, trotz ihrer kalten Haltung, mit einiger Spannung dem andern Morgen entgegen, der ihr in einer vom Könige erbetenen geheimen Unterredung den wahrscheinlichen Grund seiner Reise offenbar machen sollte.
Der König, der schon beim Eintritte in die Gemächer seines Freundes eine lebhafte Bewegung gezeigt hatte, entliess, sich nach Einsamkeit und Ruhe sehnend, sobald es möglich war, die Herren des Hauses, wie seines eigenen Gefolges und durchschweifte nun mit grossen Schritten die schönen Räume.
Porters naher Tod und die Qualen der Sterbestunde, die den Unglücklichen im doppelten Kampf des Geistes und Körpers zu teil wurden, hatten endlich das lang unterdrückte Gefühl für Recht über alle Sophismen einer jesuitischen Erziehung siegen lassen. Er sah wohl ein, dass die Spur zur Auffindung der unglücklichen Lady Maria, die er durch Lanci gegeben, ihr nur eine höchst bedingte und zweifelhafte Rettung werden würde, so lange der König an ihren Tod glaubte und ihr nicht unmittelbaren Schutz verleihen konnte. So überwand er jede andere Rücksicht und offenbarte seinem grausam betrogenen Herrn sein ganzes tief verworrenes Leben in allen seinen Beziehungen zu der unglücklichen jungen Dame.
Mit welchem Erzürnen auch der König eine solche empörende beichte anhören mochte, der Gedanke, sie lebe und sei ihm wieder zu gewinnen, löschte jede andere Regung in ihm aus, und er sah Porter als seinen grössten Wohltäter an, als habe mit diesem letzten Dienst ein ganzes Leben voll Verrat und Lüge die Weihe der Tugend bekommen.
Porter empfahl noch mit sterbender stimme dem Könige, Niemandem zu vertraun, selbst GodwieCastle aufzusuchen, wo er sie – gelang Lord Richmonds Versuch – finden müsste; denn Porter hatte nur zu viel Ursache, zu glauben, die heiligen Väter hätten, ihm unbewusst, den Platz bereits mit andern Kundschaftern besetzt, von dem sie ihn bald durch den Tod abgesetzt wähnten.
Der König gab sich nach dieser Entdeckung ganz seinem ungestümen Herzen hin, in dessen Folge wir ihn in einem so kritischen Augenblick den Weg antreten sehen, von dessen glücklichem Erfolg er sich alles Glück versprach, dessen er sich noch fähig hielt.
Nachdem er die Gesuchte unter den versammelten Damen nicht gefunden und durch Lord Richmonds Anwesenheit sich doch überzeugt hatte, es müsse irgend etwas sich ergeben haben, fühlte er eine Mutlosigkeit des Geistes, die es ihm unmöglich machte, sich an demselben Abend noch Gewissheit zu verschaffen. Er hatte überdies in den Gemächern seines Freundes noch ein wichtiges Dokument aufzusuchen, und wir sehen ihn jetzt in das Schlafgemach treten, wohin wir früher die Herzogin begleitet haben.
Derselbe Gegenstand war auch das Ziel des Königs; die Holzwand wich dem bekannten Drucke, das schöne Bild lächelte ihm entgegen und machte alle Wunden seiner Brust aufs Neue bluten.
Wir entalten uns, eine Stimmung der Seele zu belauschen, worin dieser zum Unglück bestimmte Monarch von seiner Jugend und allen ihren Hoffnungen Abschied nahm.
In ewiges Dunkel begraben blieb der Welt diese stille und einflussreiche geschichte seines Herzens.
Wir sehen ihn in seiner öffentlichen Erscheinung nur noch zwischen den zwei verderblichsten Fehlern eines Herrschers geteilt, Schwäche und Eigensinn.
Die Zeit, der er verfiel, hatte keine Langmut mehr. In sich kreissend und gährend, zerriss sie die Zügel einer herrschaft, die nicht mehr Schritt hielt mit ihren Forderungen. Sie musste sich in der Willkür müde schwelgen, um die eiserne Rute eines Cromwell küssen zu können.
Nicht ohne Teilnahme denken wir uns den König auf einem Wendepunkte, wo er sich noch ein Mal weich und träumerisch an die Ideale seiner Jugend hängt, freudlos die Zukunft vor sich erblickend, doch nicht ahnend, wie furchtbar sie sich gerüstet hatte, ihn zu vernichten.
Jetzt dachte er, wie er seinem Robert einst dies Urbild ihrer Herzen, worin sie sich wie in einem Brennpunkte ihrer Liebe begegnet waren, heimlich, während einer Abwesenheit des Herzogs in London, in dies stille Gemach hatte einsetzen lassen, – dies Bild, woran der Herzog nicht mehr die Gefühle heisser Liebe knüpfte, sondern eine Begeisterung, eine Stärkung für Erstrebung alles Guten und edlen. Er hatte es wagen dürfen, ihn zum stillen segenbrinden Engel in seine Einsamkeit zu führen. Er wusste, dass Robert von dem Augenblicke an, wo der Prinz in jener verhängnissvollen Nacht, als der Tod des Bruders ihn so viel höher stellte und so viel ferner der früh ihm Vermählten, und er keinen Boten fand, der fernen Leidenden das Wort der Treue zu senden, als Robert, den er sie liebend wusste, – dass von dem Augenblicke dieser Entdeckung an er den männlichen Kampf begann, um über Gefühle zu siegen, die er sich nicht mehr glaubte gestatteten zu dürfen. Er gedachte, wie stolz und mutig er ihn bis zur Vermählung mit Arabella Bristol durchgekämpft; er gedachte des harten Streites der Liebe mit ihm, als er trachtete, den Liebling von einem Schritte zurück zu halten, der ihm von der Verzweiflung eingegeben schien; er gedachte aller guten Stunden, aller treuen Dienste, die ihm dies seltene Freundesherz geleistet in Behütung und Bewahrung des gefahrvollen Geheimnisses, und zugleich mit dieser Erinnerungsfeier zog der Schmerz der Einsamkeit durch sein Herz, und er rettete es nur aus allzumächtigem Weh, indem er des Kindes gedachte, das ihm vielleicht noch geblieben.
Schnell nahte er sich dem Bilde, eine Feder bewegte es langsam aus der Wand hervor, dahinter zeigte sich eine Nische, in deren Raum der König das vom Freunde behütete Kästchen fand, welches alle wichtigen Dokumente für die Legitimität des teuren Kindes entielt, deren Durchsicht er nunmehr sich mit dem bewegtesten Herzen hingab. Der