uns himmlischer zurück, als diese Muster höchster Kraft und Tugend? Lohnte ihnen denn auf ihrem Wege der irdische Erfolg? Glichen sie nicht alle, von dem Höchsten an, dem Säemann, der lang vor der Ernte dem feld entrückt ward, das er in dürrer Zeit, den jungen Keim zu nähren, mit seinem eignen Blute sanft beträufte? War die Geduld, mit der sie schieden, nicht dieser höhere Aufschwung ihrer Seelen, war sie nicht Kraft? –
Sie war es, teure Mutter! Nie habe ich dies verkannt, und doch ist mir die Anwendung für unser kleines Leben, ich gestehe es Dir, nie ganz so klar geworden. Es ist mir, als müsste ich die Bedeutung, die heute mich davon durchdrungen, in alle Welt verkündigen, dass Keiner länger wähne, er sei in Kraft, wenn er dem Leben grolle, das von seinem eitlen Streben ihn verwiesen und eine Bahn ihn führt, die minder den stolzen Träumen genügt, die er sich selbst erschuf. –
Der ist der Schwache, liebes Kind, der unablässig dem Phantome seiner Eitelkeit nachschleicht, der daran selbst sich zehrt, in ewig unbefriedigter Empfindung, und dem Individuum hassend aufzubürden strebt, was seine eigne Schwäche ihm geboren. Doch lass mich ein Ziel finden, habe ich nicht zu lange in diesem unbequemen Lehnstuhl Dich gefesselt bei Deinen Leiden. –
Glaube das nicht, geliebte Mutter! Ein Engel führte meine wankenden Schritte zu Dir, immer ist Deine liebe Nähe der Balsam für mein Herz, doch heute haben Deine Worte mich erhoben, Du weisst nicht wie, und wie just zur rechten Zeit! –
Gelobt sei Gott! sagte die alte Lady und küsste der scheidenden Herzogin die Stirn, wir müssen stets mit Rührung und mit Dankbarkeit es hören, wenn Gott sich unserer bedient, denen wohlzutun, die er liebt. Als die Damen sich bei der Mittagstafel wieder fanden, zeigte die Herzogin ihrer Schwiegermutter an, dass sie Briefe aus London von Lord Archimbald und ihren Söhnen habe, und dass sie in einigen Tagen schon ihren Schwager und den jungen Herzog zurück erwarten dürfe. Ihre Töchter und Mistress Dedington und Carby forderte sie dagegen auf, den Nachmittag der fremden Lady einen Besuch zu machen. Lucie schlug entzückt in die hände, und es war seit lange wieder das erste heitere Mittagsmahl; denn auch die nahe Ankunft des Oheims und Bruders schien auf die verschiedenen Hausgenossen nach Maassgabe ihrer Verhältnisse belebend zu wirken. Doch Luciens Vergnügen kannte keine Grenzen. Die fremde Lady, der Bruder, der Oheim, Alles reizte ihre natürliche gute Laune, und Ramsei und Pons und Ottwei und Jepson und andere ihrer Lieblinge mussten durch tausend kleine unschuldige Neckereien der Ableiter werden, bis sie die Füsschen zu ihren Sprüngen gebrauchen durfte. Mit einem Mal rief sie:
Liebe Mama, Du hast uns noch nicht gesagt, wie die fremde Lady heisst; wie sollen wir sie nennen? –
Darnach fragte ich nicht, mein Kind, denn es geziemt sich nicht, den, der unsern Schutz geniesst, mit fragen der Art zu belästigen. –
Aber warum sagte sie ihren Namen Dir nicht? fragte Lucie weiter. –
Ich wünschte nicht, dass sie Dinge spräche, die sie angriffen, da Doktor Stanloff sie geschont wissen wollte. – Lucie wollte eben weiter fragen, warum die Nennung ihres Namens angreifend sei, als die Herzogin nach einigen leisen Worten gegen ihre Schwiegermutter zugleich mit derselben sich erhob, mit dem Bemerken, sie wünsche, dass man sich beim Desert nicht stören lasse, welches ein Zeichen war, dass die beiden Damen allein sein wollten. Als die Herzogin ihre Schwiegermutter zum Kamin geführt hatte, nahm sie die empfangenen Briefe, und mit der ehrfurchtsvollen Aufmerksamkeit gegen ein Familienhaupt, als welches die alte Herzogin, trotz ihrer bescheidenen Zurückhaltung, immer in der Familie angesehen ward, zeigte sie ihr an, dass Lord Archimbald ihr einige Nachrichten gegeben habe, über die schon vor dem tod ihres Gemahl mit dem Grafen von Dorset angeknüpften Heiratsangelegenheiten zwischen ihrem Sohne Robert und der ältesten Tochter des Grafen, der Lady Anna Dorset. Beide hatten sich, auf der Reise des Herzogs nach Spanien, bereits in London kennen gelernt und, wie es schien, sich gefallen. Die Väter waren sehr erfreut, ihre Wünsche so in Erfüllung gehen zu sehen, und der Oberhofmeister Graf Dorset hatte den nunmehrigen jungen Herzog mit Auszeichnung empfangen, und den Grafen Archimbald und Salisbury alle dem verstorbenen Herzog geleisteten Versprechungen in Betreff der Vermählung wiederholt.
Mein Sohn jedoch, fuhr die Herzogin fort, hat es im gegenwärtigen Augenblicke unpassend gefunden, mit seinen Bewerbungen vorzutreten, und obwohl er in dem Familienkreise des Grafen Dorset erschienen ist und mit hoher Bewunderung von der jungen Lady spricht, ist doch seine Absicht darauf gerichtet gewesen, sich seiner Pflichten bei hof zu entledigen, um zu uns zurückzukehren. Graf Archimbald wird ihn begleiten, um ihn hier in den auf ihn harrenden Pflichten zu unterstützen; er hat aber dagegen einwilligen müssen, meinen Sohn Richmond für einige Wochen beim Grafen von Salisbury zurückzulassen, weil derselbe leidend, die Unterstützung einer zuverlässigen und ihm ergebenen person wünschte. Hier ist Richmonds liebenswürdiger Brief, und hier die Einlage vom Grafen Archimbald.
Ich kann Dir nur Glück wünschen, erwiderte die alte Herzogin, zu der Aussicht einer Vermählung, die ich nach meiner Bekanntschaft mit der Familie Dorset heilbringend hoffen darf. Der Graf hat noch eine jüngere Tochter, welche Olony heisst, und Beide, denke ich, konnten unter der Leitung einer solchen