, dass wir des Glückes inne werden, Euch genesen zu sehen.
Sanft lächelnd reichte Maria dem ehrwürdigen Herrn den Arm und nahm einen der Lehnstühle ein, die nun um sie her von so teuern Personen besetzt wurden.
Mein Herz sehnt sich, teurer Sir, hob Maria an, sich zu Brixton wendend, Euch Rechenschaft zu geben von meinem Leben, seit ich durch den Tod meiner Tante mir selbst überlassen blieb, und Euch, Mylord, fuhr sie gegen Richmond fort, bin ich ebenfalls Rechenschaft schuldig über die traurige Verblendung, die mich aus dem Schutze meiner grossmütigen Wohltäterin, Eurer Mutter, führte, die mich so hartnäckig widerstehn liess, wie Ihr und Lord Ormond einen grossmütigen Versuch machtet, mich derselben zu entziehen. Möchtet Ihr in dem, was ich hierüber zu sagen haben werde, einigen Anlass finden, mich mild zu richten. Ich hatte mit einem plötzlichen Lebenswechsel nicht die Schärfe des Urteils, den Schatz der Erfahrung erhalten, die meine Handlungen hätten leiten können, mit Beschämung habe ich die törichte Sicherheit erkannt, womit ich geneigt war, meiner jungen überlegung zu folgen; lasst es Euch rühren, wie sehr ich dafür bestraft ward, setzte sie mit einem Lächeln voll Anmut hinzu, das die sanfteste Bitte um Nachsicht aussprach.
Es ist wenigen Menschen ein so ausserordentliches Schicksal zu teil geworden, als Euch, erwiderte Richmond, wer könnte wünschen, dass Euer unschuldiges Herz, Euer hochgestellter Geist eine Ahnung gehabt hätte von den bösen Absichten, die man Euch sicher mit grösserer Schlauheit zu verhüllen suchte, als Ihr vorauszusetzen vermochtet. Wir konnten nur beklagen, dass uns kein Recht zustand, in Euern missleiteten Willen mit höherer Gewalt einzuschreiten, als eben das einer kurzen Freundschaft, die das Glück uns gegönnt.
Dass ich diese nicht ausreichend fand, erwiderte Maria, dass irgend etwas mich abhalten konnte, sie für meine Autorität anzuerkennen, muss ich mir zum schmerzlichsten Vorwurf machen und kann Eure gütige Absicht, mir Beschämung zu ersparen, nicht wegläugnen; aber gewiss ist es, und ich halte dies zu meiner Rechtfertigung gern fest, dass meine Lage traurig und ungewöhnlich war, und gewiss geeignet, Neigung und Pflichtgefühl in einem unerfahrenen Wesen in Verwirrung zu bringen. Ganz, fuhr sie nun ruhiger fort, ist es mir noch nicht möglich, den Plan und die Absicht zu durchschauen, um derentwillen man mich dem ehrwürdigen Schutze Eurer Familie, Lord Richmond, entzog. Betrogen scheint mir aber jedenfalls von meinen spätern Feinden der gewesen zu sein, der mich zuerst betrog. Doch betrogen werden um Freiheit und Lebensglück sollte ich, und vielleicht erhielt diese erste Absicht hier noch eine Ausdehnung durch den Hass der Lady Sommerset, welche selbst meinen Tod herbei zu führen suchte.
Es wird mir schwer, fuhr sie nach einigem Nachdenken fort, welches keiner der gespannt Lauschenden zu unterbrechen wagte, unter meine Feinde einen Mann zu zählen, der mir Hochachtung und Vertrauen, ja, Dankbarkeit eingeflösst hat, da er mich von der verhassten Nähe des Lord Membrocke befreite. Er war es zwar, der mich hier in mein gefängnis führte, aber es schien mir nur zu oft, dass er wider Neigung und Gefühl einem Zwange gehorchte, der seinen lichtvollen Geist in Fesseln hielt, den er mir auch später andeutete, und der ihn als einen Anhänger des Ordens Jesu bezeichnete. Er war Mönch und nannte sich mit seinem Ordensnamen Clemens.
Musste er mich auch hier begraben, so war er doch freundlich bemüht, mich im Schutze meiner Beschäftigungen und einiger wohltuenden Aeusserlichkeitn zu erhalten, denn diese Zimmer bestimmte er mir selbst und endlich die grösste Wohltat, Margarit teilte er mir zu.
Lange habe ich gehofft, er würde es sein, dem ich meine Befreiung danken könnte, und habe ich mich darin getäuscht, so kann ich die überzeugung nicht aufgeben, dass er nur gehindert ward, vielleicht durch eben die Autorität, der er sich so willig beugte, obschon sein Geist über ihr stand.
Ich habe ihm daher geglaubt, als er mir die Täuschungen entüllte, die mich in mein Verderben stürzten, obwol ich nicht einzusehn vermochte, warum ich so wichtig war für einen der mächtigsten und, wie Pater Clemens ihn nannte, einen der verdorbensten Grossen des Landes, von dem Lord Membrocke nur als Mittelsperson gebraucht worden war, mich zu entführen, und den er den Herzog von Buckingham nannte. –
Herzog von Buckingham! rief Brixton, so heftig aufspringend, dass Maria zusammenfuhr, ist es möglich, grosser Gott, in dessen Händen waret Ihr? Und kannte er Euch, sagt, wusste er, wen er in Euch hatte?
Teurer Sir, sagte Maria in sanftem Vorwurf, Ihr vergesst, dass ich selbst mich nicht kenne, dass ich nicht zu sagen wissen würde, ob er mich kannte, hätte er mir selbst einen Namen beigelegt. Doch jedenfalls wusste er mehr von mir, als ich erwarten konnte, denn betrogen hat er mich nur durch diesen Brief und dieses Petschaft, denen ich zu folgen für Pflicht hielt, wie ich denn früher jede andere Art, mich zu überreden, zurückgewiesen hatte.
Maria zog hier Beides hervor, es Brixton überreichend.
grosser Gott! rief Brixton, als sein blick auf diese Gegenstände fiel, es ist Alles verraten!
Pater Clemens, fuhr Maria mit dem Bestreben, den Erschrockenen zu beruhigen, schnell fort, sagte mir, dieser Brief sei nicht von meinem Oheim, dessen geliebte Handschrift er trägt, er sei nur nachgeahmt, und der Inhalt hätte mich