sich neigte, durch die breiten Wege des duftenden Waldes dem schloss entgegen.
Arabella, Ollony und die junge Herzogin ritten in leichter Zierlichkeit vor den folgenden Herren, doch indem sie die Heerstrasse überschreiten wollten, entfuhr ihnen Allen zugleich ein freudiger Ausruf der Ueberraschung, Arabella gab ihrem Pferde die Zügel und flog in jagendem Laufe die Heerstrasse hinab.
Richmond, Richmond! rief dagegen Lady Anna ihrem herbeieilenden Gemahle entgegen, und bald fanden sich Alle um den sehnlich Erwarteten versammelt, der nicht säumte, ihrer fröhlichen Eile zu begegnen.
O Richmond, rief der junge Herzog, wie bist Du von uns Allen herbei gesehnt, und wie lange hast Du uns ohne den Trost gelassen, von Dir zu hören!
Rechne mir nicht zu, was unvermeidlich in den Umständen lag, rief Richmond, und denkt nicht geringer deshalb von meiner Liebe gegen Euch. Aber sagt mir jetzt, um mich von jeder sorge zu befreien, wie ich unsere teure Mutter finden werde?
Die augenblickliche Pause, die hier eintrat, und welche der aufsteigenden sorge über die Stimmung der Herzogin galt, ergriff Richmonds zärtliches Herz und drückte sich in seinen Zügen aus, als der junge Herzog ihn zu beruhigen eilte, indem er ihm die Versicherung gab, dass sie wohl auf sei, aber in ihrer Stimmung geschont, erst auf seine Ankunft vorbeitet werden müsse.
Richmond fühlte leicht, dass hier eine kleine Verlegenheit obwalte, und es ward ihm nicht schwer, die Veranlassung von sich herzuleiten, da er wohl wusste, wie seine Mutter auf jeden Schritt zur Auffindung der Gräfin Melville ein Interdikt gelegt, dem er durch seine Bemühungen allerdings entgegen gehandelt.
Nun, so bitte ich denn, rief er, sich seiner guten Sache bewusst und der Liebe seiner Mutter vertrauend, eilt mit dieser Vorbereitung, sobald Ihr es vermögt, denn mir folgen auf dem fuss zwei Personen, deren besonderes verhältnis ihr mitzuteilen ich mich sehne, und, indem ich sie indessen Eurer Liebe empfehle, sie zugleich als alte Bekannte nenne, nämlich die Gräfin Melville und Master Brixton, ihr Erzieher.
Ein Ausruf der Teilnahme war die Antwort auf diese Ankündigung, und wir überlassen es dem Leser die verschiedenen Veranlassungen in den beteiligten Personen sich selbst hinzu zu denken.
Nach einem kurzen Kampfe entschied sich der junge Herzog, seinen Bruder selbst nach dem schloss zu begleiten, und ersuchte den Grafen Ormond, den Reisenden mit Sir Ramsei entgegen zu reiten, sie in seinem Namen zu begrüssen und in Godwie-Castle einzuführen. Dann lenkte er sein Pferd an die Seite seiner Gemahlin, und mit besonderer Aufmerksamkeit ihren Zügel fassend, schien er sich recht ihrer Gegenwart versichern zu wollen.
Graf Archimbald beschloss gleichfalls seinen Liebling zu begleiten, da es ihm höchst unangenehm vorschwebte, ihn der übeln Laune seiner Schwägerin verfallen zu sehen.
Er eilte sogar dem jungen Herzoge voran, sich bei der Herzogin einzuführen, und wir glauben, dass der Neffe dies Geschäft dem Oheim gern überliess.
Ein kurzes Gespräch mit Richmond hatte ihm zu einer gedrängten Uebersicht des Geschehenen verholfen, und er hoffte, diese Mitteilungen würden versöhnend das Herz der Mutter erweichen.
Er fand sie in der strengen und ernsten Haltung, die einen weniger gefassten Mann als Graf Archimbald von jeder Annäherung zurückzudrängen geeignet war.
Im Gegenteil aber reizte ihn diese Wahrnehmung in einzelnen Fällen noch zu einem stärkern Hervortreten der eigenen kalten Schärfe, und sie begannen gewöhnlich damit, einander beim ersten Anblick wegen dessen zu zürnen, was sie im Laufe des Beisammenseins gegen einander zu verschulden gewärtigten.
Ich hoffe, meine teure Schwägerin, hob er, ihr zuvorkommend, an, ich finde eine gute Stunde zur besten Botschaft, die ich glaube bringen zu können. Richmond, der verlorne Sohn, nähert sich dem schloss, und ich bin voran geeilt, mir vor allen den Lohn so guter Botschaft von Euerm freundlichen gesicht abzufordern.
Der jähe, plötzliche Schreck, der mit einer hohen Röte das strenge Gesicht der Herzogin überflog, raubte ihr, tief ihr Herz erschütternd, für einen Augenblick die Sprache. Sichtlich jedoch den Anteil von Freude bekämpfend, den diese Nachricht in sich schloss, zeigte sie bald einen Ausdruck, gemäss der Stimmung, die sie glaubte zeigen zu müssen.
Ihr überrascht mich, Mylord! Lasst mich hinzusetzen, dies ist vorläufig das einzige Gefühl, dem ich Raum geben kann. Zu früh lernen Mütter die notwendigkeit kennen, ihre Kinder als fremde, sich von ihnen lossagende Personen ansehen zu müssen. Mein Sohn hat mir in seinem letzten Verfahren darin den Unterricht gegeben, der mein Herz zu schmerzlich traf, um mich ganz frei ihm gegenüber zu fühlen, da ich ausserdem von der Schwäche frei bin, darum, weil es eben mein Sohn ist, seinen Handlungen eine blinde Bewunderung zu zollen.
Auf solchen Anspruch scheint er sich auch nicht beschränken zu dürfen, erwiderte Graf Archimbald mit kühler Gleichgültigkeit, im Gegenteil scheint er mit männlicher Festigkeit erreicht und beseitigt zu haben, was für uns alle eine Verpflichtung geworden, deren Lösung jedoch von so mannigfacher Schwierigkeit war, dass sie, wie billig, das Maass von Tätigkeit einer Frau übersteigen musste.
Ich erinnere mich nicht, diese Sache, in so fern Ihr von dem Schicksale der jungen Abenteurerin sprecht, der wir Schutz gewährten, über meine Kräfte hinaus gehalten, wohl aber sie vollständig für meine Angelegenheit erklärt und Niemandem die Verantwortlichkeit auferlegt zu haben, womit dann der Gegenstand für alle Andern erledigt und ich, jede unberufene Einmischung als Anmassung und beleidigende Bevormundung meines Willens anzusehen, befugt war.