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eine Verwandte des königlichen Hauses sein, denn nur ihnen kam diese Auszeichnung zu; aber wer konnte sie sein?

Wer hatte sie je gesehen, und wie kam sie an die Hand des Herzogs von Buckingham, welcher, stolz auf ihre Nähe, mit hohnlachender Befriedigung das Erstaunen und die Bewunderung der Anwesenden als einen ihm gehörigen Triumph aufzunehmen schien.

Ihr folgte unmittelbar der Herzog von Nottingham mit seiner Gemahlin, seinem Bruder und dem Grafen Archimbald von Glanford. Aber Alles ward still, als die wundersame Erscheinung sich dem Eingange des Audienzzimmers nahte; denn jetzt musste ihr Name proklamirt werden. Sie selbst schien, diesen Moment kennend, mit leichter Schüchternheit ihn verzögern zu wollen; denn einen Augenblick hielt sie inne, und eine tiefe Bewegung malte sich in ihren Zügen. Da hob sie die grossen dunkeln Augen vom Boden, und sie fielen sogleich auf den König, der im selben Augenblick, die Hand seiner Gemahlin ergreifend, mit lebhaftem Ausdruck der Freude nach der Fremden hindeutete.

Da erhellte das seligste Lächeln das schöne Gesicht der Unbekannten, sie zog die Hand von dem arme des Herzogs von Buckingham, und in voller Selbstvergessenheit ihrer herrlichen natur zurückgegeben, eilte sie mit freudiger Hast, von aller Schüchternheit entkleidet, gross und leuchtend aufgerichtet, wie eine Königin über die Schwelle des Saales.

Maria Stuart, Nichte des Herzogs von Buckingham! rief der Herold, und zugleich gewahrten die überraschten Zuschauer, wie das Königliche Paar, den Tron verlassend, der jungen Herzogin bis zur Mitte des Saales entgegenging, ihrem Fussfall zuvorkommend, sie umarmte und sie zwischen sich dem Trone zuführte, wo zur Linken der Königin auf der zweiten Stufe des Trones ein Sessel ihr angewiesen ward, den sie, nachdem die Monarchen sich niedergelassen, mit der unschuldvollsten Sicherheit einnahm.

Der Herzog von Buckingham nahm seinen Platz hinter dem stuhl seiner Nichte, und der Türsteher proklamirte die Familie des Herzogs von Nottingham, mit dem Zusatze: Richmond, Herzog von Glanford!

Als der junge Herzog sich dem Könige näherte, umarmte ihn derselbe; die Königin reichte ihm die Hand zum Kusse, und der Ceremonienmeister, Graf Dorset, wies ihm das Tabouret an, das, eine Stufe niedriger, neben dem Lehnstuhle der Herzogin von Buckingham stand.

Die Versammlung erfuhr jetzt, dass sie in beiden so hochbeehrten Personen ein Brautpaar sehe, dessen feierliche Vermählung in der Kapelle des Königs gleich nach beendigter Audienz statt haben werde.

Aber was für ein weites Feld für die Mutmassungen blieb nach dieser ungenügenden Nachricht zurück!

Wie wenig hatte ihr Name die aufgeregte Neugierde befriedigt!

Warum gab man ihr den Platz der Prinzessinnen von Geblüt? Wo war sie bisher gewesen? Welche Rolle wird ihr ferner zugeteilt sein?

Es steht nicht zu erwarten, dass diese fragen der Wahrheit gemäss beantwortet wurden. Sie beschäftigten eine Zeitlang die Neugierigen; doch als das baldige Verschwinden der Beteiligten allmälig dieser ersten Anregung alle weitere Nahrung entzog, geriet Alles nach und nach in Vergessenheit.

Die junge Herzogin von Glanford folgte ihrem Gemahl nach Godwie-Castle und verblieb dort im Kreise ihrer Familie, bis die Besitzungen, die der König ihr in der Nähe des ehemaligen Schlosses ihrer Mutter verliehen, zu dem Empfange des jungen Paares mit königlicher Freigebigkeit eingerichtet waren.

Die meiste Zeit des Jahres bewohnten sie Buckingham-Park, so reich an glücklichen Erinnerungen, so nah an Godwie-Castle, so leicht erreichbar für den König, der nie aufhörte, in Maria das Glück seiner Jugend zu lieben.

Nur selten erschienen sie bei hof, ein reicheres Lehen sich schaffend in ihren weitläuftigen Besitzungen, in dem beglückten Kreise ihrer Familie.

Ein Jahr später führte Maria den Grafen Ormond mit Ollony Dorset zum Altare.

Ormond glaubte, er habe bisher nur geliebt als Versuch, endlich vollständig seine beglückte Braut zu lieben; Maria hatte eine erfüllte Hoffnung mehr erlebt.

Bald ruhte die schöne heitere Leiche der alten Herzogin von Nottingham in der Todtenhalle von Godwie-Castle. Ihr herrliches Ende war, wie ihr Leben, ein Segen für ihre Angehörigen.

Ihrer Schwiegertochter war es beschieden, die heitere Ruhe der Verklärten zu ererben. Der Stachel, der ihr ganzes Leben verwundet und dem Blute seinen scharfen Inhalt gegeben hatte, war mit der Entdekkung von Maria's Geburt verschwunden.

Sie fühlte mit Reue und Beschämung, wie grausam sie Zeit ihres Lebens den verkannt, den sie so grenzenlos geliebt.

Diese späte, aber tiefe Reue, die ihr doch ohne Beschämung zu teil ward, da auch nicht ein blick aus dem Auge der einzigen Vertauten, ihrer ehrwürdigen Schwiegermutter, sie mehr an ihr Vergehn erinnerte, erschütterte ihr stolzes, hartes Selbstgefühl und rief eine lang versäumte Weichheit der Gefühle hervor, die den Abend ihres Lebens mit einem sanft leuchtenden Glanz umzog.

Brixton gab den Bitten seines Zöglings nach und beschloss, noch immer tätig und seinem Berufe getreu, Segen spendend, wo er erschien, sein Leben auf Buckingham-Park.

Lanci war als tüchtiger Jägersmann über die herzoglichen Waldungen gesetzt, und Margarit hatte keine Bedenklichkeiten mehr, ihm ihre Hand zu reichen. –

Nach einigen Jahren, als Lady Maria der Königin aufwartete, drückte ihr diese ein Blatt in die Hand.

Es war aus Frankreich. Pater Clemens schickte ihr seinen Segen und Electa's letzten Gruss. Als Ursulinerin war sie in frommer Stille, bald nach ihrer feierlichen Aufnahme in das Kloster St. Clara, dem Pater Clemens als Beichtvater vorstand, verschieden.

Maria schickte ihr den wehmütigen Gruss der Liebe nach, mit dem wir gern ein hinüber gegangenes