etwas drükkend und würde mich freuen, sie auf eine Art erfüllen zu können, die sie bald zu ihren Angehörigen zurückführte. – Sie schwieg, und ein blick auf Stanloff sagte ihr, dass sie sein edles Gefühl gekränkt habe. Doch ich habe Euch mit meinen trüben Worten unterbrochen, setzte sie hinzu; es ist eine Torheit, zu erwarten, sich verstanden zu sehen, wenn Gefühle nach dem Maassstabe des Glückes, das sie uns allein im höchsten Maasse gewährten, auch einen Scherz erzeugen müssen, den kein Anderer teilen und begreifen kann! Diese Worte verfehlten jedoch dies Mal den Zweck, den mutigen Mann zu versöhnen. Ihr habt Recht, Mylady, sagte er fest, wenn Ihr Gefühle nicht geteilt glaubt, die zu Euch selbst nicht gehören; Eure schöne Seele müsste sonst erkennen, dass nichts mehr das Andenken dessen ehren kann, an den mein Herz mit Liebe gedenken wird, bis es bricht, als eine freudige und aufrichtige Erfüllung der Pflichten, in denen er uns allen ein leuchtendes Vorbild war. Wenn Ihr den Anteil, den das Unglück erregt, hier in Euern Umgebungen vorherrschend findet, so denkt, dass das Verdienst seiner erhabenen Tugenden hier noch fortwirkt – denkt noch mehr, denkt, dass es Euer eigenes Beispiel ist, was die Härte Eurer ebengesagten Worte widerlegt. – Er stand auf und wollte sich fortbegeben, als die Herzogin bitter ausrief: So, Stanloff, missbraucht Ihr mein grenzenloses Vertrauen, um mich zu kränken? Wie wenig steht es Euch an, mir Vorwürfe zu machen, da ich Euch tiefer in mein Herz sehen liess, als Andere. Darum just, und im tiefsten Gefühle Eures Wertes, wage ich Worten zu zürnen, die Euern Gesinnungen fremd sind, rief Stanloff mit edler Wärme. Wer kann Euch mehr verehren, als ich? Wer hat es Euch öfter und ehrfurchtsvoller gezeigt? Ich verteidige das erhabene Bild Eurer Tugenden, das ich in Wahrheit erkenne, indem ich Aeusserungen zürne, die dort nicht ihren Ursprung haben! Doch ich hatte auch Unrecht, denn musste ich nicht wissen, dass Worte der Art nie bei Euch zu Taten werden? – Genug, Stanloff, sagte die Herzogin in milderem Tone, und vielleicht schon mehr, als ich verdiene; ich will jetzt Eurem Berichte geduldig zuhören. Stanloff nahm schweigend seinen Sitz bei dem Kamine wieder ein und fuhr fort: Mistress Morton sagte mir, dass Euer Durchlaucht von meiner ersten Unterredung unterrichtet sind. Ich hielt diese Erschütterung für nötig, den Zustand von Letargie aufzuheben, der über sie verbreitet war, und ich habe mich nicht geirrt. Der Geist muss oft eben so den Mechanismus des Körpers wieder herstellen, als hülfe noch öfter umgekehrt geleistet wird. Sie ist sich seitdem ihres Unglücks, aber auch all' ihrer Sinnes- und Geisteskräfte bewusst, und ich glaube, es tritt aus der Verwirrung, die sie umspann, ein starker, wohlgeordneter Verstand hervor; ihre körperliche Schwäche und der Gram, den sie um den Tod einer geliebten Tante empfindet, halten ihn noch in einer Art Befangenheit. Aber schon nimmt man eine feine Unterscheidungsgabe wahr, für das, was recht und schicklich ist, und ihre Haltung, ihre Worte zeugen von der Gewohnheit, einen hohen Rang einzunehmen. Sie hat uns allen auf eine höchst gefühlvolle und genügende Art für unsere Pflege gedankt. Aber so sehr sie gegen Mistress Morton und Cottington freundlich und bescheiden ist, scheint sie doch keinen Augenblick im Irrtume über die Verschiedenheit ihrer Verhältnisse. Sie hält uns von sich entfernt, ohne allen Stolz, ja, ohne Worte, ich möchte sagen, durch den Ausdruck, den sie unabsichtlich hat, und der, wenn ich mich nicht sehr irre, ebenso ihrem geist, als ihrem Aeusseren anzugehören scheint. Ich wagte es, sie um Aufschluss über ihr Schicksal zu bitten. Sie bedachte sich einen Augenblick und sagte dann freundlich: Verzeiht, dass ich diese Forderung Euch nicht glaube zuerst gewähren zu dürfen, Ihr macht mir Hoffnung, dass ich meine erhabene Erretterin bald werde sehen dürfen. Ihr, glaube ich, gehören diese Mitteilungen, ihr, die über meine nächste Zukunft entscheiden muss; ihr muss ich auch das Vertrauen aufsparen, mit meinen Entdeckungen nach Willkür zu verfahren. Ich habe überdem nicht viel zu sagen, ich könnte Euch und Allen bald mein kurzes Unglück erzählen, und ich bitte Euch nur um die Wohltat, mir bald den Anblick der erhabenen Frau zu verschaffen, zu deren Füssen ich meinen Dank auszudrücken mich sehne. – Stanloff hielt inne, der blick der Herzogin ruhte auf dem Teppiche zu ihren Füssen. Da sie nicht antwortete, fuhr er fort: Ich habe ihrer nach Euch durstenden Seele versprochen, Euch heute darum zu bitten. Die Herzogin schwieg noch immer, und Stanloff fuhr fort: Euer Durchlaucht muss ich noch eine auffallende Erscheinung berichten, sie betrifft Gaston. – Merklich fuhr hier die Herzogin zusammen. – Gaston begleitete den Zug aus dem Parke nach den bestimmten Zimmern und drängte sich überall durch, um in der Nähe der Bahre und ihrer person zu bleiben. Als die Frauen nach meiner Vorschrift die Lebensversuche machten, war er nur mit Mühe aus dem Zimmer zu entfernen, aber er wich nur bis zur äussern Schwelle. Jeden, der heraus trat, blickte er mit einem kurzen ängstlichen Geheul traurig an, lief ihm einige Schritte nach und kehrte dann zu seinem platz zurück. Als sie im Bette lag, blieb die Tür einen Augenblick offen. Er hatte sich schnell hinein