1836_Paalzow_083_68.txt

sich uns angegeben hat. – Dies wird leicht geschehen können, wenn Euer Durchlaucht darein willigen, wiederholte Graf Archimbald mit der grössten Geduld das oft Gesagte, denn da Master Brixton eine Caplanei in Edinburg übernommen, wie das fräulein angiebt, wird durch den Bischof von Lincoln, der mir befreundet, mein Brief leicht in seine hände kommen, und ohne ferneres aufsehen die Antwort zu uns zurückkehren. –

So sei es denn, sagte die Herzogin gedehnt und mit vieler Ueberwindung, doch wünsche ich, dass Ihr es so geräuschlos, wie möglich, einrichten wollt. Es scheint mir, als könnten die Anfragen vorzüglich so gestellt werden, dass der Aufentalt derjenigen, die sie betreffen, nicht genannt, und hauptsächlich, dass jede Art von gerichtlicher Einmischung vermieden würde. –

Ich will nicht weiter widersprechen, sagte Graf Archimbald, doch wäre dies vielleicht der sicherste Weg, sich schnellen Aufschluss zu verschaffen.

Aber, sprach die Herzogin, es würde gerade das herbeiführen, was ich aus vielen Gründen vermieden wünsche. Es scheint mir auch, als läge es ziemlich ausser unserer Machtvollkommenheit. Die Fügung des himmels hat sie einstweilen unter unsern Schutz gestellt, wir haben unsere Pflicht und unser Recht erfüllt, wenn wir die Verwandten ihr auszuforschen suchen, die sie zu haben vorgiebt. An diesen wird es dann sein, ihre übrigen Rechte wahrzunehmen; die unsern erstrecken sich erst dann so weit, wenn sie unserer hülfe überlassen bleiben sollte.

Die alte Herzogin lächelte diesen Worten, welche bei weitem das Folgerechteste ihrer Aeusserungen dieses Morgens waren, ihren Beifall zu, und es schien, als habe die Herzogin sich mit denselben aus ihrer Unentschlossenheit herausgesprochen.

Graf Archimbald hatte noch immer das Lächeln um den Mund, welches andeutete, er habe noch etwas im Rückhalt. Er fügte auch bald hinzu, dass es doch nicht unwichtig sei, wenn man einmal den in der Erzählung angeführten Tatsachen folgen wolle, über den letzten Aufentalt des Fräuleins Erkundigungen einzuziehen, auch könne dies eigentlich nicht schwer sein. Durch die Angabe der Zeit, die das fräulein auf dem Wege zugebracht, lasse sich einigermassen die Entfernung bestimmen. Fehle auch die Richtung, so sei doch abzunehmen, dass er von der Küste entfernt, ungefähr drei Tagereisen von Cumberland, etwas weiter als eine Tagereise von der Heerstrasse nach London liegen müsse. Bis zum Waldhäuschen habe das fräulein, zu Pferde und nach Mitternacht das Schloss verlassend, diesen Rest der Nacht und den folgenden Tag im strengsten Ritte gebraucht. Dahin zurückgeführt, habe sie, wie aus dem nur unvollständigen Bericht sich annehmen lasse, zwei Nächte und zwei Tage zugebracht, und zwar zu Fuss und äusserst erschöpft. Am dritten Tage aber sei sie, wie es scheine, schon Morgens am Forste des hiesigen Parkes erwacht, da es nicht wahrscheinlich sei, dass sie in dem Zustande von Bewusstlosigkeit, den sie geschildert, noch einen weiteren Weg habe machen können, als etwa durch diesen zunächst liegenden Wald bis zur Terrasse, welches auch eher denkbar sei, da leicht zu erkennende breite Wege bis dahin durch ihn hinführten.

Fangen wir nicht zu viel auf einmal an, unterbrach ihn die Herzogin mit sichtlicher Unruhe. Ich habe ihr namentlich versprochen, sie zu schützen gegen ihren wütenden Oheim, wer weiss nun, wen wir bei diesen Entdeckungen mit aufscheuchten, und ehe wir den Beschützer entdeckt, auf den sie hofft, hätten wir dann nicht einmal das Recht, sie dem mann zu verweigern, der so wild in ihr Leben griff, und bei dessen Andenken sie das höchste Entsetzen befällt.

Wir wollen nicht untersuchen, wie lange Graf Archimbald das Beschneiden und Zurückweisen aller seiner Aeusserungen von einer Frau ertragen hätte, mit der er gern zu gleichen Waffen kämpfte, hätte nicht die alte Lady sanft das Wort genommen, bemüht, die nächsten nötigen Schritte, unter dem Wust von Für und Wider, Verwerfen und Annehmen, hervorzuziehen und zur allgemeinen klarheit zu bringen. Uebrigens ward eingesehen, dass man das fräulein davon unterrichten müsse, es lebe kein Graf von Marr am hof, zweitens wollte man es ihr freistellen, einen Einschlussbrief an Master Brixton zu schreiben, und ihr diesen beabsichtigten Entschluss als den zunächst nötigen darzustellen suchen.

Die alte Lady erbat es sich, am andern Tage ihr diese Mitteilungen machen zu dürfen. Denn, setzte sie liebreich hinzu, meine liebe Tochter hat schon zu viel allein in dieser Sache übernehmen müssen, und wohl mag sie der alten Mutter auch ein kleines Verdienst dabei gönnen. Ich werde meine Sachen schon ordentlich machen, fuhr sie lächelnd fort, bemüht, der allzu ernst gewordenen Unterredung ein milderes Ende zu geben.

Die Herzogin schien sehr willig, ja erleichtert bei diesem Vorschlag, und Graf Archimbald übernahm es; dem jungen Herzog das Wichtigste mitzuteilen, um seinem Eifer Grenzen zu setzen und ihn zu bewegen, das fernere Verfahren dem Grafen und den beiden Damen zu überlassen.

Man trennte sich in leidlicher Stimmung, und Graf Archimbald führte die Herzogin nach ihren Zimmern, in denen sie eingeschlossen bis zur Tafel blieb, bloss von Mistress Morton umgeben, deren leises wohltätiges Walten uns bekannt ist. Wer sich damit begnügte, die Personen zu zählen, die Stunden des Beisammenseins oder der Geschäfte zu beobachten, musste behaupten, es sei nach einigen Wochen auf Godwie-Castle noch Alles in eben dem gleichmässigen Gange, wie wir es an jenem Morgen unserer letzten Mitteilung verliessen. Die schickliche Form, in welcher sich seit langer Zeit zu bewegen, eine Familie gewöhnt ist, ist ein wohltätiger Damm gegen die