würde fast ihrem Alter vorausgeeilt zu sein. Sie war der Mittelpunkt aller Träume und Wünsche, aller Intriguen und Huldigungen, während sie selbst mit stolzer Kälte Alle von sich entfernt hielt, und den Herzog von Buckingham bloss aus Rücksicht für den König, den Grafen von Derbery aus Gehorsam gegen ihre Eltern zu dulden schien. Doch war leicht wahrzunehmen, wie Robert nur die Rücksicht beobachtete, die ihm die Verhältnisse beider Familien abnötigten, während er mit glühendem Angesicht einem andern Sterne sich zugewendet hatte, der zur selben Zeit den Hof verherrlichte. Der König hatte die Mutter, den Bruder und die Schwester seines übermütigen Lieblings in den Grafenstand erhoben, und auch ihnen den Namen Buckingham verliehen. Die neue Gräfin erschien mit ihren Kindern am hof, dem Könige zu danken und ihre Tochter der Königin vorzustellen. Die Gräfin war eine schöne, würdevolle Frau, aus einer vornehmen, schottischen Familie, durch eigenen Wert und ausgezeichnete Verbindungen zu einer bedeutenden Stellung berufen. Ihr zur Seite stand das fräulein von Villers, ihre einzige Tochter, in einer so vollendeten idealischen Schönheit, so abweichend von allem, was man vor ihr darunter verstanden hatte, dass Jakob selbst, höchst unempfänglich für weibliche Reize, lachend sich die hände vor ihr rieb, und höchst verlegen um einen Ausdruck, oft wiederholte, dass seine hochselige Mutter auch von grosser Schönheit gewesen, nicht zum Frommen und Seegen ihres armen Landes. Gott sei ihr gnädig! fügte er stets hinzu. Dies indirekte Lob gab zu verstehn, dass er die Gräfin zu einem ähnlichen Anspruch auf Schönheit berechtigt glaube. Gewiss war es, dass nicht allein der König, der seine Mutter nur nach einem Bilde aus ihrer ersten Jugendzeit kannte, sondern auch Alle, die der unglücklichen Fürstin damals persönlich näher getreten waren, die auffallendste Aehnlichkeit der jungen Gräfin mit jener durch ganz Europa berühmten Schönheit fanden. Man flüsterte, dass, als die junge Gräfin zuerst an dem hof der Königin erschien, und zwar wegen ihres kurz vorher verstorbenen Vaters in tiefer Trauer, der Graf von Burleigh gegen die Regeln der Etikette einige Schritte vor dem König vorausgeeilt und, als sie, dadurch erschreckt, die grossen melancholischen Augen zu ihm aufgeschlagen, von einem jähen Schwindel befallen worden sei, der ihn genötigt, Whitehall sogleich zu verlassen. Schrecken war fast auch die erste Empfindung, womit sein Neffe Robert die Gräfin ansah; aber es war das Erschrecken, welches das unentweihte Herz erschüttert, wo die Liebe zuerst ihren Zauber verbreitete. Eine Sekunde schien ihn verwandelt zu haben. Zum ernsten Nachdenken über sich von Jugend auf gewöhnt, begriff er den Taumel nicht, in dem sich selbst wieder zu finden alle Bemühungen fruchtlos schienen! Der erste Seufzer entstieg dieser lebenskräftigen Brust, voll sehnsucht suchte er den Freund, aber beiden Prinzen hatte ihr hoher Rang an der Seite der höchsten Schönheit einen Platz verschafft, und Buckingham stand mit übermütigem Lächeln und blickte auf den Triumph, den unbewusst die Schwester ihm erringen half. Der Platz neben der jungen Gräfin von Bristol blieb unberührt von Robert von Derbery. Er war und blieb im saal, der diesen Zauber in sich schloss, aber er war unfähig zu einem Worte, ja, er sah die Gräfin kaum, die seltsam bleich und verändert den kühnen Annäherungen Buckinghams ein so hingebendes zerstreutes Wesen entgegensetzte, dass er weiter, wie je, gekommen zu sein schien und doch unzufriedener, als sonst, aus