Ihr dadurch zum Paradiese schmücken würdet, und wo Euch die treuesten Herzen in der zärtlichsten Liebe schlagen?
Der junge Herzog glaubte sich deutlich genug ausgesprochen zu haben, er hoffte, sie wisse jetzt, dass er sie liebe und sie zur Beherrscherin seines Lebens begehre. Aber er irrte. Ein junges weibliches Herz, das noch nicht beschlichen ist von dem Wunsche, solche Empfindungen zu erregen, kann die deutlichsten Liebeserklärungen anhören, ohne sie zu verstehen, wenn ihr eigenes Herz nicht in verwandten Anklängen dem Worte entgegenschlägt. Es gibt bis dahin eine unendlich frostigjungfräuliche Fähigkeit, alle solche Worte in die Weite und Ferne und aus der intimen Beziehung zu sich selbst hinweg zu deuten. So sah Maria in den Worten des Herzogs nichts als seine holde gastfreundliche Güte und die Bestätigung, dass sie von allen den Teuern seiner Familie und so auch von ihm selbst geliebt sei, und sie wollte eben in diesem Sinne ihm antworten, als die alte Herzogin die stimme erhob und ihrem Enkel zurief: Hierher, mein lieber Freund! Ich habe Dir willkommene Nachrichten zu geben. Die Gräfin von Dorset wird mich mit ihrer ganzen Familie in Burtonhall besuchen, und wie zu hoffen steht, setzte sie lächelnd hinzu, wird sie nicht gerade Anna Dorset davon ausschliessen, und so darf ich wohl auf Deine Gegenwart unter all den lieben hiesigen Gästen am ersten rechnen, und verdiene mir hoffentlich mit dieser Nachricht ein sehr freundliches Gesicht von meinem lieben Enkel. – Der junge Herzog fühlte sich wie durch tausend Schmerzen aus dem süssesten Traume seines Lebens zu einem Dasein erweckt, das ihn mit Erstaunen und Verwirrung zu Verhältnissen zurückführte, welche ihm gänzlich aus den Gedanken verschwunden zu sein schienen.
Wir wollen nicht untersuchen, wodurch er in der letzten Zeit zu der überzeugung gelangt war, Anna Dorset sei ihm so fremd, wie jede andere Dame des Königreichs. Zwar war er von den Unterhandlungen beider Familien unterrichtet, hatte sich auch nie mit einem Worte dagegen erklärt, ja, er schien sie bestätigt zu haben, durch den Beifall, den er der Lady Anna erteilte, und der ihm vielleicht früher ganz hinreichend erschienen war, um sie seine Braut zu nennen. Jetzt aber war dies verhältnis weit zurückgetreten, und die Kenntniss des wahren Gefühls der Liebe, das ihm Worte eingab, die Anna Dorset nie von ihm gehört hatte, überredete ihn, so oft er gemahnt ward, dessen zu gedenken, dass er nie Hoffnungen erregt habe, die er als rechtlicher Mann genötigt sei zu erfüllen, und die sehnsucht, sich den zärtlichen Empfindungen seiner Brust gegenüber frei zu sehen, überredete ihn, es zu sein. Was hätte die eigentümliche Logik der Liebe, die den Anfang ihrer Folgerungen immer in dem Gefühle selbst findet, nicht fertig gebracht, selbst in noch verwickelteren Fällen, als der vorliegende! Auch war er nach einem Augenblicke völlig gerüstet und entschlossen, und es ist nicht unwahrscheinlich, anzunehmen, gerade das harte Nebeneinanderstellen der erwähnten Momente habe von seinem Entschlusse die letzte Unsicherheit abgestreift.
Meine teure Grossmutter, sprach er mit ernster Festigkeit, ist sicher immer überzeugt, die freundlichsten Empfindungen in ihrem Enkel zu erregen, und es bedarf dazu nie eines Nebenumstandes, wozu überdies die Gräfin Anna Dorset mir am wenigsten geeignet scheinen würde, da ich nicht wüsste, wie sie die Liebe teilen oder erhöhen könnte, die mich für Euch erfüllt.
Gewiss, lachte sorglos die alte Herzogin, verlangt sie selbst auch nicht darnach, eben die Gefühle, wie Du für die alte Grossmutter bewahrst, zu teilen; doch wirst Du ihr vielleicht ein anderes Plätzchen in Deinem Herzen einräumen können, mit dem sie besser zufrieden sein wird.
Ihr irret, teure Lady, erwiderte schnell der Herzog. Anna Dorset ist ein edles, achtungswertes Mädchen, doch in meinem Herzen kann und wird sie nur den Platz einer ehrenden Anerkennung einnehmen; ich kenne kein verhältnis, was mich anders oder näher zu ihr stellte.
Verzeih'! sagte die alte Lady, jetzt ernster werdend, dass ich mich habe von meiner guten Laune hinreissen lassen, Dich mit Verhältnissen zu necken, bei deren Behandlung Du mich mit Deinem Zartgefühl weit übertriffst; Du musst der alten Grossmutter schon etwas zu gut halten, und bist doch wohl ein gutes Kind und besuchst mich in Burtonhall, wo ich mich dann besser betragen will.
Der Herzog sprang auf, die gütige Hand zu küssen, die sie ihm mit einem Engelslächeln darbot, und gern hätte er jetzt gleich vor ihr das Knie gebeugt und sein Herz erleichtert durch das feurige Bekenntniss seiner Liebe; aber er hatte noch kein Recht dazu, denn das ersehnte Wort war von den Lippen der Geliebten noch nicht gedrungen. Er wendete daher seine Blicke mit dem ganzen Verlangen einer endlichen Entscheidung auf die junge Gräfin, die mit so unschuldig klaren, fast kindlich neugierigen Augen in diese Scene schaute, dass wohl für den unbefangenen Beobachter kein Zweifel blieb, wie wenig sie sich in dieselbe verflochten wähnte, und wie sie das ruhig kühle Herz noch unentzündet in sich trug. Er nahm seinen Platz neben ihr ein. Doch Graf Archimbald sagte, sichtlich erheitert, indem er seine Briefe zusammen legte: Wir dürfen Richmond erwarten; gleich nach der Rückkehr des Prinzen aus Spanien wird er zu uns eilen, und jene erwartete man bei Abgang dieses Briefes schon binnen zwei Tagen. Gott Lob, sprach die Herzogin aus tiefer Brust und von der Erstarrung sich erholend, worein die vorangegangenen Vorfälle sie versetzt hatten; so wird mir Trost und Freude kommen.
So auffallend