, der im schloss versammelt war, hatte sich bereits zerstreut, und man genoss der grösseren Stille, die der Familienkreis darbot, zugleich mit der Hoffnung, Stanloff werde dem fräulein bald darin einzutreten erlauben.
Man hatte sich an einem schönen Abend auf den Terrassen versammelt, und heiter mit Stanloff um das Gewünschte streitend, hatte man ihm eben die Zusicherung entlockt, das fräulein bald zu ihnen hinab zu führen, als die Hörner auf den Wart-Türmen neue Fremde ankündigten und dem Herzog die Meldung gemacht wurde, dass sich ein kleiner Trupp Reiter dem schloss nähere.
Sir Ramsei, der dazu beauftragt war, die Fremden zu bewillkommnen und ihnen entgegen zu reiten, entfernte sich zu diesem Ende, und Stanloff, seines Auftrags unter diesen Umständen entlassen, eilte, seine Schutzbefohlene in ihren Gemächern aufzusuchen.
Doch musste Sir Ramsei seinen Weg in kurzer Zeit zurück zu legen sich beeilt haben, denn mit glühendem Gesicht und in der vollsten Aufregung sehen wir ihn über die Terrassen zurück eilen, und sich dem Herzoge nähern, der im Kreise der Uebrigen der neuen Ankündigung harrte.
Nun, sagte er lächelnd, Ramsei's Eile bemerkend, Du scheinst uns sehr Wichtiges mitzuteilen zu haben. Wer beehrt uns mit seinem Zuspruch? Ich hoffe angenehme Nachrichten zu empfangen.
Der Besuch, der Euer Durchlaucht beehrt, folgt auf dem fuss; die Meldung kam zu spät, ihn mit allen Ehren empfangen zu können. Es ist mir untersagt, ihn zu nennen; doch bitte ich untertänigst, dass Euer Durchlaucht sich bis in den Schlosshof ihm entgegen bemühn. –
In Wahrheit, fuhr der Herzog mit guter Laune fort, Du bist sehr feierlich und auf die Ehrenbezeigungen Deiner Gäste sehr bedacht; doch wir folgen Dir, denn Du bist ein zu guter Seneschall, um Deinem Rate nicht vertrauen zu dürfen.
Tut dies, gnädigster Herr! sagte Ramsei, unruhig nach den Hallen blickend.
Es zeigte sich jetzt, dass die Ungeduld des eifrigen Seneschalls nicht ohne Grund war, denn mehrere Herren, denen einer mit der vollen, schnellen Haltung, welche den gewohnten Vortritt verkündigt, voranschritt, traten so eben aus der mittelsten Halle auf die Terrasse.
Der Herzog eilte ihnen entgegen, aber der Herr, der das Barett tief in die Augen gedrückt hatte, übersah flüchtig, fast abwehrend grüssend die Bewillkommnung des Herzogs, und dem Kreise der Damen entgegen eilend, näherte er sich so schnell der verwitweten Herzogin, dass er fast allein plötzlich vor ihr stand.
Wollt Ihr erlauben, dass ein alter Freund unangemeldet alte Freundschaft und Gastlichkeit in Anspruch nimmt, sprach der Fremde, indem er rasch den schwarzen Mantel, der ihn fast verhüllte, zurückschob, den Kopf entblösste und der überraschten Herzogin das schöne, ernste Antlitz Carls des ersten zeigte.
Mein König! rief die Herzogin in der höchsten Bewegung.
Der König! wiederholten Alle.
Der König wandte sich nun, mit Anmut grüssend, zu allen Anwesenden, und mit besonderer Hochachtung zu der edlen Mutter seines verstorbenen Freundes.
Die augenblickliche Verlegenheit, die diesem unerwarteten, fast unerklärlichen Ereigniss folgte, da man den König seiner jungen Gemahlin harrend glaubte, und jeden Augenblick die Meldung ihrer Landung ihn alsdann ihr entgegen nach einer ganz andern Richtung führen musste, wich doch bald der notwendigkeit, jedes Erstaunen zu unterdrücken, welches der König erwarten durfte erregt zu haben.
Derselbe schien jedoch so ernst nachdenkend und wie von einem Gedanken vorherrschend beschäftigt, dass man sich unbeachtet in seiner Gegenwart glauben konnte; nur die verwitwete Herzogin und Lord Richmond machten davon eine Ausnahme.
Die Herzogin hatte den ganzen Abend seine zahllosen fragen zu beantworten, welche unverkennbar irgend einen Zweck hatten, und sich alle um die Reise ihres Gemahls seinen letzten Willen und ihr eigenes Leben seit dessen tod drehten. Eben so Lord Richmond. Der König blickte ihn mit langen prüfenden Blicken an, während er mit der Herzogin redete, und Jeder sah, dass dieser seine vorzügliche Aufmerksamkeit fessele.
Unser erstes Zusammentreffen, Lord Derbery, sprach er freundlich, war ernster Art, gereichte Euch aber so sehr zur Ehre, dass Ihr es nicht anders wünschen könnt.
Der erste wichtige Moment meines Lebens, unter den Augen Euer Majestät bestanden, erwiderte Richmond bewegt, möge alle folgenden der Art heiligen!
So! sagte der König mit beinahe wankender stimme; habt Ihr seitdem fortgefahren, das Werk ritterlichen Schutzes zu üben?
Richmond blickte überrascht den König an und traf auf das prüfende, ausdrucksvolle Auge desselben, worin etwas lag, das er nicht verstand.
Die gelegenheit soll mich entschlossen finden, hoffe ich, erwiderte er; doch zu suchen braucht sie der Mann nicht.
Brav, brav! rief der König, und ich glaube, der Mut, der zu seiner Befriedigung die Gefahren veranlasst, die er zu bestehen trachtet, führt mehr Unheil herbei, als ihm abzuwenden gestattet ist.
Er ward nach diesen Worten aufs Neue still und nachdenkend, und erhob sich sodann, um sich früh in seine Zimmer zurück zu ziehen, kündigte seine Abreise auf den andern Tag an und erbat sich, die Zimmer des verstorbenen Herzogs bewohnen zu dürfen.
Das zurückbleibende Gefolge des Königs bestätigte vollkommen die Ansicht, dass dieser auffallenden Reise eine Absicht von der höchsten Wichtigkeit zum grund liegen müsse, da die alle Kräfte anspannende Schnelligkeit, wie das anbefohlene strenge geheimnis, den unpassenden Zeitpunkt derselben schien vermitteln zu sollen, und sie vom Könige beschlossen ward, als er vom Sterbebette seines alten Kammerdieners, des Master Porter, kam.
Die Herzogin sah