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König liess sich am andern Morgen zu dem gemeinschaftlichen Frühstück melden und ward von der ganzen Familie mit der ehrfurchtsvollsten Freude empfangen. Er wandte auch jetzt seine Reden fast ausschliesslich an Richmond und äusserte endlich, er sei, wie er hörte, so eben erst von einer Reise nach der Ostküste von England zurückgekehrt.

Als dies Richmond bestätigte, fragte der König, was seinen Geschmack eben nach dieser wenig angebauten Gegend hingezogen?

Mich bestimmten bei dieser Wahl nicht die ge

wöhnlichen Anforderungen einer Vergnügungsreise, erwiderte Lord Richmond, es war mehr eine Pflichterfüllung, die mich gegen andere Beziehungen gleichgültig machte.

Eine eigne Angelegenheit? sagte der König, scharf

ihn anblickend. Doch, unterbrach er sich, Richmonds sichtliche Verlegenheit gewahrend, ich dränge mich in Familiengeheimnisse und will Euch nicht in Verlegenheit setzen, nur herzlich wünschen, dass der beste Erfolg diese ausserdem wenig belohnende Reise krönte.

So, darf ich in Wahrheit hoffen, ist geschehen, wie

Euer Majestät die Gnade haben zu wünschen, rief Richmond.

Aber erstaunt sahen die Andern mit ihm, wie der

König bei diesen Worten schnell aufsprang und, mit dem lebhaftesten Ausdruck der Freude auf ihn zueilend, ausrief:

O sagt! sagt! Ihr waret glücklich! Grenzenlos wird

mein Dank sein!

Es blieb keine Zeit, diese unzusammenhängenden

Worte zu deuten; der nächste Augenblick hob den frühern in Ueberraschung auf.

Lady Maria hatte, von sehnsucht, den König zu

sehen, getrieben, Stanloff vermocht, sie nach den Terrassen an dem Saal vorüber zu führen, worin der König frühstückte, da sie sich der Familie nicht anschliessen wollte, um einer Präsentation vor dem Könige zu entgehen, bei der Alle in Verlegenheit kommen mussten, indem dem unglücklichen Mädchen noch immer kein Recht zu irgend einem Namen zuzustehen schien.

Gaston, ihr steter Begleiter, hatte sich auch dies Mal aus den Zimmern ihr nachgeschlichen, und mit ihr die Nähe des Saales erreichend, zeigte er sich plötzlich aufhorchend und eine Spur suchend, die ihn, trotz des leisen Ruf's Maria's, von ihrer Seite weg dem offenen saal zuzog.

Er hatte ihn kaum erreicht, als der König, wie bereits erwähnt, von seinem platz aufsprang und sich gegen den stehenden Lord Richmond wendete.

Im selben Augenblicke hatte Gaston den Freund seines Herrn erkannt und stürzte jetzt mit der leidenschaftlichsten Heftigkeit auf den König zu.

Die augenblickliche Ueberraschung des Königs endete sogleich, indem er Gaston erkannte, seine Liebkosungen erwiderte, und, mit ihm dadurch vorgedrängt, jetzt in eine offene Tür der Hallen trat und dadurch der Lady Maria sichtbar ward, die ihn bisher nicht zu erkennen vermocht hatte.

Seht! rief Stanloff, jetzt kennt Ihr den König sehen, dort steht er mit Gaston an der Tür.

Maria blickte einen Moment hin, dann stiess sie einen Schrei aus und mit dem Ausruf:

O Gott, mein Oheim! stürzte sie dem Könige zu Füssen.

Unaussprechlich war die Ueberraschung aller Anwesenden. Alles sprang auf und eilte dieser unerwarteten Scene entgegen.

Um Gott, Lady Maria! Was begeht Ihr? rief die Herzogin, aufs Tiefste verletzt und erschrocken über den plötzlichen Anblick eines Gegenstandes, den ihr stolzes Herz eben dem Könige zu entziehen getrachtet hatte.

Aber schon änderte sich die ganze Scene. Der König, zu ihr niedergebeugt, mühte sich, sie in seine arme zu ziehen, indem er aufs Lebhafteste ihren Namen unter den zärtlichsten Ausdrücken rief.

Lady Maria richtete sich auf und sagte, an seine Brust sich lehnend, ernst und zärtlich:

Jetzt habe ich wieder eine Heimat auf Erden gefunden. Du wirst mich von allen den Rätseln erlösen, die mich bisher verfolgten, ich werde jetzt einen Namen haben!

O! rief der König mit dem laut des Schmerzes, o Du teures, unglückliches, verfolgtes Kind! Meine ganze Macht kann nicht ausreichen, was Du gelitten, auszulöschen, Dir wieder zu geben, was Du indessen verloren. Aber einen Namen sollst Du haben, auf den Du mit Stolz blicken kannst, eine Heimat soll Dir werden, des Namens würdig, den Du mit Recht führst! – Frau Herzogin, fuhr der König fort, erfahrt jetzt, dass Ihr in den Wohltaten, die Ihr diesem teuern kind gewährt, Euern König Euch zu Euerm lebenslänglichen Schuldner gemacht habt. Hier sei der erste Augenblick, wo ich das süsseste Glück meines Lebens ausspreche. Sie ist meine Tochter, und ihre rechtmässige Mutter ist Elisabet von Buckingham, die Gott früher von dieser Erde rief, als ich vor dem Angesichte der Menschen ihre heiligen Rechte anerkennen durfte.

Du der König? Elisabet meine Mutter? rief Maria. Die Ueberraschung schien ihr alle Kraft zu rauben.

Der König führte sie nach einem Lehnstuhle, sie zärtlich stützend, während um ihn her das Erstaunen und die Ueberraschung Aller sich in den verschiedensten Erscheinungen kund gab.

Doch wir werden das mütterliche Gefühl verstehen, wenn wir sagen, dass die Herzogin, deren lange schmerzvolle Befürchtungen wir kennen, ihre Augen zu Richmond erhob, und, zärtlich sich an den Herzueilenden lehnend, ihn fest und mit einem seligen Lächeln an ihre Brust drückte.

Mit stummem Entzücken blickte die alte Herzogin auf diese Scene, die sie so wohl verstand, denn der Augenblick, der dem Könige die Tochter, hatte auch ihr den verklärten Sohn, sein in reiner Tugend strahlendes Bild zurückgegeben.

Dieser rührende und überraschende Moment, der alle Anwesenden aufs Tiefste und Verschiedenartigste bewegte, ward unterbrochen, indem Sir Walter Ramsei mit feierlicher Amtsmiene erschien. Vor dem