Könige, der noch immer über Lady Maria, sie umschlingend, gebückt stand, beugte der Ankommende die Knie und redete ihn auf folgende Weise an:
Ein königlicher Bote erreicht so eben dies Schloss, beauftragt, Euer Majestät in tiefer Ehrfurcht anzuzeigen, dass dem land das ersehnte Heil geschah und der Boden Englands die Königliche Henriette von Frankreich, unsere nunmehrige Königin, empfangen hat.
Der unglückliche Carl schreckte zusammen, lebhaft drückte er die zitternde Maria an seine Brust, dann riss er sich empor.
Ich danke Euch, Sir Ramsei, für die erfreuliche Botschaft, Ihr werdet mich von Euern Wünschen unterrichten müssen. Dem ersten Ueberbringer solcher Nachricht darf keiner unerfüllt bleiben, den zu befriedigen in unserer Macht steht. – Die Augenblicke sind uns also gezählt, sprach er darauf, zur Herzogin gewendet. Gönnt mir eine kurze Unterredung, Mylady, ich bin sie mir, ich bin sie Euch schuldig und diesem teuren kind. Er bat Maria, ihn zu begleiten, und führte Beide in die inneren Gemächer.
Was er hier der Herzogin und seiner Tochter zu sagen hatte, kann kein Gegenstand fernerer Mitteilung sein; wir ahnen es aus der Erinnerung aller im Laufe dieser Erzählung vor uns entwickelten Einzelheiten. Auch brauchte der König dazu wenig Zeit. Er bewirkte einen vorläufig verlängerten Aufentalt für seine Tochter bei der Herzogin, da er selbst sich ausser stand fühlte, vor der beabsichtigten Entdeckung an seine Gemahlin derselben einen Platz anzuweisen, der ihren Ansprüchen gemäss war.
Als er in den Saal zurückkehrte, näherte er sich mit besonderer Huld Lord Richmond.
Was Ihr, Mylord, für meine Tochter getan, hat ein Vaterherz gehört und tief empfunden; ich wüsste keinen Wunsch, den Ihr mir nennen könnt, dessen Erfüllung, so weit es von mir abhängig, nicht eine Befriedigung für meine Dankbarkeit sein müsste. Uebernehmt, bis wir uns wiedersehen, setzte er lächelnd hinzu, das ritterliche Amt, das Ihr so trefflich versteht, bei meiner Tochter! Euch allen, meine Freunde, empfehle ich meine Tochter, Lady Maria Stuart. Zu den Hof-Feierlichkeiten hoffe ich Euch alle als meine liebsten Gäste in London zu sehen.
Der König entfernte sich, sie alle grüssend, und bald sah man, wie seine schwarze Gestalt, umgeben von dem glänzenden zug der Herren des Schlosses, auf schnellem Rosse dahin sprengte. Die königlichen Boten hatten die erste Audienz der Königin von England verkündigt. Das Land schien die Wanderung nach London angetreten zu haben. Das Volk stand in dichten massen an einander gedrängt, der seltenen Lust gewärtig, die das Schauspiel solchen Festes auch den Strassen verhiess.
Zwischen durch bewegte sich der Zug des stolzen Adels von England, Schottland und Irland, mit allem Glanze und allen Ansprüchen ausstaffirt, die Vermögen und Rang jedem Einzelnen gestatteten.
Die Heiterkeit der Jugend, die sich mit tausend Hoffnungen noch nie erlebter Freuden dem Ziele entgegendrängte, umgaukelte mit ihrer anmutigen Lebendigkeit den stilleren Zug der Aelteren, welche, solche Freuden und ihre Täuschungen kennend, den erfahrnen blick, über die ersten Augenblicke dieser neuen Katastrophe hinweg, ihrer Zukunft entgegenrichteten und manche Anzeichen fanden, welche die ernste Erwartung rechtfertigten, womit sie sich dem neuen Herrscherpaare nahten.
Die Säle des alten prachtvollen Whitehall hatten sich bereits mit den Personen gefüllt, welche an die Auszeichnung Anspruch machen durften, hier zu erscheinen. Henriette von Frankreich hatte für jeden berühmten Namen ihres neuen Vaterlandes ein anmutiges Wort, eine schmeichelhafte Bemerkung. Sie schien die gekrönte Anmut zu sein, und ihr Auge leuchtete so heiter und kräftig auf Jeden nieder, wie eine Verheissung glücklicher zeiten. Kaum widerstand einer der alten finstern englischen Barone der jugendlichen Königin. Die Absicht, ihr zu misstrauen, die jene, sie sich als Klugheit anrechnend, mitgebracht, war den Meisten entfallen, und ein unfreiwilliges geständnis neu gewonnener Hoffnung malte sich auf ihrer geglätteten Stirn, während die ritterliche Jugend am Griffe ihrer Degen mehr der schönen Frau, als der Königin ihr Leben vereidete.
Karl der Erste sah nicht ohne Teilnahme den Eindruck, den seine schöne Gemahlin hervorrief. Er selbst hatte einen erhöhten Ausdruck von Heiterkeit und Ruhe, und seine von der natur zur Schwermut gestempelten Züge schienen mit dem Lächeln der Befriedigung der jungen Königin ein heiteres Leben zu verheissen.
Doch blieb eine Unruhe sichtbar, die seine und der Königin Blicke öfter dem Eingang entgegenrichtete, durch den sich noch stets Neuangekommene hineindrängten, welche alle bemüht waren, der neuen Landesmutter ihre Huldigung darzubringen.
Die Versammlung, die keinen andern Augenpunkt, als das königliche Paar, hatte, erkannte bald, dass sich hier etwas begeben solle, welches der ungeduldigen Erwartung sich noch zu entziehen schien und mit doppelter Spannung horchte man auf jeden neuen, von den Herolden verkündigten Namen.
Da entstand schon im Vorzimmer Geräusch und lauter werdendes Gemurmel des Beifalls.
An der Hand des Herzogs von Buckingham erschien ein weibliches Wesen, dessen bezaubernde Schönheit mehr, als der Glanz ihrer Kleidung, alle Anwesenden in gleich grosser Teilnahme bewegte.
So viele laut ausgesprochene und gar nicht überhörbare Zeichen der Bewunderung hatten der edlen und hochgetragenen Gestalt der so Empfangenen jenen leichten Anflug von Schüchternheit gegeben, welcher der Jugend so bezaubernd ansteht und den zarten Wangen ein tieferes Rot verleiht. Sie trug in den dunkeln Locken ein herzogliches Diadem von den kostbarsten Steinen; ihr purpurnes Sammetkleid war mit dem fürstlichen Hermelin besetzt, welcher, von zwei Pagen in der königlichen Livree getragen, seitwärts des silberstoffenen Unterkleides niederfiel und den reichen Besatz von Juwelen zeigte, womit das Mieder befestigt war.
Sie musste