, welche ihr der Anblick eines von den Ihrigen gekannten und geachteten Mannes erregte, und die trostlose Trennung von all diesen Lieben, und das Gefühl der Güte, des Schutzes, des Wertes ihrer neuen Umgebungen, machte sie vielleicht nur desto weicher.
Es gibt ein unendliches Weh des Herzens, das sich von einem grossen und bestimmten Kummer dadurch unterscheidet, dass es zusammengesetzt ist aus einer Mischung von Leid und Freude, die das klagende Wort vergeblich auszudrücken strebt, deren Süssigkeit wir mit dem Tau unserer Tränen netzen, die Gott uns eben für dieses halbverstandene Gefühl des Herzens verliehen zu haben scheint.
So fühlte sich die junge Gräfin, aus so grossem Elend errettet, unter die edelsten Menschen versetzt, ihres Wohlwollens gewiss. Welch ein Glück! Welch' eine dankbare Verpflichtung gegen Gottes Güte! Und doch getrennt von Allem, was ihr Herz bis jetzt Glück genannt hatte, von einer Unsicherheit, einer Einsamkeit ihrer Lage überfallen, von der die Ahnung früher sie nicht hatte berühren können – welch' eine Fülle von Schmerz zugleich!
Unser Geist besitzt oft eine wunderbare Schnelligkeit, uns Alles im selbigen Momente vorzuführen, was unser Leben ferner oder näher bewegte. über die saiten in unserer Brust streift die Gedankenflut daher, sie alle berührend, des erregten Chaos spottend, welches dann in ihrer Tiefe aufgährt. Wie von körperlichem Schmerze, so dehnte sich das junge Herz in dieser bangen Qual, als der Graf von Glanford, nach den Trigen liebreich forschend, sie um die Namen seiner unbekannten Freunde fragte. Sie hob das Auge, welches redender, als ihr im Schmerz geschlossener Mund, zu ihm sich wandte, doch bald in grosse Tropfen sich verhüllte, die bebend auf ihre heisse Wange sich entluden und stets von Neuem aus der Fülle des gepressten Herzens sich ersetzten. Es war etwas Unaussprechliches in der Teilnahme, womit man dies bezaubernde Antlitz bis zum Schmerze getrübt sah, um so mehr, da man es einen Augenblick früher in seiner ursprünglichen freien Schönheit und klarheit geschaut hatte. Graf Glanford war dazu bestimmt, zum zweiten Male verlegen zu werden; denn er sah sich als die unschuldige Ursache ihrer aufgeregten Wehmut an, und war doch wenig darauf eingerichtet, in diesen zarten Keimen des Gefühls sich zurecht zu finden, und doch zugleich wie dazu aufgefordert, sich hier vermittelnd zu erweisen.
Gewiss wären ihm die Damen, die ihre Teilnahme nicht länger zurück halten wollten, zu hülfe gekommen, hätte nicht der klare und starke Verstand des liebenswürdigen Mädchens sich selbst die hülfe verschafft, die ihrem überwallenden Gefühle das Maass zu geben geneigt war.
Zürnet mir nicht, Mylord, sagte sie und brach mit Gewalt die schönen Lippen zum bittenden Lächeln, während sie die heissen Tropfen in ihren Augen erdrückte, ich bin fremd und neu in der Fülle der Traurigkeit, in die mich Gottes Wille geführt hat; aber meine teuern Erzieher sollen nicht vergeblich in sorge und Liebe sich um mich bemüht haben, ich will stark werden auch im Unglück. Vergebt mir, ich ward jetzt überwältigt, weil meine Gedanken an Allen hinglitten, die ich geliebt und verloren habe. Aber, fuhr sie völlig gesammelt und mit einem rührenden Eifer fort, ich war undankbar, so viel Schmerz zu empfinden, wo ich auf's Neue nur Ursache zu danken hatte, da ich in Euch, Mylord, eine hochverehrte und von den Meinigen gekannte person fand. Ihr werdet den Grafen von Marr, meinen teuern Oheim, kennen, Ihr werdet ihn zu mir führen; Ihr sahet ihn vielleicht jetzt, denn Ihr kommt ja aus London, Ihr musstet ihn sehen, denn er lebt im Gefolge des Königs.
Sie hatte diese Worte mit Hast gesprochen, während ihre Augen immer mehr vom Glanze der steigenden Hoffnung sich belebten, und jetzt zur Gewissheit einer schnellen Nachricht von dem teuern Oheime gelangt, hing ihr blick mit freudiger Erwartung am mund des Grafen. Aber es stand nicht in seiner Macht, diese ersehnte Auskunft zu geben, ja, er verbarg nur mit Mühe sein Erstaunen über einen Namen, den er allerdings unter dem schottischen Adel als angesehen kannte, den er aber am hof des Königs nie unter denen hatte nennen hören, die ihn dort umgaben; viel weniger noch war eine solche person ihm selbst bekannt.
Mein Aufentalt in London, Mylady, sagte der Graf mit aller Schonung, welche das ungeduldige Verlangen der Fragenden ihm auferlegte, war in dieser Zeit nur kurz und wenig um die person unsers gnädigen Königs. Seine Gesundheit beschränkte ihn auf das fast nur augenblickliche erscheinen bei höchst nötigen Feierlichkeiten; er blieb sonst auf seine inneren Gemächer und seine gewohntesten Umgebungen beschränkt, und da ich – wie meine Schwägerin vielleicht schon die Güte hatte Euch zu erwähnen – früher meinen Aufentalt in Deutschland nahm, so konnte leicht mir unbekannt bleiben, dass der Graf von Marr sich am hof befindet. Ich kann Euch also leider für diesen Augenblick keine erwünschte Auskunft geben.
Aber, fiel hier der junge Herzog mit Ungeduld und dem Verlangen, zu dienen, ein, Euer Wunsch soll auf das Schnellste in Erfüllung gehen. Ich eile meinem Bruder Richmond Eure Befehle zu übergeben, er lebt durch meinen Grossoheim in unmittelbarer Berührung mit der person des Königs, er wird so glücklich sein, Euern Oheim aufzusuchen, und ihn von dem Aufentalt benachrichtigen, den Ihr hier anzunehmen uns würdigt. Habt die Gnade, unterrichtet mich, ob Ihr noch weitere Mitteilungen zu machen habt, bestimmt, wann ich den Boten absenden soll.
Sehr verschieden war der Eindruck,