1836_Paalzow_083_234.txt

zu Gebote steht, eilen, Euch derselben sobald wie möglich zu entziehen, jetzt aber versucht, uns Eure Mitteilungen zu machen.

Ich bin bereit dazu, sprach Maria mild, wenn anders mein gütiger Arzt, der sich dort an der Tür schon einige Mal gezeigt hat, es nicht anders bestimmt.

Ich würde wagen, Euch eine kurze Ruhe vorzuschlagen, sprach Electa, sich schüchtern nähernd und den Puls fühlend; Ihr seid sehr bewegt und eine Wiederkehr des Fiebers wäre nicht erwünscht.

Gewiss nicht! rief Richmond, lebhaft aufstehend, beurlaubt uns, Mylady, bis wir uns ohne Furcht, Euch zu schaden, wieder nähern dürfen.

Lady Maria willigte ein, und die Herren zogen sich nach dem Vorsaal zurück, indess sie auf ihrem Bette ruhte.

Doch musste Electa ihr bald den Wunsch zugestehn, zurück zu kehren, und nachdem sich Alle um sie versammelt hatten, erzählte sie, was uns bereits bekannt ist so weit ihre eigene Kenntniss der Umstände reichte.

Wir unterlassen es, ausführlich den Eindruck zu schildern, den diese Mitteilungen in ihren verschiedenen Beziehungen auf die Zuhörer machen mussten, und erwähnen nur, dass, während sich Nichmond gelobte, Membrockes ehrlose Betrügereien zu strafen, Brixton sich in Besorgnisse gestürzt fühlte, die um so quälender waren, je weniger es ihm möglich war, die sich durchkreuzenden Absichten in Uebereinstimmung zu bringen mit einer Entdeckung der Geburt des Fräuleins, die Buckingham höchst unwahrscheinlich zu ihrem Feinde machen konnte. Er fühlte, dass ihm nur eine Annäherung an die höchste und dabei zumeist interessirte person genügend Aufschluss geben könnte, und er kehrte aus seinem tiefen Nachdenken mit einer Aeusserung zurück, die alle seine Wünsche einschloss, indem sie die mögliche Beschleunigung ihrer Abreise empfahl.

Electa's Entscheidung war hiebei die wichtigste. Sie bat noch um zwei Tage Ruhe, und die Herren, sich diesem Ausspruch fügend, eilten alle Anstalten so zu treffen, dass jede Sorgfalt mit der möglichsten Eile sich vereinigte.

Diese Tage, die Lady Maria in ungestörtem Umgange mit ihren Freunden verlebte, hatten einen so auffallenden Einfluss auf ihre Gesundheit und Stimmung, dass sich kein weiterer Aufschub der Reise nötig zeigte und sie dies Haus des Schreckens mit völlig leichtem Herzen verlassen haben würde, hätte sie das Schicksal ihrer Wohltäterin Electa nicht mit sorge erfüllt. Dies zarte Wesen, dessen Gemüt ohne Kraft und eigne Bestimmungsfähigkeit, den einzigen Anhalt ihres verfehlten Daseins in der selbst gewählten Knechtschaft gegen ihre geistlichen Oberen gefunden hatte, und jede unschuldige sehnsucht nach der Welt als die schnödeste Sünde in sich verfolgte, der sie doch immer wieder unterlag, fühlte sich nun sogar erschüttert in ihrem Glauben, in ihrer Ergebung gegen diese ihre bisherigen Vorbilder durch die Kenntniss ihrer wahren Gesinnungen, wie sie die letzten begebenheiten ihr von allen Seiten schonunglos gegeben hatten.

Sie lebte nur so lange noch in leidlicher Fassung, als die Wunde der Lady Maria ihr eine ihrer früheren Existenz gemässe Beschäftigung gab.

Jetzt, als von dieser Seite ihre Tätigkeit aufhörte und die nahe Abreise der Lady ihr das einzige Wesen zu rauben drohte, zu dem sie sich noch hingezogen fühlte, von dem sie sich geschützt sah, da sank ihr ganzes Wesen in Trostlosigkeit zusammen, und Vergangenheit und Zukunft schien ihr eine ununterbrochene Kette von Unglück und Leiden.

Mit zarter Teilnahme suchte Maria den Zustand der Leidenden nach und nach zu erforschen, und wagte es endlich, den Gedanken einer Rückkehr in die Welt in ihr anzuregen. Aber sie fand hier das einzige entschiedene Gefühl der Armen in bestimmter Abneigung dagegen und erfuhr genug, um ein schmerzlich verratenes Herz zu ahnen, das nur durch gänzliche Flucht aus jeder Beziehung des Lebens Rettung gefunden hatte.

Sinnend sah sie der unentschlossenen Leidenden nach dieser gewonnenen überzeugung gegenüber, mutlos selbst ihrer Zukunft gedenkend, als sie plötzlich von einem Gedanken ergriffen ward, dem sie schnell die Frage folgen liess, ob sie den Aufentalt des Pater Clemens kenne?

Electa schien von dem blossen Namen wie electrisirt, und augenblicklich gab sie das Kloster in Frankreich an, wohin der Pater sich zurückgezogen hatte.

Nun, rief Maria lebhaft, so geht zu ihm und unterwerft Euer Leben seiner ferneren Bestimmung!

Engel des himmels! rief Electa, sich mit Begeisterung vor Maria hinwerfend, welche Eingebung sprach aus Euch. Ja, Ihr habt das Rechte getroffen; doch wie soll ich ihn erreichen? sprach sie plötzlich, zur grössten Mutlosigkeit zurückkehrend.

dafür lasst mich sorgen, sprach Maria heiter und sicher; ich gebe Euch mein Wort, Ihr sollt ihn erreichen ohne Fährlichkeit und Not. Zugleich stand sie auf, drückte das schüchterne Wesen liebevoll an ihre Brust und begab sich in das Nebenzimmer, wo ihre Freunde sie bereits erwarteten.

Mit der ganzen Wärme des Gefühls, das ihr so eigen war, trug sie ihnen ihre Absichten und Wünsche in Bezug auf Electa vor, und beschwor sie, die Mittel dazu ihr anzugeben und einzuleiten.

Auch fand sie bei Richmond die lebhafteste Bereitwilligkeit, bei Brixton die wohlmeinendste Absicht. Nur Oberst Crawford beobachtete ein ängstliches Schweigen und gestand endlich, als ihn Maria zur Teilnahme aufforderte, er bezweifle, dass er einen der Bewohner des Schlosses entlassen dürfe, bevor seine Instruktionen aus London angekommen sein würden, da er sich genötigt sehe, bis dahin alle Vorgefundenen als gleich schuldig und als Gefangene zu betrachten. Er setzte hinzu, wie er hoffe, dass man nach seinem Berichte geneigt sein werde, diese ganze Angelegenheit, da sie in sich als aufgelöst anzusehen sei, der Vergessenheit zu übergeben, und wie er alsdann zu der