gewaltsam gesprengte Ader der Brust sich geschlossen habe oder fortbluten werde.
Die Herzogin schien aufs Tiefste von dem Opfer erschüttert, welches Maria zu ihrer Lebensrettung gebracht; sie hatte, ihre völlige Besinnung behauptend, mit unbeschreiblicher Angst das verzweifelte Unternehmen vor ihren Augen sich begeben sehen. Ihre dadurch bewirkte Rettung schien ihr keinen Anteil zu erwecken, und sie machte sich fast ungeduldig von ihren Kindern los, sogleich zu fuss Richmond nacheilend, indem sie rasch rief, er habe das Zweckmässigste getan.
Stanloff folgte, und als man Maria in ihrem Blute fand, das wie ein Quell aus ihrem mund floss, schien sie, einen Augenblick von Trostlosigkeit überwältigt, sympatetisch mit Richmond zu fühlen, der, die Verunglückte am Boden stützend, mit allen Ausbrüchen des Schmerzes und der Liebe ihren Namen rief.
Es ward, von Allen betrieben, bald eine Bahre von den Polstern des Wagens verfertigt, auf der man Maria sanft in das Tal zu den lustigen, blumengeschmückten Zelten niedertrug, wo sie der trostlose Geber des Festes empfing, der sich als die nur zu gegründete Ursache dieses Unglücks ansehen durfte. Stanloffs Bemühungen war es gelungen, den entsetzlichen Blutsturz zu hemmen. Seit vier Stunden hatte sich das Blut nicht mehr ergossen, er verlangte aber vier und zwanzig Stunden Ruhe, ehe irgend eine weitere Transportirung zuzulassen sei.
Die Herren erteilten nun die Anordnungen, wie das luftige Zelt zu einer Herberge für die Nacht einzurichten sei, und alle übrigen Zelte wurden ihres Inhalts entkleidet, um dies eine damit auszustatten.
Die Herzogin, Ollony, Richmond und Stanloff waren entschlossen, die vorgeschriebenen vier und zwanzig Stunden bei der Kranken zu bleiben. Der Herzog und die übrigen Damen sollten gegen Abend nach dem schloss zurückkehren, und alles herbeischaffen lassen, was zum Transport der Kranken für den andern Tag nötig wäre.
Master Allincroff entliess seine übrigen Gäste und erklärte sich entschlossen, mit seinen Leuten das Zelt der Herzogin zu bewachen und zu jeder nötigen Veranstaltung während der Nacht bereit zu sein.
Die Herzogin gestattete endlich, da Maria's Zustand sich gleich blieb, dass Ollony ihre Stelle an deren Lager einnahm, und Richmond hielt sich am Eingange des Zeltes bereit, Stanloff mit jeder Dienstleistung zu unterstützen.
Gegen Morgen fiel die Kranke in einen sanften Schlaf, und als der Gesang der Vögel sie mit der Sonne erweckte, wurden Alle überrascht und erfreut, als sie mit kräftiger, klarer stimme Ollony anredete und lächelnd fragte, ob sie wirklich lebe oder im Paradiese sei?
Stanloff gab nun einige freundliche Worte der Hoffnung, und als die langen vier und zwanzig Stunden ohne neues Oeffnen der Ader vorüber gegangen waren, trat man, mit vorsichtig eingerichteten Anstalten vom schloss hinreichend versehen, den gefürchteten Rückweg an.
Als Maria auf ihrer Bahre in den Schlosshof getragen ward, hatten sich alle Bewohner desselben in schmerzlicher Unruhe versammelt, sie zu empfangen, und die lauteste Teilnahme, das Schluchzen der Frauen und Kinder, zeigte hinreichend, wie geliebt das fräulein von Allen war. Die Herzogin, die kurz vorher zu Wagen eingetroffen war, stand mitten unter ihnen, sie war selbst so mit dem Ereignisse beschäftigt, schien so besorgt und geängstigt über den Erfolg der Bewegung, die der Kranken, trotz des sorgsamsten Tragens, nicht zu ersparen war, dass sie alles Andere um sich unbeachtet liess.
Maria, mit offenen Augen, aber todtenbleichem Angesicht, lächelte hold wie ein verklärter Engel zu Allen. Sie fühlte einen Frieden, eine Seligkeit in ihrem inneren, worauf selbst der Gedanke ihres noch möglichen Todes keinen Einfluss üben konnte. Ach! der Tränen wert schien sie sich, als sie Tages vorher anscheinend blühend und gesund über die Höfe ritt, und als ob sie jede Teilnahme, jeden Schmerz unrechtmässig errege, bemühte sie sich, in ihren Zügen den Zustand ihrer Seele auszudrücken.
Die Herzogin befahl, die Bahre nach ihrem Schlafgemach zu tragen, und Maria fand dort Alles zu ihrem Empfange sorgfältig geordnet. Die Herzogin erklärte, die Pflege der Kranken mit Morton allein übernehmen zu wollen, und Maria konnte nichts, als die sorgfältig ordnende Hand an ihre Lippen drücken.
Der Erfolg lohnte so mütterliche Sorgfalt. Es erfolgte kein neuer Blutverlust, die Kräfte ersetzten sich schnell, und Maria verliess bald Bett und Zimmer, und streifte, nicht minder schön bei der blässeren Farbe der Wangen, durch Schloss und Park.
Das Ereigniss schien ein neues Band um Alle geknüpft zu haben. Die Herzogin hatte, von Dankbarkeit hingerissen, in ihrer Liebe gegen Lady Maria, die immer nur wie unterdrückt in ihr fortbestanden zu haben schien, so lebhaft und ohne Rückhalt sich gezeigt, dass Alle, belebt durch das Gefühl ihrer grossmütigen Aufopferung für das Leben der teuern Mutter, sich um sie als den Mittelpunkt aller Bemühungen versammelten.
Auch schien nichts mehr den eigenen Frieden ihr zu stören. Ein stilles Genügen an Allem, wie es war, eine anhänglichkeit an den Platz, wo ihr so viel Liebe entgegen trat, eine kaum verhehlte Scheu vor jeder möglichen Veränderung dieser Lage, tröstete ihre Freunde selbst über das Misslingen von Brixtons Unternehmungen mit der Hoffnung, das fräulein werde eine solche Nachricht mit minderem Schmerze ertragen, wenn sie sich in ihrem jetzigen verhältnis glücklich fühle.
Die Gesundheit der jungen Lady ward aber von ihnen allen als ein Gut betrachtet, für das sie einstehn müssten, und zu ihrer Schonung und Pflege erschien sie noch nicht bei den grösseren Versammlungen der Familie, und blieb, mit Ausnahme kleiner Spaziergänge, auf ihre Gemächer beschränkt.
Ein grösserer Kreis von Fremden