den diese ganze Scene bis auf die letzten Worte des Herzogs, auf die Anwesenden hervorbrachte.
Die junge Gräfin wandte sich von der untergehenden Hoffnung in dem Grafen, der neu erweckten in des Herzogs tätigen Verheissungen zu, und wer hätte auch nicht aus dem aufrichtigen, zuverlässigen Ausdruck dieses Gesichts Hoffnung schöpfen wollen! Die Gräfin selbst, so hingebend und empfänglich gebildet, fühlte sogleich ein fröhliches Vertrauen zu ihm aufleben, und ihr schönes Auge dankte ihm, noch ehe die holden Lippen es vermochten:
Ihr seid so grossmütig, so mitleidig mit meiner kindischen Unschuld! Er wird ja ebenso, wie ich, sich bestreben, mich zu suchen. Ich könnte es erwarten, aber viel freudiger wird mir doch sein, wollt Ihr gütig tun, wie Ihr so eben sagtet; dann wird sich leichter und schneller dies ersehnte Wiederfinden treffen, und ich werde Euch viel danken, ach, unendlich viel, setzte sie innig hinzu, unendlich viel, wie diesem ganzen haus! –
Dessenohngeachtet, sagte die jüngere Herzogin, möchte ich bitten, die Sendung, die Du zu machen denkst, noch so lange aufzuhalten, bis dass ich die mir mitgeteilte höchst anziehende geschichte unserer jungen Freundin dem Grafen Archimbald, ihrer erlaubnis gemäss, mitgeteilt haben werde; denn es wird dann, denke ich, die Art, wie die Nachfragen nach den Verwandten der Gräfin einzuleiten sind, besser sich bestimmen lassen.
Mit diesem Ausspruch schien Niemand zufriedener, als Graf Archimbald, welcher lebhaft darein einstimmte. Unverkennbar war dagegen ein leichter Anflug von Erstaunen in den Zügen der jungen Gräfin, welches zu sagen schien, was es noch einer besonderen Art der Nachfrage bedürfe, wo der Weg so einfach vor Augen liege; und der junge Herzog, dem dies in der gespannten Aufmerksamkeit, mit der er sie betrachtete, nicht entging, fühlte sich eben nicht dadurch zu einer unbedingten Beistimmung veranlasst.
Wenn die Gräfin Melville gern und ohne Zwang in diese Zögerung willigt, sagte er ernst, aber ehrerbietig gegen die Herzogin geneigt, wird Euer Wille, wie immer, mir Befehl sein; doch bitte ich Euch, tut Euerm Herzen nicht Zwang an, sagt ein Wort, und ich eile in dieser Stunde noch, Boten nach London abzusenden.
Nein, Nein! Mylord, seid nicht so rasch, rief hier die Gräfin, denn ihr kluges Auge hatte schnell den stolzen blick der Herzogin aufgefasst, der der kleinste Widerstand zur Kränkung ward. Nie möchte ich gegen den Willen Eurer verehrten Mutter handeln wollen. Wie kann ich übersehn, was sie in ihrer weisen Güte als Recht erkennt? Nein, Mylady, bestimmt es selbst, wann dieser Schritt geschehen soll, ich will nicht mit kindischer Ungeduld Euch lästig werden, und Euch vertrauen, lieber und ruhiger, als mir selbst.
Diese Worte, so wahr und rein aus dem inneren kommend, gingen wie ein Engelgruss von Herz zu Herzen. Der ernste Anflug, den die Erwähnung so wichtiger Umstände hervorgerufen, schien von ihr, die ihn veranlasst hatte, ebenso wieder gebannt zu werden. Die alte Herzogin half stets eine freie und ruhige Stimmung begünstigen, die jüngere Herzogin war versöhnt und suchte ihre innere Unruhe zu bekämpfen. Graf Archimbald mischte sich um so schneller in das Spiel leichter Worte und Scherze, als er alle Gefühlsscenen gern vermied, und die bescheiden zurückgezogenen Töchter und Damen des Hauses fühlten sich zur willkommenen Teilnahme angeregt; nur der junge Herzog war verändert, und seine ganze Fähigkeit schien in ein tiefes Anschauen der Gräfin Melville aufgelöst. Aber auch er widerstand dem Zauber nicht, den sie über Alle übte. Sein Interesse weiblich zart erratend, sah sie darin nur eine willkommene Veranlassung, gütig den zu behandeln, der sich ihr teilnehmend gezeigt. Unschuldig begegnete sie seinem Blicke, fragte das Wort so oft ihm ab, dass er, selbst endlich redend, heiter zum seligsten Gefühle seines erhöhten Selbstes kam, und nun in einer Belebung der Gedanken und Gefühle dahin wogte, dass er wieder Allen, die ihn kannten, verändert erschien, nur der jungen Gräfin nicht, die ihn recht lieb haben musste und sich recht froh gestand, wie gut doch Alle waren, die dies Haus umschloss. Die Gesellschaft nahm am andern Morgen in der schönen mittleren Halle, von der Lieblichkeit des Tages angelächelt, das Frühstück ein, das in ungezwungeneren Formen, als die Mittagstafel, den Damen kleine Geschäfte, den Herren gelegenheit zu tausend höflichen Dienstleistungen verschaffte, die nicht durch Vorschneider und Mundschenk besorgt werden durften, wie es die Etikette der Tafel verlangte. Man sass, weil man wollte, man schlüpfte von einem zum Andern, es war erlaubt, und die ungezwungene Laune waltete mit der leichtern Form lieblich über Allen.
Die in der Haus-Livree, nicht in Gala, die erst zu Mittag eintritt, versammelten Diener sind um diese Zeit, von den Stühlen entfernt, zu der Bedienung des Schenktisches versammelt, oder paradiren in stummer Aufmerksamkeit, bis ein Pfeifchen, ein Wink, ein Ruf von der Tafel herschallt, der ihre hülfe begehrt. Jeder kennt den ihm eigen zugehörigen Dienst, und kein unruhiges Sausen der sich überrennenden Diener stört die freie Bewegung der Herrschaften und ihre heiter waltende Laune. Die Dienste, welche diese sich leisten und dadurch in das Amt der Diener eingreifen, werden auch für diese Klasse der Anwesenden eine unendliche Quelle scherzhafter und launiger Bemerkungen und Beobachtungen. Was beim Frühstück geschah, wird für sie oft die Veranlassung fröhlicher gespräche für den übrigen teil des Tages, wo die Schlossbedienten