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wenn ich Euch mit einigen fragen lästig werde.

Ihr seid meiner Aufmerksamkeit stets gewiss, und mein Vater hat über mich zu befehlen, erwiderte die Herzogin in wieder gewonnener Fassung.

Nun, sagte Graf Archimbald lächelnd, so muss ich Euch zuerst in ein Staatsgeheimniss einweihen, welches, wie ich fürchte, nur zu bald eine nicht mehr zu verbergende Oeffentlichkeit erhalten wird. Unsere Angelegenheiten in Spanien haben eine sehr ungünstige Wendung genommen, und die jahrelangen, weisen, nicht genug zu rühmenden Unterhandlungen unseres grössten Geschäftsmannes, des Grafen Bristol, scheinen ganz gegen ihr Verdienst erfolglos zu werden! – Aber um Gott, Mylord, rief hier die Herzogin erschrocken, was sagtet Ihr und alle übrigen offiziellen Nachrichten uns denn bisher so verschwenderisch vom Gegenteil? Welche chimärische Träume waren dies, wer hat denn hier betrogen sein wollen, dass man so geschäftig war, es zu tun?

Weder das Eine, noch das Andere, antwortete der Graf; Alles ging von Seiten des Prinzen und des Hofes in Wahrheit so vor sich, wie es uns gemeldet ward. Aber Ihr werdet Euch wohl erinnern, wie die Begleitung des Herzogs von Buckingham mich sogleich über die ganze Angelegenheit in Zweifel setzte, da es wohl unmöglich war, einen ungeschicktern und übelwollendern Begleiter für den Prinzen aufzufinden. Der Erfolg hat nun alle dadurch auch beim Grafen Bristol erregten Besorgnisse bestätigt, und schon nach den ersten Tagen war der Herr Graf, der Buckingham beobachten liess, überzeugt, dass es der bestimmte Wille des Herzogs war, durch die zügelloseste Aufführung und die absichtlichste Beleidigung aller höheren dabei interessirten Personen, den Prinzen trotz seines eigenen makellosen Betragens in Misskredit zu bringen. So bewundernswürdig klug Graf Bristol alle diese Dinge für den Prinzen unschädlich zu machen suchte, so wenig vermochte er doch die gerechten Befürchtungen der königlichen Familie zu unterdrücken, dass der unläugbare Einfluss dieses Mannes auf den Prinzen die Lage der Infantin höchst bedenklich machen müsse. – Woher aber dieser Einfluss so plötzlich? unterbrach ihn hier die Herzogin; weiss ich doch, dass der Prinz früher eine in der Tat nur allzu furchtbare Beleidigung ihm nie vergeben zu können glaubte, und später nur aus kindlicher Rücksicht für seinen Vater ihn ertrug, ohne doch seine Verachtung gegen ihn unterdrücken zu können.

Graf Archimbald wusste entweder hierüber selbst noch nichts, oder zog vor, diese Aufklärungen nicht zu geben; genug, er begnügte sich, seine Absicht weiter verfolgend, ruhig fortzufahren. Dessenungeachtet ist die Tatsache nicht zu läugnen, Buckingham ist im Vertrauen des Prinzen, und so doppelt mit Ansehen ausgerüstet, überschreitet seine Unverschämteit alle Grenzen. Er hat sich dem vortrefflichen Herzoge von Olivarez, der bisher unser eifriger Freund und der Beschützer dieser Bewerbung war, öffentlich als Feind erklärt und ihn dabei so beleidigend behandelt, dass der Herzog, da man Buckingham vor der Abreise des Prinzen nicht vom hof entfernen darf, diesen bis dahin vermeidet. Des Grafen Bristol Einmischung hat die Sache nur verschlimmert, obwol sie mit seiner gewohnten Umsicht geschah. Denn Buckingham hat sich die abscheulichsten Ausbrüche gegen die Gesandschaft des Grafen erlaubt, und der Graf zog sehr richtig, fürchte ich, daraus den Schluss, dass des Herzogs Neid im bösesten Grade erregt sei, in Bezug auf das durch den Grafen so glücklich eingeleitete gute Vernehmen beider Höfe, und dass er dieses Verdienst nicht durch eine Vermählung noch erhöht sehen wollte. Wie dem auch sei, der Hof hat sogleich nach Abreise des Prinzen die Unterhandlungen, um höchst unbedeutender Ursachen willen, fürs Erste bei Seite gelegt, wenn man sie nicht schon jetzt richtiger abgebrochen nennen soll. Graf Bristol fühlt sich dadurch äusserst gekränkt und wünscht, wie natürlich, irgend einen neuen Anknüpfungspunkt aufzufinden. Hierzu möchte er durch Euch einige Nachrichten erhalten, die ihm jetzt wichtig werden könnten.

Durch mich? fragte die Herzogin fast spottend. Wie kann ich meinem teuern Vater, entfernt vom hof, gehüllt in Trauer, über diese Angelegenheiten, die auch den dort Lebenden nicht immer klar sein mögen, den geringsten Aufschluss geben? Nein wahrlich, ich kann nur als Tochter und Engländerin seinen Unwillen teilen, aber ihm Licht über das Dunkle dieser Sache zu geben, ist ausser meinem Bereich. –

Es beziehen sich die Nachrichten, die der Graf wünscht, auf die Reise meines teuren Bruders, Euers Gemahls. Der Graf, dem über die eigentliche Ursache Zweifel entstanden, glaubt bei dem ausgezeichnet vertrauten verhältnis zu Euerm Gemahl von Euch Näheres erfahren zu können. –

Schwermütig sank der Kopf der Herzogin nieder, und mit einem Seufzer hob sie an: Mylord, Ihr berührt hier eine schmerzliche Erinnerung! Mein Gemahl durfte von mir einer Treue gewiss sein, die seine Geheimnisse, so er mich würdigen wollte, sie zu teilen, zu einem Heiligtume gemacht haben würden, an dem selbst der mächtige und stets ehrwürdige Wille meines Vaters hätte scheitern müssen. Aber ich habe bei seiner unglücklich übereilten und durch nichts gerechtfertigten Reise diesen Vorzug nicht genossen, und ich darf daher nach dem Willen meines Vaters handeln, dessen Scharfblick sich nicht trog, denn auch mir ward es eine unleugbare Gewissheit, dass ihn ein anderes Motiv, als das der sehnsucht, meinem Vater seinen Sohn vorzustellen, trieb. Er fühlte auch selbst zu wohl, wie wenig mir dieser Grund zur Befriedigung dienen konnte, und er achtete mich und sich zu sehr, um ihn vor meinen Ohren zur Wahrscheinlichkeit aufschmücken zu wollen, wohl wissend, dass mir die Ehrfurcht vor seinem stets reinen Willen nicht erlauben würde, ein Vertrauen erzwingen zu wollen, welches seiner