sie nicht durch ihre Vorzüge herbeigeführt wähnen, aber dennoch von dem Wohlwollen sich gehoben und erfreut fühlen, das ihnen entgegentritt. Es ist dies einer der schönen Genüsse jenes Alters, wo wir weder Auszeichnung erwarten, noch verlangen, und was uns davon gewährt wird, mit grossmütigem Entusiasmus dem Ideale zurechnen, welches wir uns von den brüderlichen Liebesbanden der menschlichen Gesellschaft entwarfen, – glückliche Träume! welche uns noch frei und lebendig in unserer eigenen Gestalt mit fröhlichem Vertrauen hervortreten lassen, während wir später oft nur den Wunsch behalten, durch gänzliche Unbemerkteit so wohl dem Lobe, als der Verfolgung zu entgehen.
Die Gräfin Melville fühlte in dem Kreise, in den sie trat, und aus den auf sie gerichteten Augen etwas ihr entgegen dringen, das ihre Seele mit Vertrauen und der unschuldigen Heiterkeit erfüllte, deren Ursache wir eben erwähnten. Er belebte ihre Züge und zog den feinen Anfang eines süssen Lächelns um ihren Mund, während sie leicht vorglitt und die kindliche Bewegung machte, der jüngern Herzogin die vorgestreckte Hand zu küssen, welches diese jedoch lebhaft verweigerte. Haben wir Euch wieder? sagte sie dabei sehr freundlich, ich sehe, Lucie hat das Sicherste erwählt, sie hielt Euch fest und tat Pagendienste, dass Ihr uns nicht wieder entfliehen konntet.
Weigerte sie sich denn, zu uns zurück zu kehren? sagte die alte Herzogin und küsste das liebliche Mädchen auf die Stirn, während sie einen Augenblick vor ihr auf den Fussschemel sich neigte; dann soll sie zur Strafe neben uns sitzen und mir Seide zupfen helfen.
Ich möchte gefehlt haben, um dieser Strafe nicht zu entgehen, sagte heiter und mit holdem Lächeln die Gräfin, machte mich der Fehler nicht der lieben Strafe unwert. Doch lieber sag' ich, dass Arabella und Lucie meiner sehnsucht zu hülfe kamen; es war mir so bang und traurig dort oben allein, und mich verlangte die Freude zu sehen, die ich hier nun verbreitet wusste. – Hier streifte ihr helles Auge den jungen Herzog, der immer noch unbeweglich hinter seiner Mutter stand und den blick vergeblich von einem gegenstand zu wenden suchte, der seine jugendliche Phantasie mit allen ihren Träumen überflügelte. Von dem Ausdrucke betroffen, womit der Herzog sie anblickte, wandte sie ihre Augen schnell, um sie einen Augenblick auf dem Grafen Archimbald ruhen zu lassen.
Erlaubt, Lady Melville, dass ich Euch meinen Sohn, den Herzog von Nottingham, vorstelle, sagte jetzt die jüngere Herzogin, er freut sich, den Schutz zu bestätigen, den ich so glücklich war Euch zu gewähren. Mylord, sagte die Gräfin, als der Herzog zu antworten zögerte, und neigte sanft ihr schönes Haupt, ich bitte Gott, dass er Euch segnen wolle in diesem ehrwürdigen haus, und danke Euch, dass Ihr mir den Schutz nicht entziehen möget, den Eure erhabene Mutter mir so grossmütig gewährte.
Die Gräfin Melville, hob jetzt der junge Herzog mit einer von Gefühl überfüllten stimme an, ist nicht in dem Falle, um Schutz bitten zu müssen; wo sie sich zeigt, wird sie über das zu gebieten haben, was Jeder zu leisten vermag. Ihre Gegenwart ist eine Gunst des Schicksals, die zu verlängern der einzige Wunsch bleiben möchte. – Er hatte sich ihr bei diesen Worten mit einer Ehrerbietung genähert, die auf seinem glühenden Gesicht einen Ausdruck hervorrief, der seine Worte noch verbindlicher machte. Seine Mutter fühlte sich unwillkürlich geneigt, ihn zu unterbrechen, und eilte, ihr den Grafen von Glanford, ihren Schwager vorzustellen. Beide Herren schienen, obwohl in sehr verschiedenem verhältnis, doch jeder in seiner Art, der Schönheit ihren Tribut zahlen zu müssen. Graf Archimbald wusste nämlich für den ersten Augenblick sich nicht mit seiner gewöhnlichen Politur in einigen Worten auszudrücken, sondern schien, zerstreut und abgezogen, und doch ganz mit der Gräfin beschäftigt, kaum einige Ausdrücke der Höflichkeit finden zu können. Nicht so die Gräfin, welche von einem angenehmen Erstaunen ergriffen, sogleich ausrief:
Graf Archimbald Glanford, Ihr seid der berühmte Graf Glanford, der Freund des Prinzen Heinrich von Wales! Wie glücklich macht es mich, Euch kennen zu lernen! O Mylord, wie oft hörte ich von Euch erzählen, wie wurdet Ihr geliebt von meinem Oheim, meiner teuern Tante! Wie lange verehrte ich Euch schon vor diesem Augenblicke! – Sie hatte mit einer Lebhaftigkeit gesprochen, von welcher sie jetzt selbst überrascht schien, und die Furcht, zu dreist hervorgetreten zu sein, übergoss ihr Gesicht mit Purpur und senkte ihr Auge mit wachsender Verlegenheit zur Erde. Doch der Graf war durch diese verständlichen Zeichen und die schmeichelhafte Beziehung, die darin für ihn lag, angenehm zu sich selber gekommen und eilte mit seiner ganzen Gewandteit, ihr zu hülfe zu kommen.
Er führte sie, höchst verbindliche Dinge sprechend, zu ihrem Sessel, und die Art von Vergnügen, welches er über ihre Mitteilung auszudrücken versuchte, beruhigte leicht das erschrockene fräulein, welche nun die Augen mit Vertrauen und mit der holden Klugheit einer jugendlichen Beobachtung auf sein unschönes Antlitz wandte, und vielleicht nicht ganz ohne Erstaunen die sehr gewöhnliche Bildung des berühmten Mannes erkannte. Doch war, was wir mit dem Worte gute Erziehung bezeichnen, bei ihr Bildung des Herzens und des Verstandes geworden. Sie unterdrückte daher nicht allein das wenig befriedigende Resultat ihrer Beobachtung, sondern ihr edles Gefühl milderte selbst gleich im Entstehen eine Regung der Art, weil sie die unsichtbare Schönheit der Seele verehren und die zufällige Hülle vergessen gelernt hatte. Auch bestürmten zugleich ihre Brust die vereinten Gefühle