1836_Paalzow_083_64.txt

Dahin begaben sich auch die drei älteren Personen, da die jüngere Herzogin um erlaubnis gebeten hatte, ihrer Schwiegermutter und ihrem Schwager die geschichte der Gräfin Melville mitteilen zu dürfen.

Kaum hatte man den Altan erreicht, als die fröhliche Cavalcade um die Wälle des Kastells herum kam und sich in der freiesten Bewegung in dem lieblichen Tale ausbreitete, welches mit seinem grünen Wiesengrunde den leichten Hufschlag der Pferde elastisch wieder zu geben schien.

Arabella war eine geschickte Reiterin, sie sass mit Ruhe und Festigkeit im Sattel, und wusste ihr schönes, frommes Pferd mit leichter Hand in jede ihr gefällige Richtung zu lenken. Sie sah schön aus, wenn ihr blühendes Antlitz unter den dunkeln Locken vorblickte und die jugendliche Gestalt sich leicht im Sattel trug. Auch liebte sie voraus zu reiten, und ihr Stallmeister, der, stolz auf seine Schülerin, ihr gern zur Seite blieb, durfte ihr Künste vormachen, die sie geschickt nachzumachen wusste. Man gewahrte sie auch jetzt beide zuerst um den Vorsprung der Mauer biegen; sie machte mit ihrem Pferde die Ehrenbezeugungen nach dem Altan hinauf und flog dann wie ein abgeschossener Pfeil in den Talgrund.

Der Herzog hatte der Gräfin Melville die Wahl gelassen zwischen drei gleich schönen Pferden. Aber wie hätte sie, die Kennerin, unter ihnen das weissgeborne zarte Rösslein mit dem hohen schlanken Halse und den feinen Beinchen sehen können, und nicht mit Entzücken seinen Zügel ergreifen sollen. Es schnaubte sie an und warf den Hals königlich zurück, und die rosenroten Nüstern und das volle, schäumende Gebiss, die zuckenden rötlichen Oehrchen und die hellen braunen Augen, womit es klug und treu die Gräfin anblickte, waren für die Bewunderin dieser herrlichen Tiere eben so viele Reize, an denen sie sich erfreute. Als die eben so geröteten Hufe wie auf glühendem Boden sich spielend ablösten, nirgends mehr Ruhe habend, strich sie mit den zarten Händen die feinen, aus den Flechten gekämmten Mähnen zurück, und ehe der Herzog hinzueilen konnte, den Steigbügel zu halten, flog sie leicht, ohne Sprung oder heftige Bewegung, als ob eine Feder den Boden unter ihrem fuss leicht gehoben, in den Sattel, hatte eben so den Zügel besonnen gefasst und belohnte mit einem Ausruf der Freude den Bogensprung des lebhaften Tieres.

Die sind einander wert, sagte der alte Stallmeister des Herzogs, ihr wohlgefällig nachsehend, indem er ihm sein Lieblingspferd zuführte, jedes in seiner Art ein Meisterstück! Meinst Du? lächelte entzückt der junge Herzog, und schon flog er dem leichtfüssigen Schimmel nach, welcher, der geschickten Hand sich bewusst, ein Muster war an Mut und leichter Bewegung, an Gehorsam und Beobachtung des leisesten Winkes. Als sie nun beide schnell hinter einander um den Vorsprung bogen, empfing sie Luciens Freudengeschrei, die an ihrer geliebten Lady Maria mit ganzer Seele hing. Die Gräfin hielt sogleich den stürmenden Galopp ihres Pferdes an und liess es zierlichen Schrittes unter dem Altan dahin tanzen, indess sie das schöne Antlitz, von unschuldiger Freude belebt, empor hob und ihnen ihre Grüsse zurief.

Dann eilten sie fröhlich, Arabella einzuholen, die ihnen jedoch umkehrend entgegen flog, und so bildete sich der kleine Zug, an den sich Master Corby, Stanloff, der Stallmeister des Herzogs und einige Diener anschlossen. Die Zurückgebliebenen konnten sich von dem reizenden Anblick nicht trennen. Der Morgenwind hob die wallenden Federn auf den Barets, in der reinen Luft zeigten sich die Umrisse der feinen Gestalten; Anmut und Heiterkeit schien über Alle verbreitet, und der etwas schwere Nachtrab verdarb diesen Eindruck nicht, den die drei Voreilenden erregten.

Man schien ohne Verabredung auf dem Altan bleiben zu wollen, bis die Hügelreihe von Cheffield die Reitenden dem Nachblicke entziehen würde, als die Herzogin einen kurzen Schrei ausstiess, unwillkürlich eine heftige Bewegung gegen die Brüstung des Altans machte und dann schnell versuchte, Gaston zurück zu rufen, der die ferne Stallhütte bei dem Geräusch der Abreitenden gesprengt hatte und jetzt zum Nachsetzen mit wilder Hast sich auslegte, fast mit seinem leib den Boden berührend. Der Ruf der Herzogin ging zwar nicht ganz verloren, und Luciens kleine stimme unterstützte ihn mächtig, doch Gaston stutzte wohl einen Augenblick, sah nach dem Altan hinauf und äusserte seine Freude durch einige ungeschickte Sprünge; als er aber einsah, er solle bleiben, stiess er eine Art Jammergeschrei aus, blickte hinauf, als bäte er um Gnade, und stürzte im selben Augenblick mit verdoppelter Schnelligkeit den Reitenden nach. Die Herzogin hielt den Atem an und die Augen auf die Scene vor ihr gewendet, denn nur zu bald hatte er den Hintertrab durchbrochen, und im selben Augenblick sprang er an dem Pferde der Gräfin Melville hoch in die Höhe, sie selbst, wie es schien, umarmen wollend. Doch das Pferd der Gräfin, nicht wenig erschreckt, machte einen Satz vorwärts in die Luft, so dass es der ganzen Geistesgegenwart der Gräfin bedurfte, um nicht aus dem Sattel zu fliegen. Der zweite Schrei, den hier die Herzogin vernehmen liess, motivirte schnell den ersten. Das wilde Tier! rief sie, ich fürchtete gleich Unglück von seinem Ungestüm. Gaston fuhr indessen, nachdem er seinen Herrn und Arabella gleichfalls begrüsst hatte, immer fort, der Gräfin alle möglichen Liebkosungen zu machen, und Graf Archimbald bemerkte in einigen Worten gegen seine Schwägerin diese auffallende Freude an einer Fremden. Die Herzogin musste nun antworten, und vielleicht fühlte sie, dass die ängstlichen Zweifel der Gräfin über diesen Gegenstand nicht ohne Grund waren; denn sie selbst konnte nur mit der höchsten Ueberwindung und abgewendetem